Spekulationen um Zukunft des Startrainers

Deshalb verlässt Guardiola die Bayern (nicht)

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Pep Guardiola im Bayern-Training.

München - Verlängert er - oder ist das Gastspiel von Pep Guardiola im Sommer 2016 in München schon wieder beendet? Darüber wird derzeit heftig spekuliert. Was spricht für einen Verbleib? Was dagegen? Ein Überblick.

"Pep Guardiola ist der beste und populärste Trainer in der Geschichte des FC Bayern und der Welt", lobte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge 2013. Und den will man natürlich halten. „Wann immer er Lust hat, wir oder ich stehen bereit“, sagte Rummenigge. Doch der Fußball-Philosoph Guardiola lässt sich Zeit. Erst in der vergangenen Woche sind neue Spekulationen aufgetaucht, wonach der Spanier 2016 schon wieder gehen könnte.

Wie geht es mit Pep Guardiola beim FC Bayern weiter? Was spricht für eine Verlängerung über 2016 hinaus, was dagegen? Wir haben ein paar Argumente gesammelt. 

Das spricht für eine Verlängerung

Bayern München liegt ihm zu Füßen: "Es gibt nur einen Plan A und der heißt Guardiola", stellte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge kürzlich klar. Pep oder nichts. In Barcelona hatte er mit Präsident Sandro Rosell ein schwieriges Verhältnis, in München lesen sie ihm jeden Wunsch von den Augen ab. Thiago und Xabi Alonso, Nachwuchsspieler wie Kurt und Kimmich, Trainer- und Betreuerstab: Guardiola wünscht, Rummenigge erfüllt. Selten war ein Trainer weniger umstritten und die Spieler dem Trainer fast hörig. An den FC Hollywood erinnert sich heute niemand mehr.

Die Bundesliga ist die Wohlfühlliga: Hier bekommen Trainer und Spieler pünktlich ihr Gehalt, die Stadien platzen aus allen Nähten. Die Bundesliga ist eine Wohlfühlliga. Ganz anders als in Italien und Spanien etwa, wo Politik und Fußball ineinander fließen. Der enttäuschte Berlusconi soll den Wechsel von Pep Guardiola nach München ausgeplaudert haben. „Vielleicht, weil ich nicht bei seinem Klub unterschrieben habe“, mutmaßt Guardiola. In Deutschland erfährt der Trainer nur Anerkennung.

München ist Weltstadt und Dorf: "Du kannst dort einfach ein weiterer Bewohner dieser Stadt sein", sagten ihm Freunde, als er aus New York von seiner Auszeit zurückkehrte. In München schätzt er die Zurückhaltung der Leute. Er ist in Santpedor geboren, einer Kleinstadt mit 7000 Einwohnern und weidenden Eseln auf den Hügeln. Er demonstriert für die Unabhängigkeit seiner katalanischen Heimat. Guardiola liebt sie genauso wie die großen Metropolen.

Keine Alternativen: Wenn Pep Guardiola den FC Bayern verlassen würde, gäbe es nicht viele Vereine, die ihn locken könnten. Die englische Liga vielleicht, sie ist ausgeglichen und attraktiv. Klubs mit großer Geschichte (Manchester United, Arsenal London, FC Liverpool) und großen finanziellen Mitteln (Manchester City) könnten Pep locken. Der italienische Fußball bietet kaum das Umfeld, in dem sich Guardiola wohl fühlen würde, obwohl er früher für den AS Rom und Brescia spielte. Und es ist kaum vorstellbar, dass er in Spanien eine andere Mannschaft als Barcelona übernehmen könnte.

Das spricht dagegen...

Bayern ist zu perfekt: Guardiola ist ein Trainer, der Lösungen liebt und sie sucht. Doch es sind keine Probleme in Sicht. Bayern München verfügt über ein prall gefülltes Festgeldkonto, eine abbezahlte Arena, die immer ausverkauft ist. Er führt ein Team, das schon vor ihm alles gewonnen hat. Jährlich setzen die Bayern eine halbe Milliarde Euro um. Finanziell scheint es kein Limit zu geben. Kein Star, den die Bayern nicht holen könnten.

Der Held ist einsam:  Die Liga hat sich der Dominanz der Bayern längst gebeugt. Anders als in Spanien, wo er mit Real Madrids Jose Mourinho auf einen Gegenentwurf seiner Selbst traf. Philosophie gegen Wille. Die Konkurrenz spornte an, trieb Mannschaft und Trainer zu Höchstleistungen an. Aber sie kostete auch Kraft. Guardiola ist in der Bundesliga ein einsamer Held ohne Abenteuer. Mit anderen Worten: Pep könnten in München die wirklichen Herausforderungen fehlen.

Das Spiel macht müde: Irgendwann zermürbt das wöchentliche Spiel um Punkte, die Bewertung im Drei-Tage-Rhythmus. Und das Tagesgeschäft, das Niederlagen nicht verzeiht und Erfolge so schnell vergisst. In Barcelona war Pep Guardiola so sehr mit dem Herzen dabei, dass es ihm all seine Kraft raubte. In München scheint der Kopf zu entscheiden. Aber auch der Kopf kann müde werden.

Alles was strahlt, verliert seinen Glanz: Barcelona verließ Pep Guardiola, weil der Erfolg ihn müde machte: „14 Titel in nur vier Jahren markieren das bislang beste Ergebnis in der gesamten Vereinsgeschichte. Es fiel mir immer schwerer, mich selbst und mein Team zu motivieren", sagte Guardiola damals. 2016 könnte er wieder an der gleichen Stelle stehen. Im ersten Jahr holte er das Double, in diesem Jahr soll das Tripple das Ziel sein. Und dann?

Barca lockt: Barcelona soll für den geliebten Sohn schon den Posten als Sportdirektor bereit halten. Der ehemalige Präsident Joan Laporta bereitet für den Sommer 2016 seine erneute Kandidatur vor. Kernpunkt seines Programms ist eine Rückkehr von Pep Guardiola als Sportdirektor - mit allen Vollmachten. Unter Laporta begann Guardiolas Aufstieg zum Startrainer bei Barcas B-Team, unter ihm feierte er seine ersten Erfolge. Eine Rückkehr nach Barcelona hatte Guardiola bisher immer ausgeschlossen - allerdings nur als Trainer.

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