Ösi-Superstars im großen Doppel-Interview

Auf einen Kaiserschmarrn mit Fenninger und Alaba

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München - Anna Fenninger und David Alaba über bayerisch-österreichische Beziehungen, Geparden-Vergleiche, Conchita Wurst und Angst vor der Streif: Das große Doppelinterview.

Anna, David Alaba sitzt neben Ihnen – wie steht es um Ihr Fußballwissen? Können Sie Abseits erklären?

Anna Fenninger: Ungefähr (lacht). Ich lasse mich gerne mitreißen von einer WM oder EM, auch mal bei der Champions League. Mit David ist die Aufmerksamkeit klar gewachsen. Von seiner Persönlichkeit und Leistung her verkörpert er große Klasse, da freut sich unsere ganze Nation mit.

Und David, wie schaut es mit Ski-Alpin-Wissen aus: Was ist ein Innenskifehler?

David Alaba: Was bitte? Na, im Ernst. Ich kann schon ein bisserl Skifahren. Also ein bisserl den Berg runterrutschen. Ich kann das, was Anna gerade über mich gesagt hat, nur zurückgeben: Wenn sie zwei Mal WM-Gold holt, ist das für uns alle etwas Besonderes.

Sie fiebern da also vor dem Fernseher mit?

Alaba: Wenn es geht. Und wir haben mit Basti Schweinsteiger noch einen im Team, der sich für Skifahren interessiert. Da flachsen wir auch mal.

Zwischen den Feiertagen waren Sie in Kitzbühel.

Alaba: Ja, mit meiner Familie und Freunden. Aber mit Skifahren ging da nix. Ich war ja verletzt. Da war nur Schneeballschmeißen drin. Ich war einmal live bei einem Rennen in Kitzbühel – das ist Wahnsinn. Ich habe großen Respekt vor den Fahrern: Das ist extrem, was sie leisten.

Wie ist Ihr Kontakt: Haben Sie Anna nach ihren WM-Siegen gratuliert?

Alaba: Ich habe ihr eine Nachricht geschrieben.

Fenninger: Das hat mich gefreut. Man muss ja nicht ständig Kontakt haben, aber wenn man so einen großen Sportler wie David in der Nation hat, ist es schön, ihn mitzuerleben, und auch zu wissen: Bei Fragen kann ich ihm schreiben.

Und wenn er mal eine Skistunde bräuchte . . . ?

Fenninger: Ja, sicher. Gerne. Ich würde ihn auch zu einem Rennen jederzeit einladen.

Sind Sie Bayern-Fan?

Fenninger: Ja. Wenn ich Fußball schaue, schaue ich am liebsten Bayern. Die österreichische Liga ist, sagen wir, ein bisserl schwierig. Ich war bisher nur ein einziges Mal im Stadion. Und am Fernseher ist es leichter, mit David und seinen Bayern mitzufiebern.

Und wie steht es mit der Nationalelf – bei großen Turnieren war Austria zuletzt nicht vertreten . . .

Fenninger: Bei der nächsten WM klappt es ja vielleicht – oder bei der EM, da schaut es doch ganz gut aus. Bei der WM in Brasilien, ganz ehrlich, war ich für Deutschland. Ich habe der Mannschaft von Jogi Löw auch via Facebook gratuliert – da ging es dann rund auf meiner Seite (lacht). Das hat mich erst gewundert, aber so ist es einfach, wenn man in der Öffentlichkeit steht. Da wird man auch einmal für solche Kleinigkeiten kritisiert.

David, hatten Sie ein schlechtes Gewissen, weil Sie vor dem großen Alpin-Star Marcel Hirscher „Sportler des Jahres“ wurden?

Alaba: In erster Linie habe ich mich, so ehrlich bin ich, gefreut. Aber ich habe schon öfter erwähnt, dass ich es jedem gegönnt hätte. Marcel ist ein Wahnsinns-Athlet. Was er seit Jahren leistet, ist phänomenal. Ich kriege mit, wie hart er arbeitet, um immer ganz oben zu stehen. Er ist ein super Profi. Ich kann viel von ihm lernen.

Anna hat zwei WM-Titel geholt. Wann werden Sie Weltmeister?

Alaba: Das wird bei mir nicht ganz einfach, gell (lacht)? Die Champions League ist ein guter Trost, aber wir haben jetzt auch große Ziele mit der Nationalelf. Wir wollen bei der EM in Frankreich unbedingt dabeisein und werden alles dafür tun. Danach können wir auch über die WM reden.

Fenninger: Wo ist die nächste Fußball-WM? Katar?

2018 ist Russland Gastgeber. 2022 dann Katar. David, wissen Sie denn, wo die nächste Ski-WM ist?

Alaba: Gute Frage (grinst).

Fenninger: Da musste ich selber kurz grübeln: St. Moritz!

Am Morgen vor dem Super-G bei der WM in Vail sollen Sie fast apathisch durchs Hotel geschlichen sein – dann holten Sie Gold. Was war der Hintergrund?

Fenninger: Ich weiß nicht, ob mein Körper das checkt, dass er Energie sparen muss. Wichtig sind die zwei Minuten auf der Piste, dass ich da 100 Prozent bringe. Bin ich in der Früh müde, ist das kein Problem. Schlimmer wäre, wenn ich zu früh voller Energie wäre. Das ist eine gewisse Vorbereitung, die läuft automatisch.

Alaba: In der Phase vor einem Spiel ziehe ich mich immer zurück: Kopfhörer auf, Musik: Hiphop oder R’n’B.

Fenninger: Am Start wäre das bei mir schwierig, da trage ich Helm (lacht). Aber ich arbeite selten mit Musik. Direkt vor dem Start ist Ruhe. Und harte Musik mag ich eh gar nicht, die kann ich nicht verarbeiten.

Fenninger trifft Alaba: Ösi-Superstars unter sich

Anna, Sie setzen sich für Geparde ein. Die ruhen auch, ehe sie zuschlagen. Ein Namibia-Urlaub soll Sie da geprägt haben . . .

Fenninger: Das hat mich in der Persönlichkeit total verändert. Vielleicht habe ich mir da unbewusst was von den Geparden abgeschaut, aber generell war das Naturerlebnis sehr prägend. Ich bin jeden Tag draußen, schätze das bewusste Erleben bei uns in den Bergen. In Afrika habe ich das erste Mal wilde Tiere gesehen, und da ist mir noch einmal extrem bewusst geworden, dass die Natur viel mehr ist als nur wir Menschen. Der Mensch ist eigentlich so klein – umso bewusster sollte man sich fragen: Was wollen wir eigentlich? Du wirst so oft hochgejubelt. Denke ich an Afrika, wird mir klar, was wirklich wichtig ist.

David, Geparde laufen bis zu 120 km/h – auch Anna wird auf der Piste so schnell . . .

Alaba: Also, 120 km/h laufe ich sicher nicht (lacht). Ich bin auch gerne in der Natur. Von München aus ist man in einer Stunde in den Bergen, das genieße ich an freien Tagen. Aber ich bin jetzt keiner, der einen Monat in der Natur leben würde. Ganz ehrlich: Ich fliege schon auch mal gerne nach London oder sowas.

Anna, ist David der Gepard unter den Fußballern?

Fenninger: Ich weiß nicht so, ob Geparde Tore schießen (lacht). Aber bissig, schnell unterwegs – das passt . . .

David, wo werden Sie schneller auf der Straße erkannt: In Ihrer Heimat Wien oder in München?

Alaba: Gleich, aber in München sind die Leute distanzierter. Mal ein Kaffee ungestört ist in Wien etwas schwieriger.

Sind Sie heute mehr Deutscher als Österreicher?

Alaba: Nein, ich bin Wiener, Österreicher. Ich bin da aufgewachsen und komme immer gern heim. München ist meine zweite Heimat, seit 2008. Ich fühle mich hier sehr wohl.

Österreichern haften einige Klischees an – welche treffen auf Sie zu?

Fenninger: Ich bin stur. Zwar nicht immer, aber wenn ich mir was in den Kopf setze, will ich das unbedingt haben.

Alaba: Wiener Schmäh. Sagt man mir nach (grinst).

Es gibt Menschen, die sagen, man solle Bayern und Österreich zusammenlegen. Wären Sie dabei?

Fenninger: Wenn die Bayern es wollen, sage ich nicht nein.

Da würde eine recht starke Fußball- und auch Skination entstehen.

Fenninger: Aber was bliebe da den „Rest-Deutschen“ noch? Das wäre ja auch blöd (lacht).

David, ein österreichischer Kapitän beim FC Bayern – wäre das ein Ziel?

Alaba: Sicher ist das eine Ehre. Aber wir haben in Philipp Lahm und Basti Schweinsteiger zwei super Kapitäne. Das Thema ist noch weit entfernt.

Was bedeutet eigentlich eine Kugel für Sie beide? David, Sie spielen mit einem Ball, Anna, Sie jagen die Weltcup-Kugel . . .

Alaba: Mein Leben.

Fenninger: Der Weltcup ist zwar nicht mein Leben – aber die größte Herausforderung. Wir beide lieben Kugeln.

Sie beide sind gerade die vielleicht prominentesten Aushängeschilder Ihres Landes – neben einem Phänomen namens Conchita Wurst. Wie sehen Sie denn diese Persönlichkeit?

Fenninger: Sie hat sicher eine Botschaft, die Österreich international ins Licht gerückt hat, eine tolerante Nation zu sein. In meinen Augen trifft das aber leider nur bedingt zu.

Alaba: Das hat Anna jetzt super gesagt.

Fenninger: Es war auf jeden Fall sehr mutig, was sie gemacht hat. Ich habe da schon großen Respekt vor ihr.

Können Sie das Sieger-Lied von Conchita Wurst vom Eurovision Song Contest 2014 mitsingen?

Alaba: Nein, könnte ich nicht.

Fenninger: „Rise like a Phoenix“? Schon, der Text ist ja nicht so schwer. Wenn man sich in Österreich aufhält, kommt man da nicht vorbei.

-Fühlen Sie sich eigentlich als Stars?

Fenninger: Nein. Ich will es nicht. Ehrlich. Das ist so ein Stempel, den bekommt man aufgedrückt. Aber so fühle ich mich nicht. Man muss zu allem eine Meinung haben, und wird dafür dann kritisiert – oder auch nicht. Nur wenn man es schafft, für sich positiv zu sein, hat man gewonnen.

Alaba: Mir ist bewusst, dass ich in der Öffentlichkeit stehe und Vorbild für junge Menschen sein kann. Ich versuche, immer ich selbst zu sein: Ein normaler 22-Jähriger. Ich denke, das gelingt mir. Ich habe noch den gleichen Freundeskreis, seit ich zehn bin. Das ist wichtig, genauso die Familie. Starrummel brauche ich nicht.

Werden Sie mal wieder in Österreich leben?

Alaba: Mein Zuhause wird immer Wien oder Österreich sein. Wo ich später lebe, weiß ich aber nicht. Ich bin noch jung und kein Typ, der ewig weit in die Zukunft schaut.

Anna, Sie haben sich sogar mal die Haare blondgefärbt, um dem Starrummel zu entgehen . . .

Alaba: Das hab’ ich sogar in München mitbekommen . . .

Fenninger: Ich wollte mal ausprobieren, wie ich blond ausschaue – das hat fast jede Frau mal. Dass gleich so ein Wahnsinn in den Medien daraus wird, hatte ich nicht erwartet. Nach einem halben Jahr habe ich mir gedacht: Bin ich das eigentlich? Ich hatte das Gefühl, ich bin mehr ich selbst, wenn ich dunkel bin.

Sie wurden auch mal als Romy Schneider bei einem Shooting inszeniert.

Fenninger: Sie ist eine große Persönlichkeit, es war interessant, in eine andere Rolle zu schlüpfen. Aber für mich ist es auch extrem schwierig, weil ich eigentlich immer gelernt habe, dass ich ich sein sollte.

David, werden Sie sich mal die Haare färben?

Alaba: Als ich jünger war, hatte ich schon alles: Blond, und mit einem violetten Streifen in der Mitte zum Beispiel.

Fenninger: Hui! Ich hatte mal Dreadlocks.

Alaba: Ich auch (lacht).

David, Sie waren letztes Jahr Gast beim Bundespräsidenten Heinz Fischer. Wie war das für Sie?

Alaba: Wahnsinn – und ich war beeindruckt, was er vom Fußball wusste. Sogar meine Kilometer-Laufleistung aus meinem letzten Spiel.

Es gab Strudel – der beste, den Sie je hatten?

Alaba: Ich habe leider keinen gegessen. Man müsste meine Eltern fragen, die haben einen probiert.

Fenninger: Ich glaube ich, wir haben da bald einen Empfang. Wenn es Strudel gibt, probier’ ich ihn – und erzähl’ dir dann, was du verpasst hast (lacht).

Gibt es Versuchungen, denen auch Sportler nicht widerstehen können?

Fenninger: Also ich könnte nicht ohne Schokolade leben.

Können Sie kochen?

Alaba: Eierspeis’.

Fenninger: Das konnte ich mit drei schon (lacht). Aber ich bin keine große Köchin. Nur wenn ich muss.

David, wieviel müsste man Ihnen zahlen, um einmal die Streif zu fahren?

Alaba: Puh, ich stand da mal oben und habe nur runtergeschaut – das hat mir schon gereicht. Mausefalle und das alles. Das ist ja Wahnsinn. Wie schnell fahren sie da? Mehr als 120 km/h? Wie ich schon sagte: Ich habe einen Heidenrespekt vor Euch. Hut ab!

Anna, würden Sie mal in der 90. Minute in einem vollen Stadion einen entscheidenden Elfmeter schießen wollen?

Fenninger: Nein. Ich habe einmal fürs Fernsehen einen Elfer schießen müssen. Das war wirklich schlimm.

Aber ein Besuch bei einem Bayern-Spiel in der Allianz Arena, das wäre was?

Fenninger: Sehr gerne.

Alaba: Machen wir. Du musst einfach nur Bescheid sagen.

Interview: Jörg Köhle und Andreas Werner

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