Unsere Redakteure über den Bayern-Krach

Kommentare zu David Alaba: Völlige Entfremdung? Es gibt nur Verlierer

FC Bayern: Das Kapitel David Alaba ist nach 13 Jahren wohl zu Ende. Unsere Redakteure kritisieren das Millionengefeilsche und stellen fest: Es gibt nur Verlierer.

José Carlos Menzel López zu David Alaba: Völlige Entfremdung

Der Sonntag war ein guter Tag, um sich vor Augen zu führen, in was für einer zum Teil absurden Welt wir doch leben. Auf der einen Seite müssen Wirte, Kinobetreiber etc. ihre Betriebe infolge des Lockdowns dichtmachen, Existenzen stehen auf dem Spiel, jeder Cent wird doppelt und dreifach umgedreht. Auf der anderen, immer weniger greifbaren Seite streiten sich der reichste Klub Deutschlands und ein nicht schlecht bezahlter Fußballer um das nächste Millionengehalt – und das auch noch öffentlich.

Natürlich: Ein Fußballklub ist auch nur ein Betrieb, der in Zeiten von Corona schauen muss, wo er bleibt. Und ein Fußballer folgerichtig auch nur ein Angestellter, der seine Gehaltsforderungen durchsetzen will. Ein derartiges Millionengefeilsche aber vor der Nase sämtlicher Menschen auszutragen, die diese Krise in bisher noch nie dagewesener Form beutelt, führt schlichtweg zu einer noch größeren Entfremdung bei der Basis dieses Sports, nämlich seinen Fans. Während die nicht in die Stadien dürfen, wird – Stichwort: Europas Super League – fleißig weitergedealt. Nicht volle Ränge zählen, sondern volle Kassen!

Jonas Austermann zu David Alaba: Es gibt nur Verlierer

Ein Fußballer verlässt seinen Klub nach 13 Jahren. Das ruft förmlich nach einem Ende wie bei Franck Ribéry – mit warmem Applaus, vielen Tränen und der gegenseitigen Versicherung von absoluter Wertschätzung. Der Fall David Alaba zeigt schon jetzt, wie es eben nicht geht – ganz unabhängig vom letztendlichen Ergebnis.

Der FC Bayern und Alaba haben in diesen Tagen nur eines gemeinsam: Sie sind die Verlierer einer öffentlichen Schlammschlacht. Statt intern und mit aller Diskretion zu verhandeln und sich anzunähern, fuhren beide Seiten schnell die schweren Geschütze auf. Hier ploppte eine angebliche Forderung Alabas auf, dort wetterte die Spieler-Seite gegen derartige Veröffentlichungen. Das entspricht weder dem Stil eines Klubs, der sich für das Familiäre rühmt, noch der Etiquette, wie sich ein Eigengewächs gegenüber seinem Verein verhalten sollte.

Auch andere Profis werden mitbekommen haben, wie mit ihrem Teamkollegen umgegangen wurde. Niklas Süle, Leon Goretzka und Corentin Tolisso haben allesamt bis 2022 Vertrag. Auch da stehen spätestens nächstes Jahr Gespräche – womöglich ja welche im Vertrauen.

David Alaba wird beim FC Bayern nicht verlängern.

Hanna Raif zu David Alaba: Der FC Bayern setzt ein Zeichen

Am Samstag, als in Köln schon knapp 80 Minuten gespielt waren, kam David Alaba für Javi Martinez aufs Feld, und man dachte: Da schau her! Kaum hat der Österreicher lange genug gejammert, darf er tatsächlich mal im Mittelfeld des FC Bayern spielen. Dass ihm die Versetzung in die offensivere Position angeblich bei seiner letzten Vertragsverlängerung im Jahr 2016 versprochen worden war – und das Versprechen nicht eingehalten wurde –, war ja ein Punkt, der den monatelangen Poker um einen neuen Kontrakt seit dem Frühjahr begleitet hat. Neben Gehalt, Laufzeit, Team-Hierarchie einer von vielen. Zu vielen, wie man seit Sonntagabend weiß.

Die Nachricht, die Herbert Hainer da im BR verkündete, schlug freilich ein. Und man muss dazu sagen, dass die Art und Weise – öffentlichkeitswirksam, ordentlich scheppernd – nicht unbedingt fein war. Trotzdem haben die Verantwortlichen des FC Bayern mit dem Rückzug des ohnehin großzügigen Angebots an den 28-Jährigen ein Zeichen gesetzt, das man ihnen so vor ein paar Wochen noch nicht zugetraut hatte. Damals, als Hasan Salihamidzic verkündete, Alaba nicht auf einen Zeitpunkt festzunageln, wähnte man den Triple-Sieger in einer Zwickmühle. Aus dieser hat er sich nun selbst befreit. Das Opfer, dass dafür gebracht werden muss, ist nicht klein. Aber es ist zu verschmerzen.

Stand jetzt wird David Alaba den FC Bayern 2021 nach 13 Jahren verlassen. Aber anders als etwa bei Toni Kroos wird man den Abgang kaum irgendwann als Fehler betrachten. Ja, David Alaba ist eine Art Eigengewächs, ein Publikumsliebling und ein Verteidiger auf europäischem Spitzenniveau. Aber er ist weder ein Urgestein wie Thomas Müller noch ein Unverzichtbarer wie Robert Lewandowski oder Manuel Neuer. Die Bayern dürften – womöglich in Leipzigs Dayot Upamecano? – einen Spieler finden, der Alaba auf dem Feld ersetzen kann. Dass ein Stück „mia san mia“ verloren geht? In Zeiten wie diesen das schwächere Argument.

Der Paukenschlag aus der Chefetage war in diesem Poker, bei dem von Beginn an alles schieflief, überfällig. Und er wird in ganz Fußball-Europa registriert. Die Corona-Botschaft aus der Säbener Straße lautet: Wir machen den Wahnsinn nicht mehr mit! Beide Seiten werden sich nun neu orientieren. Und für Alaba kann das Ganze ja auch etwas Gutes haben: Irgendwo, in einem anderen Club, darf er vielleicht dauerhaft im Mittelfeld spielen.

Rubriklistenbild: © Matthias Balk/dpa

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