Debatte um TV-Vermarktung

Die Bayern fühlen sich unter Wert verkauft

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Der FC Bayern plädiert für einen Mittelweg zwischen zentraler und dezentraler TV-Vermarktung.

München - Erst St. Pauli, nun der Bayern: Die Debatte um die Vermarktung der Fernsehrechte gewinnt an Fahrt. FCB-Boss Rummenigge kann sich einen Mittelweg zwischen zentraler und dezentraler Vermarktung vorstellen.

Verständlicher Vorstoß oder selbstherrlicher Egotrip? Bundesliga-Krösus FC Bayern München will noch mehr Geld generieren und hat die Debatte um eine eigenständigere Vermarktung der TV-Rechte durch das Ausloten neuer Ansätze weiter angeheizt. „Es wurde diskutiert, was für den FC Bayern möglich ist“, sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge der Süddeutschen Zeitung über seinen Besuch beim Bundeskartellamt in Bonn.

Vor drei Wochen fand jenes Treffen statt, und die Behörde stellte klar, dass bei der Prüfung der Vergabeverfahren der Fernsehrechte natürlich „auch Gespräche mit einzelnen Marktteilnehmern geführt“ werden. Zudem betonte Rummenigge selbst, dass die Abschaffung des Status quo, also der zentralen Vermarktung über die Deutsche Fußball Liga (DFL), auf keinen Fall gefordert wurde. Aber die Bayern sind ihrem Selbstverständnis gemäß einfach mehr wert, sie wollen mehr Geld - und deshalb sei „über die derzeitige Rechtslage“ gesprochen worden.

"Mit Abstand Letzter"

Der Rekordmeister erhält aus dem Verkauf der Fernsehrechte derzeit gut 50 Millionen Euro. Im Wettstreit mit den Giganten FC Barcelona, Real Madrid, Manchester United und FC Chelsea sind die Bayern damit laut Rummenigge in Sachen TV-Einnahmen „mit Abstand Letzter“. Ein Ansatz wäre es daher, zumindest die Vermarktung außerhalb Deutschlands oder im Internet zu überdenken.

Rummenigge (60) hat aber einen anderen Plan, eine „Win-Win“-Idee, mit der er seinem Verein Mehreinnahmen verschaffen und gleichzeitig die nationalen Konkurrenten nicht brüskieren könnte. Und zwar einen Solidarfonds, in welchen die „großen Klubs“ 50 Prozent der Erlöse einzahlen. Aber: Wer sind die Großen? Die ersten fünf der Tabelle? Die mit fünf Meisterschaften? Oder doch die mit TV-Einnahmen ab 50 Millionen Euro?

Harald Strutz, Präsident des FSV Mainz 05 und Vizepräsident des Ligaverbandes, wollte sich angesichts der bevorstehenden Mitgliederversammlung am 2. Dezember in Frankfurt/Main auf SID-Anfrage „im Vorfeld dazu nicht äußern. Jetzt warten wir erst einmal die Diskussion ab“, sagte er am Freitag.

Von den 2,5 Milliarden Euro des im kommenden Jahr auslaufenden Vierjahresvertrags erhielten die 18 Bundesligisten in dieser Saison 680 Millionen Euro, 170 Millionen Euro gingen an die Zweitligisten. Mit dem neuen Vertrag soll die Milliarden-Schallmauer durchbrochen werden - was zur Folge hätte, dass alle Vereine der zwei höchsten deutschen Klassen mehr Geld erhalten würden.

St. Pauli bringt Diskussion in Gang

Fraglich ist indes, ob im Falle einer selbstständigen Vermarktung das finanzielle Gesamtvolumen aller Vereine höher oder niedriger ausfallen würde. Fakt ist nur, dass Big Player wie die Bayern oder Borussia Dortmund wohl profitieren würden und kleinere Vereine Einbußen hinnehmen müssten. Was das sportlich zur Folge hätte, kann sich jeder vorstellen: Eine Saison, die schon vor dem ersten Spieltag weitestgehend entschieden ist.

Daher war es durchaus überraschend, dass der Zweitligist FC St. Pauli Anfang der Woche die Debatte über die Einnahmen aus Fernseh- und Gruppenvermarktung (adidas-Ligaball, Krombacher, Hermes-Ballbote) in Gang gebracht hatte. Am Donnerstag stellten die Hamburger auf ihrer Internetseite jedenfalls klar, dass sie mit dem Antrag, Werksklubs wie Bayer Leverkusen oder den VfL Wolfsburg von der Partizipation (teilweise) auszuschließen, auf keinen Fall am Status der Zentralvermarktung rütteln wollten.

Am Donnerstag stellten die Hamburger auf ihrer Internetseite jedenfalls klar, dass sie mit dem Antrag, Werksklubs wie Bayer Leverkusen oder den VfL Wolfsburg von der Partizipation (teilweise) auszuschließen, auf keinen Fall am Status der Zentralvermarktung rütteln wollten.

„Das bestehende System steht nicht zur Disposition und wird vom FC St. Pauli ausdrücklich unterstützt“, hieß es in einem Statement des Vereins. Hauptbeweggrund des Pauli-Vorschlages sei die Stärkung der 50+1-Regel, „weil diese integraler Bestandteil des deutschen Fußballrechts und der Garant für die Grundwerte des deutschen Fußballs ist.“

SID

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