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Hexenkessel am Bosporus: Besiktas-Insider warnt den FCB

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Der ehemalige deutsche Nationalspieler Andreas Beck (r.) lief jahrelang im Dress von Besiktas Istanbul auf.

Warum den FCB in Istanbul ein Hexenkessel erwartet, verrät Andi Beck (30). Das tz- und WA-Interview mit dem Stuttgarter mit Besiktas-Vergangenheit.

München - Von 2015 bis 2017 trug Andreas Beck das Trikot von Besiktas Istanbul. Wer, wenn nicht der Stuttgarter Rückkehrer könnte eine Ahnung davon haben, was den Rekordmeister beim Rückspiel am Bosporus erwartet.

Wie sehr haben Sie Besiktas ins Herz geschlossen? Der VfB soll ja der einzige Klub gewesen sein, der Sie zu einem Abschied bewegen konnte.

Beck: Das stimmt. Aber Besiktas und Istanbul werden immer etwas Besonderes für mich sein. Meine Familie und ich haben dort tolle Erfahrungen gesammelt. Die Stadt, der Klub und vor allem die Menschen dort – das war schon sehr besonders.

Die Anhänger von Besiktas Istanbul gehören zu den stimmgewaltigsten im internationalen Fußball.

Das Hinspiel ging klar an die Bayern. Können sich die Münchner die Reise nach Istanbul sparen?

Beck: Das Ding ist durch, da muss man schon realistisch bleiben. Das wissen sie bei Besiktas auch. Für sie geht es jetzt darum, sich mit einem guten Ergebnis aus der Champions League zu verabschieden – und zu zeigen, dass das 0:5 im Hinspiel nicht ihrem wahren Leistungsvermögen entspricht.

Wie haben Sie als Spieler die Atmosphäre dort erlebt?

Beck: Es wird ja viel darüber geschrieben, wie unglaublich die Atmosphäre in der Arena gerade bei großen Spielen ist. Und ganz egal, was Sie davon auch gehört haben: Es ist alles wahr. Ich kenne kein Stadion, das lauter ist. Freunde von mir sind teilweise nur noch mit Oropax zu unseren Spielen gekommen. Es gibt dort nicht nur eine Ecke im Stadion, in der die Fans singen. Dort singt, schreit und pfeift die komplette Arena. Ein echtes Erlebnis.

Auch die Spieler lassen sich mitunter von der Atmosphäre auf den Rängen anstecken. Ein Besiktas-Star sorgte jüngst in einem Pokal-Derby für einen Eklat. 

„Deutsche Spieler genießen in der Türkei größten Respekt“

Haben Sie je ein lauteres Stadion erlebt?

Beck: Nein. Das ist unglaublich. Die Fans halten ja auch den Lautstärken-Weltrekord für ein Fußballspiel. 2013 wurden 141 Dezibel gemessen.

Hier ist einiges geboten: Stadiongänger packen in der Vodafone-Arena schon manchmal Ohrstöpsel ein.

Wird die Stimmung wegen des Hinspiels gedämpft sein?

Beck: Die Stimmung wird noch immer sehr gut sein – aber eben nicht so überwältigend, wie es zum Beispiel nach einem 1:1 gewesen wäre.

Über 20 Jahre nach dem Alditütenskandal entschuldigten sich die Bayernfans bei den Türken mit einem Essen in München. Wie bewerten Sie diesen Schulterschluss?

Beck: Eine sehr schöne Geste. Aber das Verhältnis ist ja schon länger entspannt. Deutsche Spieler oder Trainer genießen in der Türkei größten Respekt. Auch ich bin unglaublich herzlich und mit offenen Armen empfangen worden.

Sie wurden mit Besiktas zweimal Meister. Pflegen Sie noch Kontakt zum Klub?

Beck: Beim Hinspiel war ich als TV-Experte für das türkische Fernsehen in der Allianz Arena. Da habe ich auch die Gelegenheit gehabt, mit dem einen oder anderen zu sprechen, auch mit dem Trainer. Das war sehr herzlich. Und mit dem einen oder anderen Kollegen schreibe ich noch regelmäßig. Wir haben natürlich auch noch viele Freunde in Istanbul. Und der Präsident hat erst kürzlich öffentlich gesagt, dass die Tür für mich immer offen stehen würde. Das hat mich riesig gefreut.

So erlebte Beck den Terror in der Türkei

Wie haben Sie die politische Lage in der Türkei erlebt? Einmal explodierte in der Nähe des Stadions eine Bombe…

Beck: Das war nach einem Heimspiel. Ich bin eine halbe Stunde zuvor noch an dieser Stelle vorbeigefahren, den Knall habe ich zu Hause gehört. Natürlich macht man sich da seine Gedanken. Aber es ist bewundernswert, wie die Menschen in Istanbul mit solchen Schicksalsschlägen umgehen. Sie lassen sich nicht unterkriegen und lassen sich auch nicht ihre Lebensfreude nehmen. Auf diese Art trotzen sie dem Terror. Das ist beeindruckend.

Mario Gomez verließ die Türkei wegen der Unruhen. Haben Sie auch darüber nachgedacht?

Beck: Nein. Natürlich macht man sich nach einem Anschlag seine Gedanken – aber wir haben uns in der Stadt trotzdem super wohl gefühlt, was nicht zuletzt an den Menschen in Istanbul lag. Es war unglaublich, mit welcher Offenheit und Herzlichkeit wir dort aufgenommen wurden.

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