Zum Viertelfinale Bochum gegen Bayern

TV-Kritik: Dr. Klöbner und der Hatschlör

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Gerhard Delling und Mehmet Scholl.

München - Beim DFB-Pokal-Viertelfinale blickt tz-Kolumnist Jörg Heinrich auf die ARD-Übertragung mit Gerhard Delling und Mehmet Scholl. Die Kritik mit Dr. Klöbner und dem Hatschlör.

Wichtige Erkenntnisse vom DFB-Pokal am Mittwochabend im Ersten: Indiepop-Gigant Mehmet Scholl, Schockschwerenot, steht nicht auf Bochum-Grönemeyer, sondern auf Westernhagen. Wahrscheinlich kommt das mit dem Alter. Gerhard Delling steht auf Scholl, und wollte ihn „streicheln“. Er ist: Der Hätschelor. Und zusammen, in ihrem gemeinsamen dunklen Wintermantel, erinnerten die beiden mit ihren putzigen Dialogen durchaus an Loriot, nur ohne Badewanne. Und die Ente blieb draußen! 

Von Mehmet hatten wir uns viel erwartet, stand doch gerade erst im Internet: „Scholl weiter in Galaform.“ Beim zweiten Hinschauen haben wir aber festgestellt: War gar nicht Mehmet. War sein Bub, der Lucas. Delling war zuletzt mehr als Handballversteher aufgefallen, und viele haben sich gefragt: Kann er auch Fußball? Antwort: Kann er, trotzdem fiel die Vorberichterstattung mal wieder unters Motto „Der Pokal hat seine eigenen Geschwätze“. 

Delling-Lüdenscheidt und sein Dr. Klöbner plauderten in der Bochumer Regen-Badewanne über die schönsten Bayern-Pokalpleiten der letzten Jahrzehnte. Delle zu Scholl, mit unnachahmlicher Logik übers Aus 2006 in Aachen: „Bei der letzten Niederlage hast du eigentlich gespielt, aber du warst nicht dabei.“ Scholl über das Grauen von Greuth 1994: „Da haben wir uns tierisch blamiert.“ Delling, trocken: „Stimmt.“ Und so ratschten die beiden nett, aber wenig zielführend, vor sich hin. Lascher Mittwoch im Ersten, gedankliche Fastenzeit. 

In der Pause echauffierte sich Scholl dann in Sachen Liga-Langeweile. Warum geben nicht alle Bayern-Gegner so Gas wie Bochum? „Die Bundesliga ist selber schuld.“ Mit solchen populistischen Parolen wird das nix mit einem Bundesliga-Job, Mehmet! Scholl-Streichler Delling blieb mysteriös: „Die haben sich noch nicht aufgegeben, die Bochumer, wenngleich das wird schwer gegen zehn Mann.“ Hä, wer ist zu zehnt, Bayern oder der VfL? Kommentator Gerd Gottlob forderte „Schön sachlich bleiben“, blieb aber selber schön unsachlich, und feierte jede Bochumer Aktion wie einen Meistertitel. Der Loriot-Dialog des Abends brachte auch keinen übertriebenen Erkenntnisgewinn. Scholl: „Das ist ein Zweitligist.“ Delle: „Jetzt, wo du’s sagst.“ Immerhin: Prädikat satirisch wertvoll.

Jörg Heinrich

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