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Die Roten sind international weit zurück

Vorbild England? Liga vor Zerreißprobe nach Bayern-Forderung

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Klare Worte: In England fordern die Fans, durch billigere Tickets vom TV-Deal zu profitieren.

München/Frankfurt - Bei der DFL-Mitgliederversammlung am Mittwoch in Frankfurt sind hitzige Diskussionen zu erwarten. Die Liga steht vor einer Zerreißprobe. Die tz beantwortet die wichtigsten Fragen.

Einig sind sich die Vertreter der 36 Profiklubs bei Weitem nicht, doch eines eint sie alle: der Wunsch nach mehr Geld für ihren Verein. Auch wenn sie auf das gleiche Ziel hinarbeiten, so verfolgen sie doch unterschiedliche Interessen. Die Vorstellungen der Vereinsvertreter bezüglich der zukünftigen Verteilung der TV-Einnahmen lassen vor der DFL-Mitgliederversammlung am Mittwoch in Frankfurt hitzige Diskussionen erahnen. Karl-Heinz Rummenigge hat bereits indirekt mit dem Ausstieg des FC Bayern aus der Zentralvermarktung gedroht, St.-Pauli-Geschäftsführer Andreas Rettig will die „Werksklubs“ vom Solidarprinzip ausschließen. Der Ligavorstand schweigt, der große Knall könnte hinter verschlossenen Türen kommen. Die Liga steht vor einer Zerreißprobe. Die tz beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was wird auf der Mitgliederversammlung besprochen?

Alles dreht sich um den neuen TV-Vertrag. Der aktuelle Kontrakt läuft zwar erst nach der kommenden Spielzeit aus, schon jetzt aber geht es um die Rechtevergabe ab der Saison 2017/18. Der Ligavorstand präsentiert seine geplanten Ausschreibungsvarianten für die neue Vergabe, die Vereinsvertreter legen ihre Interessen dar. Gemeinsam wird nach der attraktivsten Vermarktungsstrategie gesucht, vielleicht werden auch neue Anstoßzeiten diskutiert. Am Ende schreibt die DFL verschiedene Rechtepakete für die Medienberichterstattung aus.

Wie sehen die Pakete aus, wann werden sie verschickt?

Anfang 2016 erhalten die Medienanstalten das Angebot der DFL. Bei der Ausschreibung des aktuellen Vierjahresvertrags bot die Liga insgesamt 19 Pakete an (s. unten).

Wer kann die Rechte erwerben? Und zu welchem Preis?

Jedes Medium hat die Möglichkeit, Rechte zu erwerben. Bei der letzten Vergabe 2012 umfasste die Voraussetzung zur Zulassung eine Schutzgebühr von 200 000 Euro, um Interessierte von wirklichen Interessenten zu unterscheiden. Der komplizierte Vergabeprozess umfasst maximal zwei Runden. Sollte nach der ersten mehr als ein Bieter übrig sein, kommt es zur finalen Runde. Nicht immer setzt sich auch der Meistbietende durch, neben der Summe werden auch Sendekonzept und Reichweite berücksichtigt, ebenso die Vorstellungen und Pläne des Bieters.

Kann die Bundesliga ähnlich viel verdienen wie die Klubs der Premier League?

Ausgeschlossen. Während die Engländer ab der kommenden Saison mehr als drei Milliarden Euro pro Saison kassieren, kämpft die Bundesliga um die Milliardenmarke. „Schritt eins muss die Steigerung auf 1,x Milliarden Euro sein“, forderte Rummenigge im kicker. Wohlwissend, dass diese Summe „kein Selbstläufer sein“ wird. Pay-TV-Sender Sky fehlt schlicht die Konkurrenz, um die Preise durch ein Wettbieten in die Höhe schellen zu lassen. Dennoch ist mit einer deutlich größeren Interessentenschar als noch vor vier Jahren zu rechnen. Das zeigte nicht zuletzt der überraschende Olympia-TV-Deal mit Discovery/Eurosport. Es ist durchaus denkbar, dass sich auch große amerikanische Unternehmen für die Liga interessieren.

Was läuft in England anders?

Im Kampf um die sieben Rechtepakete an der Premier League trieben Sky (fünf) und British Telecom (zwei) die Preise in wahnsinnige Höhen. Nur für die Inlandsvermarktung legten sie knapp sieben Milliarden Euro auf den Tisch, dabei dürfen sie nur 41 Prozent der Spiele übertragen. Die Liga bietet sich dadurch noch exklusiver an, was den Preis nach oben treibt. Dagegen klagt jetzt jedoch Virgin Media, Vertreiber der Abos von Sky und BT. Virgin Media will das Angebot vergrößern, um mehr Kunden anlocken zu können. In Großbritannien und Irland besitzt Sky mehr als zwölf Millionen Abonnenten, in Deutschland sind es mit vier Mio. vergleichsweise wenige. Die Premier League sträubt sich dagegen, die britische Medienaufsichtsbehörde Ofcom will ihre Entscheidung dazu im März fällen. Ein Urteil, das auch Auswirkungen auf die zukünftigen Rechtevergaben der Bundesliga haben könnte. „Das kann sich die Bundesliga zu eigen machen und diese Argumente dann in das nächste Verfahren beim Bundeskartellamt einbringen“, sagt der Münchner Kartellrechtler Mark E. Orth dem Deutschlandfunk. Bislang hatte das Kartellamt immer auf eine Live-Übertragung aller Spiele bestanden.

Welche Szenarien wären in Deutschland denkbar?

Grundsätzlich ist es natürlich eine Überlegung, neue Spieltage oder zumindest Anstoßzeiten in der Bundesliga einzuführen. Entsprechende Gedanken hatte die DFL schon einmal geäußert, doch weder bei Fans noch bei Vereinen stieß ein Montagabendspiel in der Bundesliga auf großen Zuspruch. Kernspieltag wird in jedem Fall der Samstagnachmittag bleiben. Eine andere Variante, um mehr Einnahmen zu generieren, ist die Exklusivität der Pay-TV-Sender. So entschied sich die DFL bei der Vergabe 2012 hinsichtlich der Highlight-Berichterstattung für das Szenario Klassik, was die frühe Zusammenfassung der Samstagsspiele in der Sportschau sicherte. Für den Fall des Szenarios Neue Medien wäre eine Verwertung der Free-TV-Rechte erst ab 21.45 Uhr möglich gewesen, verbunden mit der Abschaffung der Sportschau. Doch das will selbst Rummenigge aller Mehrerlöse zum Trotz nicht. „Die Sportschau hat eine große Historie und große Bedeutung in der Bevölkerung, wir alle sind mit ihr groß geworden“, sagte der FCB-Boss unlängst. Zwar ist auch in Zukunft der Erhalt der Sportschau wahrscheinlich, aber nicht garantiert.

Wann werden die Rechte vergeben?

Aller Voraussicht nach im April 2016, also rund drei Monate nach der Ausschreibung. In dieser Zeit haben die Interessenten die Gelegenheit, ihr Angebot zu formulieren und bei der DFL einzureichen. Unter Abwägung aller Aspekte trifft die Liga dann ihre Entscheidung. Derzeit liegen die Vorschläge des Ligaverbandes noch beim Kartellamt. Wirklich profitieren von den steigenden Einnahmen werden die Vereine allerdings erst ab der Saison 2017/18.

So sehen die TV-Pakete aus

Die Pakete für die neue Vergabe schlummern noch bei der DFL, doch auch ein Blick auf die 19 Rechtepakete aus den letzten Verhandlungen ist aufschlussreich. Grundsätzlich werden drei Übertragungswege unterschieden: Broadcast (Pay- und Free-TV), Netcast I (IPTV) und Netcast II (Web- und Mobil-TV). Für die Live-Übertragungen der Spiele wurden für diese drei Verbreitungswege jeweils die Pakete Gold, Silber und Bronze angeboten. Über ein sogenanntes horizontales Rechtepaketbündel konnte sich Sky alle Partien aus den Paketen Gold, Silber und Bronze für einzelne Übertragungswege sichern. Zudem gab es die Pakete BL-Free, 2. BL-Pay und 2. BL-Free. Für die Live-Übertragungen bot die DFL insgesamt also zwölf verschiedene Pakete an. Dazu wurde die Highlightberichterstattung in zwei Szenarien und sieben Pakete für Pay- und Free-TV unterteilt.

Bayern international weit zurück

Die DFL steht vor einer Mammutaufgabe. Die kleinen Klubs müssen zufriedengestellt werden, die großen wollen im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig bleiben. Und in dem hängt die Bundesliga schon jetzt weit hinterher. Nicht nur die meilenweit entfernten Premier-League-Klubs kassieren mehr Geld als der FC Bayern, auch in den anderen europäischen Topligen nehmen die Spitzenvereine deutlich mehr ein. Immerhin hat der FCB seine TV-Einnahmen in dieser Saison fast um die Hälfte auf über 70 Millionen Euro gesteigert, in Spanien stecken sich Real Madrid und der FC Barcelona jedoch das Doppelte in die Tasche. Dort zeichnet sich zur kommenden Saison eine Neuerung ab, die dezentrale Vermarktung in der Primera Division ist dann Geschichte. Ein Nachteil für die beiden Topklubs muss das aber nicht sein, sie erhoffen sich durch die gemeinsame Vermarktung noch mehr Gelder aus den TV-Rechten. Einzig gegen die französische Ligue 1 kommt die Bundesliga noch einigermaßen an. Selbst in der seit Jahren sportlich an Wert einbüßenden Serie A ist der TV-Topf größer. Bei der Verteilung wird dort übrigens auch die Anzahl der Fans sowie die Größe der Städte berücksichtigt – ein Modell, das unter anderem BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke auch schon für die Bundesliga ins Gespräch gebracht hat.

Wann spielen die Topligen?

Der Kernspieltag der Bundesliga ist der Samstagnachmittag. Mindestens fünf, manchmal sechs Partien finden Samstag um 15.30 Uhr statt. Auch in der Premier League finden zu dieser Zeit die meisten Spiele statt. Jeden Samstag werden um 16 Uhr mindestens fünf Spiele angepfiffen. Frankreich ist etwas später dran, fünf Begegnungen werden um 20 Uhr bestritten. In Italien steht der Sonntag im Zeichen der Serie A. Duelle finden zwar von Freitag bis Montag statt, am Sonntagnachmittag (15 Uhr) aber jedes Wochenende mindestens vier. Ganz anders sieht es dagegen in Spanien aus. Von Freitag- bis Montagabend finden alle zehn Begegnungen zu unterschiedlichen Zeiten statt. An manchen Spieltagen finden mal zwei Partien zeitgleich statt – was aber eher die Ausnahme ist.

sw

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