Diese Schale hat dem FC Bayern noch gefehlt

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Ein stolzer Kapitän: Dieter Bernhardt reckt im Kreis seiner Teamkollegen die Meisterschale in den Berliner Himmel.

München - Drei Senioren aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck führen den Münchner Champions-League-Sieger in Berlin zur deutschen Ü50-Meisterschaft.

Dass er mit seinen 61 Jahren im Vier-Sterne-Trikot eines Champions-League-Vereins noch einmal die DFB-Schale eines deutschen Fußballmeisters in die Höhe recken darf – und das auch noch in der Berliner Hauptstadt –, hätte sich Dieter Bernhardt auch in seinen kühnsten Sportlerträumen nicht gedacht. Doch nun ist es Realität: Der in Unterschweinbach lebende Ü50-Kapitän hat den FC Bayern München zum im Vorfeld nie erwarteten Triumph geführt. Zu seinen Teamkollegen gehörten Wolfgang Förg aus Landsberied und der Brucker Herbert „Heps“ Ehemann.

In der Ruhmeshalle des FC Bayern in der Allianz-Arena stehen schon viele Trophäen. Darunter jede Menge deutscher Meisterschalen. Nun kommt eine weitere dazu. Und die fehlte bislang noch in der Pokal-Show. Erstmals holte ein bayerischer Verein den Ü50-Titel und entthronte damit gleichzeitig den bisher zweimaligen Meister NSF Gropius Berlin. Vizemeister wurde die sächsische SpG Neuhausen/Cämmerswalde vor dem als Top-Favorit gehandelten Team von Hannover 96. Gespielt wurde im Jeder-gegen-Jeden-Modus mit sechs Feldspielern und einem Torwart auf einem Kleinfeld jeweils zweimal 15 Minuten.

Die Bayern-Oldies nahmen heuer erstmals teil. Nach dem Gewinn der bayerischen Ü50-Meisterschaft Anfang Juni hatten sich die Roten aus der Landeshauptstadt auch bei den süddeutschen Titelkämpfen durchgesetzt und somit die Norm für Berlin erfüllt. Das veranlasste die Bayern-Bosse zur Großzügigkeit: Die Oldies durften die Reise nach Berlin im offiziellen Bayern-Bus antreten. Förg: „Ich kann es nicht einschätzen, wie oft wir auf der Autobahn fotografiert wurden.“ Auch Bernhardt, der schon etliche sportliche Großereignisse hinter sich hat, war schwer beendruckt: „Alles war top organisiert.“ Immerhin stand der Unterschweinbacher schon für eine deutsche Amateur-Nationalmannschaft auf dem Platz. Die gibt es zwar längst schon nicht mehr, doch die Senioren-Asse sind immer noch eine Klasse für sich. Beim SC Fürstenfeldbruck in der damaligen Bayernliga – und die hatte seinerzeit noch einen ganz anderen Stellenwert – stand Bernhardt an der Seite von Wolfgang Förg und Herbert Ehemann. Und die waren jetzt auch in Berlin dabei. Auch Wolfgang Förg war hin und weg: „Mich als älteren Fußballer hat das alles sehr beeindruckt. Da wurde einem sehr gut vermittelt, wie es im großen Fußball bei den wirklichen Stars zugeht.“ Und für Ehemann, der am Vorabend noch in aller Ruhe beim Einkauf in einem Brucker Supermarkt war, hatte sich die Reise im Vorfeld ohnehin nur als „gemütlicher Ausflug“ abgezeichnet. Umso größer war die Freude, auf die alten Tage noch mal zu Meister-Ehren zu kommen.

16 Ü40- und Ü50-Mannschaften waren gemeinsam in einem Hotel untergebracht. Im Olympiapark hatte der DFB ein VIP-Zelt aufgestellt. „Es hat uns an nichts gefehlt“, so der inzwischen 61-jährige Bernhardt. Der pensionierte Filialleiter einer Bank ist noch immer top-fit, spielt Fußball und Tennis gleichermaßen auf hohem Niveau. Mit seinen Bayern-Oldies überstand er in Berlin alle Spiele ungeschlagen.

Nach einem 1:0-Sieg über den SC Verl, einem klaren 4:1 über den bisher einzigen Titelverteidiger aus dem Berliner Gropius-Stadtteil sowie einem 1:1 gegen Hannover 96 rangierten die Bayern punktgleich in Lauerstellung hinter Hannover 96 auf Platz zwei. Ebenfalls sieben Punkte hatte die SpG Neuhausen/Cämmerswalde auf dem Konto. Das waren die Grundlagen für eine spannende Endrunde. Gleich zum Auftakt schossen die Bayern den VfL Simmertal mit 7:0 ab und übernahmen die Tabellenführung. Nachdem parallel Neuhausen überraschend Hannover mit 2:0 bezwang, reichte den Bayern-Oldies im letzten Spiel gegen Neuhausen ein Remis zur deutschen Meisterschaft.

Damit ergab sich rein zufällig ein echtes Finale, in dem die Bayern zunächst abwartend agierten. „Wir haben uns die Bälle einfach zugeschoben“, erläuterte Bernhardt die Taktik. Und der Gegner wollte auch nicht das Risiko eingehen, mit einer Niederlage auf den dritten Platz zu rutschen. So endete die Partie 0:0 – den „Roten“ war’s recht.

Die knapp 600 Zuschauer sorgten dann auch noch für die passende Meister-Atmosphäre, als Bernhardt den Pokal, einen schweren Glasteller, in die Höhe reckte. Mit Franz Becker stellten die Bayern auch noch den Torschützenkönig. „Auf der Rückfahrt herrschte natürlich eine Super-Stimmung im Bayern-Bus“, so der Kapitän. Denn im Vorfeld „waren wir ohne große Erwartungen nach Berlin gefahren“. Gegen Mitternacht bog der aus Berlin kommende Bus dann in die Bayern-Zentrale an der Säbener Straße ein. Bernhardt: „Jetzt freuen wir uns das ganze Jahr auf die Titelverteidigung. Das ist ganz so, wie sich die Profis auf das DFB-Pokalfinale freuen. Auch wir wollen noch mal nach Berlin.“

Dieter Metzler

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