Ex-Bayern-Profi mit Klartext

„Mehr als ein Funken Wahrheit dran“ - Hamann spricht im tz-Interview über seine Kritik an Lewandowski

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Früher Profi, heute Experte: Dietmar Hamann hat mit seiner Meinung zu Robert Lewandowski für Aufsehen gesorgt.

Didi Hamann ist ein Mann klarer Worte. Mit seiner Meinung zu Robert Lewandowski hat der Ex-Profi für Aufruhr beim FC Bayern gesorgt. Nun äußert er sich im Interview zum Thema.

München - Didi Hamann bleibt Thema. Eine Woche nach der Kritik des „Sky“-Experten an Robert Lewandowski, die Hasan Salihamidzic prompt konterte („Robert ist kein Problem für Bayern, sondern Hamann für Sky“), hat nun Uli Hoeneß den Sportdirektor für seine Wortmeldung gelobt: „Der Krug geht zum Brunnen bis er bricht“, so der Präsident. „Offensichtlich hatte Hasan das Gefühl, dass der Krug bei Didi Hamann gebrochen war. Er hat seinen Spieler verteidigt. Das ist seine oberste Aufgabe. Und es hat mir, um ehrlich zu sein, sehr gut gefallen.“ In der tz spricht Hamann nun über das CL-Duell seiner Ex-Klubs aus Liverpool und München, schlägt einen Kicker für die Startelf vor - und nimmt auch Lewandowski in die Pflicht.

Herr Hamann, nach der Auslosung sahen Sie Liverpool leicht favorisiert. Bleiben Sie bei Ihrer Meinung?

Hamann: Die Bayern haben sich vor der Winterpause gefestigt. Es ist alles immer noch etwas fragil, aber sie sind zumindest etwas stabiler - Betonung auf etwas. Sie müssen sich also steigern, andererseits ist auch Liverpool am Stottern.

Bayern tut sich aber gerade gegen konterstarke Teams wie Liverpool schwer.

Hamann: Niko Kovac hat es ja selbst angemahnt. Bayern muss cleverer sein, notfalls auch mal ein taktisches Foul ziehen. So oder so bin ich der Meinung, dass Javi Martínez spielen sollte. So einen defensiven Mittelfeldspieler wie ihn brauchst du. Wenn Tore kassiert werden, heißt es stets: Der Hummels, der Boateng und der Süle sind nicht schnell genug. Man sollte aber vielmehr zusehen, dass man diese Konter im Ansatz erstickt. Und dafür brauchst du Spieler, die zweikampfstark sind, antizipieren und ein Spiel lesen - eben einen wie Javi Martínez. Daher muss er spielen - sollte dies allerdings besser tun als zuletzt.

Wie wichtig ist dieses Achtelfinale für die Saison des FC Bayern?

Hamann: Ich würde sie nicht als mangelhaft abstempeln, sollten die Bayern rausfliegen. Es gibt auch danach noch viele Preise zu gewinnen. Sollte Bayern Liverpool dagegen ausschalten, gibt das einen Schub. Mit diesem Selbstvertrauen würden sich auch ihre Chancen auf die Meisterschaft wieder drastisch erhöhen.

Haben Sie lieber einen angeschlagenen Manuel Neuer im Kasten oder eine topfitten Ersatzkeeper?

Hamann: Mit Blick auf die geringe Ausfallzeit sehe ich keine Probleme. Mir persönlich war stets wichtig, dass du deinen Mitspielern im Tunnel ins Gesicht schauen und allen vertrauen konntest. Ohne Sven Ulreich zu nahe zu treten, der Manuel vergangenes Jahr schon hervorragend vertreten hat: Mit Manuel hinten drin spielst du mit einer anderen Selbstsicherheit.

Zuletzt wieder erfolgreich: Robert Lewandowski feiert einen Treffer gegen Schalke.

Wohl auch mit einem Robert Lewandowski in dieser Form, oder? Gegen Schalke traf er doppelt.

Hamann: Ich würde die Partie nicht überbewerten, die Schalker waren ja auch nicht sonderlich gut - aber wenn sich Lewandowski einsetzt und auch mannschaftsdienlich agiert, gibt es für mich keinen Besseren. Das habe ich bereits des Öfteren gesagt.

Haben Sie das zuletzt vermisst?

Hamann: In der jetzigen Phase, in der auch viele junge Spieler mit an Bord sind, brauchen die Unterstützung. Da ist es kontraproduktiv, wenn du einen Ball nicht bekommst und dann abwinkst. Ein Gnabry oder Coman denken sich dann vielleicht: Oh, beim nächsten Mal muss ich dem Robert den Ball geben. Das hilft nicht - und das war alles, was ich gesagt habe. Grundsätzlich bleibe ich auch dabei.

So?

Hamann: Die kommenden Monate werden zeigen, wo die Reise hingeht. Dass er Qualitäten hat und für den Klub bereits große Verdienste aufweisen kann, ist unbestritten. Auf der anderen Seite haben alle Bayern-Stürmer in der Bundesliga Tore geschossen. Die wirkliche Messlatte ist Liverpool. Da erwarte ich, dass er die Abwehr terrorisiert und das macht, was ihn über Jahre ausgezeichnet hat.

Hasan Salihamidzic wurde Ihnen gegenüber sehr direkt. Hatten Sie noch mal Kontakt mit den Bayern?

Hamann: Gehört habe ich nichts, nein. Dass meine Aussagen so hohe Wellen geschlagen haben, zeigt möglicherweise auch, dass mehr als ein Funken Wahrheit dran war und einige Leute das ähnlich gesehen haben. Man kann immer alles kontrovers diskutieren - solange dies auf einem gewissen Niveau passiert, was vonseiten des Sportdirektors der Bayern nicht der Fall war. Aber ich kann damit leben und für mich ist die Sache auch abgehakt.

Interview: José Carlos Menzel López

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