Keine vergleichbaren Abgänge

Schweinsteiger: Ein Wechsel von einzigartiger Dimension

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Die Bayern-Fans trauern weiterhin um Bastian Schweinsteiger. 

München - Der Wechsel von Bastian Schweinsteiger zu Manchester United schockiert die Bayern-Fans. Emotional gesehen ist der Abgang einzigartig.

Mit Bastian Schweinsteiger verlässt ein Urgestein und Fanliebling nach 17 Jahren den FC Bayern. Es ist wohl einer der emotionalsten und tiefgreifendsten Abschiede eines Bayern-Spielers seit vielen Jahren und in vielerlei Hinsicht sogar einzigartig. 

Natürlich hat es beim FC Bayern viele namhafte Abgänge gegeben. Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge, Michael Ballack sind nur einiger der Namen, die in dieser Stelle genannt werden. Alle diese Spieler haben den FC Bayern geprägt, doch im Unterschied zu Schweinsteiger begann ihre Karriere nicht in München.

Wir blicken zurück in der Historie des FC Bayern und suchen andere Fan-Idole und Legenden, deren Karriere und Abgang sich mit Bastian Schweinsteigers Vita vergleichen lassen. Diese fünf ehemaligen Münchner kamen ebenfalls jung zum FC Bayern, schafften dort den Durchbruch und suchten anschließend im Ausland neue Herausforderungen, manche auf dem Höhepunkt ihrer Laufbahn, andere zum Karriereende. Ihre Namen allein verdeutlichen die Dimension von Schweinsteigers Wechsel und seine Bedeutung für den FC Bayern München. Möglicherweise lässt sich so die Wut und Enttäuschung der Fans über seinen Abschied besser nachvollziehen.   

Gerd Müller: 365 Tore für den FC Bayern

Im Frühjahr 1964 bemühten sich sowohl der TSV 1860 als auch der FC Bayern um einen jungen talentierten Stürmer vom TSV Nördlingen namens Gerd Müller. Dieser entschied sich für die Roten, die zu dieser Zeit in der Regionalliga Süd spielten. Die Löwen kickten damals schon in der Bundesliga - dieses Niveau traute sich Müller noch nicht zu.

Gerd Müller (li.) mit Franz Beckenbauer.

In seinem ersten Jahr beim FC Bayern erzielte Müller bereits beachtliche 33 Tore und leistete damit einen wichtigen Beitrag zum Aufstieg in die 1. Bundesliga. Sowohl im deutschen Oberhaus als auch international machten sich die Bayern in den folgenden Jahren einen Namen und Müller war maßgeblich daran beteiligt. Sieben Mal wurde er Torschützenkönig in der Bundesliga, mit 365 Treffern ist Müller bis heute der erfolgreichste Torschütze in der Geschichte der Liga. 

1979 wechselte Müller nach Amerika zu den Fort Lauderdale Strikers und später zu Smith Brothers Lounge, wo er 1982 seine aktive Karriere beendete. Für den ehemaligen Bayern-Trainer Jupp Heynckes ist Schweinsteiger heute ebenso ein Idol der Anhänger, wie es Müller einst war: "Für die Bayern-Fans ist Bastian eine Ikone und eine Identifikationsfigur. Bastian Schweinsteiger ist in einem Atemzug mit Gerd Müller und Franz Beckenbauer zu nennen", sagte Heynckes dem "Kicker". 

Paul Breitner: Unter ihm streikte die Mannschaft gegen den Manager

Mit 18 Jahren kam Paul Breitner zum FC Bayern und schaffte sofort den Sprung in den Profi-Kader. Unter Udo Lattek wurde er vom Stürmer zum Außenverteidiger umgeschult und erspielte sich einen Stammplatz in Kader der Münchner. Seine Spielweise verkörperte den Typ eines modernen Verteidigers, der immer wieder offensive Akzente setzte. 

Paul Breitner (mi.) bei der Meisterfeier.

Doch privat war Breitner ein Freidenker, der kein Blatt vor den Mund nahm, sich offen zu seiner politischen Einstellung bekannte. Auch mit Kritik an seinem Verein hielt er sich nicht zurück, zum Beispiel wenn es um die Verpflichtungen neuer Spieler ging. Präsident Wilhelm Neudecker ging das zu weit - er bot Breitner 1973 zum Verkauf an. Die Mannschaft protestierte, sie wollte Breitner behalten und setzte sich durch. Breitner spielte ein weiteres Jahr in München und wechselte danach als frisch gebackener Weltmeister für drei Millionen Mark zu Real Madrid. 

1978 kehrte Breitner nach einem Zwischenstopp bei Eintracht Braunschweig an seine alte Wirkungsstätte zurück. Doch wieder geriet der Freidenker mit Neudecker aneinander. Der wollte, entgegen eines früheren Versprechens, Max Merkel, der als äußerst harter Coach galt, als neuen Trainer verpflichten. Gemeinsam mit Kapitän Sepp Maier berief Breitner den Mannschaftsrat ein, um sich gegen die Entscheidung zu wehren. Die Bayern-Spieler drohten mit Streik und zwangen Neudecker damit zum Rücktritt - eine einmalige Episode im deutschen Profi-Fußball.

Nur wenige Tage vor seinem Karriereende kam es zum Zerwürfnis mit seinem alten Freund Uli Hoeneß, der zu diesem Zeitpunkt bereits Manager des Vereins war. Auslöser des Streits war ein Testspiel während einer Asien-Reise der Münchner. Zur Halbzeit lagen die Bayern 0:1 zurück und ein wütender Hoeneß polterte, die Spieler sollten sich zusammenreißen, man habe schließlich einen Ruf zu verlieren. Daraufhin entgegnete Breitner: "Halt die Klappe, mach du deinen Job, wir machen unseren."

Nach dieser Auseinandersetzung kam es zum Bruch zwischen Breitner und Hoeneß, ein bitterer Beigeschmack zu Breitners Karriereende. Erst knapp 24 Jahre später sollte Breitner zum FC Bayern zurückkehren - seit 2007 ist er als Scout und Berater für den Verein tätig. Mit Uli Hoeneß hat er sich ebenfalls wieder versöhnt.

Breitner polarisierte wie kaum ein anderer Bayern-Spieler - doch er prägte den FC Bayern auf seine eigene Weise. Nicht nur das verbindet ihn mit Bastian Schweinsteiger, die beiden haben außerdem den gleichen Geburtsort - Kolbermoor in der Nähe von Rosenheim.  

Franz Beckenbauer: Der Münchner "Kaiser"

Franz Beckenbauer debütierte mit 18 Jahren beim FC Bayern und spielte insgesamt fast 20 Jahre lang für die Roten. Die 70er Jahre markierten den Höhepunkt seiner Karriere. Neben dem Weltmeistertitel gewann er mit den Bayern drei Meisterschaften in Folge und wurde zweimal Europas Fußballer des Jahres. Mit seiner Spielweise interpretierte er die Position des Libero völlig neu.

"Kaiser" Franz Beckenbauer im Trikot der Nationalmannschaft.

Als Beckenbauer 1977 beschloss, den Verein zu wechseln, hatte er mit dem FC Bayern alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. An diesem Punkt seiner sportlichen Laufbahn zog es ihn in die USA, genauer gesagt zu New York Cosmos, wo er mehrere Jahre lang mit Pelé zusammenspielte. Nach einem zweijährigen Intermezzo beim Hamburger SV beendete er in New York seine fußballerische Karriere.

Der Kaiser ist eine der ganz großen Legenden, sowohl beim FC Bayern als auch im deutschen Fußball. Und auch er entschied sich, seine Karriere im Ausland zu beenden - wenn auch mit anderen Motiven als Bastian Schweinsteiger. 

Owen Hargreaves: Vom FC Bayern zu Manchester United

Owen Hargreaves kam 1997 mit 16 Jahren in die Jugend des FC Bayern. Nach einem Jahr bei den Amateuren schaffte er anschließend den Sprung in die erste Mannschaft. Im Champions-League-Halbfinale 2001 gegen Real Madrid setzte er ein Ausrufezeichen, als er den gelb-gesperrten Stefan Effenberg bravourös ersetzte. Daraufhin durfte er im Finale gegen den FC Valencia 90 Minuten spielen und seinen ersten Champions-League-Sieg feiern. 

Ein junges Talent: Owen Hargreaves.

Im Oktober 2005 verlängerte Hargreaves beim FC Bayern für weitere fünf Jahre, doch Manchester United hatte ebenfalls ein Auge auf den talentierten defensiven Mittelfeldmann geworfen. 2007 einigte man sich auf eine Ablösesumme von 25 Millionen Euro - so viel war bis dato niemals zuvor für einen Bundesliga-Spieler gezahlt worden. 

Auch bei Manchester United blieb Hargreaves erfolgreich und gewann in seiner ersten Saison auf der Insel prompt die Meisterschaft und die Champions League. Danach hatte er allerdings mehr und mehr mit Knieproblemen zu kämpfen, musste mehrfach operiert werden und fand nicht mehr zu alter Stärke zurück. Schließlich hängt er nach einer Saison bei Manchster City, in der er nur selten eingesetzt wurde, seine Fußballschuhe endgültig an den Nagel.  

Ein talentierter Fußballer, der schon in Jugendjahren beim FC Bayern begonnen hatte, in München durchstartete und anschließend nach Manchester ging - an wen erinnert das? Natürlich lässt sich Hargreaves Vita nicht 1:1 mit der von Bastian Schweinsteiger vergleichen, schließlich war er wesentlich jünger, als er nach England wechselte. Und auch das Renommée, die Erfolge und die Klasse eines Bastian Schweinsteigers sind noch einmal in einer anderen Dimension anzusiedeln.

Toni Kroos: Rekord-Transfer zu Real Madrid

Toni Kroos lernte unter seinem Vater Roland beim Greifswalder SC und später bei Hansa Rostock das Fußballspielen. Im Alter von 17 Jahren wechselte er zum FC Bayern und führte die U19 in seiner ersten Saison als Spielmacher bis ins Finale der Juniorenmeisterschaft. Mit 17 Jahren gab er sein Debüt in der Bundesliga und setzte damit einen Rekord, der erst 2010 von David Alaba unterboten wurde.

Der Wechsel von Toni Kroos sorgte für viel Aufstehen.

Unter dem neuen Trainer Jürgen Klinsmann konnte sich Kroos in der folgenden Saison zunächst nicht durchsetzen und wurde zur Rückrunde für eineinhalb Jahre an Bayer Leverkusen verliehen. Die Werkself hätte Kroos gerne längerfristig gebunden, doch er kehrte zum FC Bayern zurück. In den folgenden Jahren profilierte sich Kroos bei den Münchnern und gewann zahlreiche Titel, darunter das Triple im Jahr 2013.  

Ein Jahr vor dem Auslaufen seines Vertrags im Sommer 2015 konnte sich Kroos mit dem FC Bayern nicht auf eine Verlängerung einigen. Für 30 Millionen Euro wechselte der frisch gebackene Weltmeister zu Real Madrid, das machte ihn zum teuersten Abgang in der Geschichte des FC Bayern. Der Wechsel sorgte für Wirbel, nur wenig später verpflichteten die Münchner Reals Xabi Alonso - für viele ein wirtschaftlich wie sportlich gesehen schlechter Tausch. 

Diesen Sommer schlägt der Wechsel von Bastian Schweinsteiger ähnlich hohe Wellen wie der Transfer von Toni Kroos im vergangenen Jahr. Der emotionale Faktor macht allerdings den Unterschied. Es gab eben nur einen Fußballgott in München - und das war Schweinsteiger. 

Bastian Schweinsteiger bei Manchester United - das sagen seine Fans

sr

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