Fünf Tage gemeinsam eingesperrt

Dr. Kalaschnikov: "Ich war mit Hoeneß in der Zelle"

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Nach seiner Aussage vor dem Landgericht sprach Christian K. mit tz-Reporter Andreas Thieme.

München - Er war der erste Häftling, auf den Uli Hoeneß (62) während seiner Haft traf: Frauenarzt Christian K. (68), besser bekannt als Dr. Kalaschnikov! Die beiden verbrachten fünf Tage in Zelle 106.

Ein älterer Herr steht mit Krücken auf dem Flur des Strafjustizzentrums. Er hinkt leicht, am linken Bein trägt er eine Prothese, auf der Nase eine Goldrandbrille. Das ist doch… Genau: Frauenarzt Christian K. (68), besser bekannt als Dr. Kalaschnikov!

"Wir saßen zusammen in einer Zelle, das war auf der Krankenstation“, sagt Christian K. zur tz. „Fünf Tage lang hatten wir das Vergnügen.“ Gemeinsam auf Zelle 106!

Uli Hoeneß und Dr. Kalaschnikov: ein kurioses Knacki-Paar. Hier der millionenschwere Steuersünder, der zu drei Jahren und sechs Monaten verurteilt wurde. Dort der frühere Frauenarzt, der Patientinnen mit einem Videokugelschreiber zwischen die Beine filmte und im Keller seiner Moosacher Praxis ein ganzes Arsenal an Kriegswaffen hortete. Ihn verurteilte das Landgericht im Dezember 2013 zu vier Jahren Haft.

In der JVA Landsberg sind 565 Häftlinge untergebracht.

„Anfangs saß ich in der JVA Stadelheim“, sagt K. Auch dort ist er auf der Krankenstation untergebracht. Fünf Monate lang teilt er dort die Zelle mit dem mutmaßlichen Mörder Bülent A. (44) – gegen ihn musste er am Donnerstag als Zeuge vor Gericht aussagen (siehe Text unten). Später wird Christian K. nach Landsberg verlegt, wo Uli Hoeneß Anfang Juni in seine Zelle beordert wird. „Ich glaube, er hatte Bluthochdruck“, sagt K. Über Hoeneß will er eigentlich lieber nicht sprechen. Sagt aber freundlich: „Der prominente Besuch hat mich selbst überrascht. Zu mir war er nett.“

Im Gegensatz zu Hoeneß hat Christian K. den härtesten Teil seiner Haft schon hinter sich: „Ich bin seit vier Monaten im Freigängerhaus Rothenfeld“, sagt er. Nach der Verhandlung am Donnerstag am Landgericht musste er direkt wieder einrücken. „Im März komme ich aber hoffentlich frei“, sagt er.

Darauf muss sein früherer Zellengenosse noch warten…

... und das sagte er im Mordprozess aus

„Wir haben uns gut verstanden. Er war sehr hilfsbereit, nett und sympathisch. Aber nicht intelligent genug, um eine Leiche spurlos verschwinden zu lassen.“ So sagte Christian K. alias Dr. Kalaschnikov am Donnerstag gegen den mutmaßlichen Mörder Bülent A. (44) aus.

Dieser soll laut Anklage der Staatsanwaltschaft seine Frau Daniela Karaffa († 36) umgebracht haben. Der Fall wird bereits seit November am Landgericht verhandelt.

Bülent A. (44, rechts) muss sich seit November vor dem Landgericht verantworten.

Wahrscheinlich am Abend des 12. März 2013 wurde die zweifache Mutter in der ehelichen Wohnung in der Nimmerfallstraße (Pasing) erwürgt oder erdrosselt. Daniela wollte Bülent A. verlassen. Denn sie liebte einen anderen Mann. Erst zwei Wochen später erstattete A. eine Vermisstenanzeige. 14 Monate später wurde die skelettierte Leiche der Frau nach einem anonymen Brief an die Justiz im Kapuzinerhölzl gefunden.

Andreas Thieme

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