Klinsmann nach 1:0 erleichtert: „Dieser Sieg war wichtig, um Ruhe reinzubekommen“

Durchatmen, Bayern!

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Jürgen Klinsmann und Uli Hoeneß pusten durch: Drei Punkte gegen den KSC - es geht hoffentlich aufwärts.

Es war ein kleiner Schritt aus der Krise. Nicht mehr und nicht weniger.

Die Bayern sind immer noch Elfter in der Bundesliga, zumindest der Abstand zur Tabellenspitze ist nach dem Erfolg in Karlsruhe nicht größer geworden. Zufrieden oder gar entspannt ist beim Rekordmeister aber keiner – das bekam ein freier Mitarbeiter des hauseigenen Senders fcb.tv kurz nach Schlusspfiff zu spüren. Seine Frage an Uli Hoeneß nach Kloses spätem Siegtreffer: „Waren das heute wieder die Dusel-Bayern?“ Daraufhin schritt der Manager einen Meter zurück, schaute auf das Mikro und blaffte: „Sind Sie wirklich von Bayern-TV? Dann müssen Sie sich einen neuen Job suchen!“ Auch wenn Hoeneß dem verzweifelten Reporter keineswegs die Papiere aushändigte und später eine Aussprache erfolgte, zeigte diese Szene: Die Stimmung bei den Bayern ist nach wie vor gereizt, explosiv. Der Sieg beim KSC verschafft den Klinsmännern lediglich drei Tage Ruhe – schon am Dienstag gegen Florenz stehen Team und Trainer wieder auf dem Prüfstand. Bis dahin heißt’s zumindest:

Durchatmen, Bayern!

1:0 gegen den KSC: Die Spieler des FC Bayern in der Einzelkritik

1:0 gegen den KSC: Die Spieler des FC Bayern in der Einzelkritik © 
van Bommel: Der Kapitän kehrte zurück – und sorgte für Sicherheit vor der Abwehr. – Note 3 © dpa
Borowski (ab 59. Minute): So spielt er sich nicht in der ersten Elf fest. – Note 4 © dpa
Demichelis: Micho zurück auf seiner Lieblingsposition. In der Innenverteidigung fühlt sich der Argentinier sichtbar wohl. – Note 2 © dpa
Klose: Lange nicht zu sehen, aber im entscheidenden Moment zur Stelle. – Note 3 © dpa
ab 89. Minute: Kroos: Kam zu spät für eine Bewertung. © dpa
Lahm: Der Spieler mit dem kleinsten Wendekreis der Bundesliga. Klasse Technik und Übersicht. – Note 2 © dpa
Lucio: Grätschte und kämpfte wie eh und je. – Note 3 © dpa
Oddo: Starke Flanken, aber auch Fehler im Spielaufbau. Klasse: Der Italiener bereitete den Siegtreffer vor. – Note 3 © dpa
Podolski (ab 40. Minute): Starker Einsatz. Bereitete mit seinem Flankenball auf Oddo das 1:0 mit vor. – Note 3 © sampics
Rensing: Stark bei einem Schuss von Laschwili ins kurze Eck. Einziger Wackler: Ließ sich eine Hereingabe von Kennedy aus den Händen spitzeln. – Note 3 © dpa
Ribéry: Der Franzose ist noch nicht der Alte. Tempo und Sicherheit fehlen noch, dazu durch eine Sprunggelenksverletzung gehandicapt. – Note 4 © dpa
Schweinsteiger: Sehr präsent – das zeigen allein seine 91 Ballkontakte. Nach vorne stark, machte sich aber eine bessere Bewertung durch einige schlampige Abspiele und verlorene Zweikämpfe kaputt. – Note 3 © dpa
Toni: Kaum Ballkontakte, früh angeschlagen – von der letztjährigen Stärke war nichts zu sehen. – Note 4 © sampics
Zé Roberto: Nicht ganz so stark wie in den letzten Wochen. – Note 3 © dpa

„Ich bin froh über diesen Erfolg. Damit können wir die nächsten Wochen beruhigter angehen“, schnaufte Klinsmann am Samstag-Nachmittag durch. Das 1:0 in Karlsruhe war ein Sieg für die Nerven. Der Trainer weiter: „Das war wichtig, um Ruhe reinzubekommen. Wir mussten und wollten etwas korrigieren, der Frust wäre sonst noch größer geworden.“ Von einem Neuanfang wollte Klinsi nach dem dritten Saisonsieg aber nichts wissen. „Das ist nicht nötig, wir sind auf einem guten Weg. Wir haben nach dem fahrlässigen 3:3 gegen Bochum gesagt: Jetzt wird es Zeit, dass wir uns nach oben arbeiten.“ Die Partie im Wildpark war zumindest ein Schritt in die richtige Richtung – und die Rückkehr zu einer alten Stärke: Entscheidende Toren kurz vor Spielende.

„Der Zeitpunkt war glücklich, aber nicht der Sieg. Für das Selbstvertrauen ist dieses Ergebnis extrem wichtig“, verteidigte Hoeneß den Sieg und den Bayern-Dusel. In seiner Hymne auf den Erfolg („ein Sturm auf ein Tor“, „unheimliches Tempo“, „sehr unterhaltsam“) ging der Manager dann fast einen Schritt zu weit – als er der Mannschaft bestätigte, sie habe „gefightet wie die Löwen“. Schnell korrigierte Hoeneß: „Oder besser wie die Tiger…“

Auch wenn spielerisch weiter einiges im Argen liegt, stimmte zumindest der Einsatz. „Das war die Reaktion, die ich mir gewünscht hatte. Mit diesem Sieg wird das Selbstvertrauen zurückkommen“, war sich Hoeneß am Samstag sicher, „wir können jetzt erstmals beruhigt ins Wochenende gehen“. Auch im Bezug auf die Tabellensituation. „Es wäre ein fatales Wochenende gewesen, wenn wir nicht gewonnen hätten“, erklärte Hoeneß mit Blick auf den erneuten Hoffenheimer Sieg, „wir hätten uns im grauen Mittelfeld befunden“. So herrscht zumindest für den Moment Ruhe. „Das war nicht berauschend. Aber dass sie in der Endphase noch gewinnen, zeigt, dass die Moral intakt ist“, wollte auch Franz Beckenbauer bei Premiere nicht in Euphorie verfallen.

Stars im Dunstkreis des FC Bayern - Legt der Meister im Winter nach?

Stars im Dunstkreis des FC Bayern - Legt der Meister im Winter nach? © 
Bayern München soll Interesse an Stürmer Pavel Pogrebnjak (r.) von Zenit St. Petersburg haben. © dpa
Den Angreifer dürften die Bayern in schlechter Erinnerung haben. Beim 0:4 im Rückspiel des UEFA-Pokal-Halbfinales im Mai 2008 erzielte der Russe zwei Treffer. Hier das 1:0 per Freistoß. © dpa
Im gesamten UEFA-Cup-Wettbewerb der Saison 2007/2008 erzielte der 24-Jährige in 13 Spielen elf Tore. © dpa
Selbst ein Lucio hatte mit dem wuchtigen Angreifer große Probleme. © dpa
Glaubt man spanischen Medien, so kann sich Pogrebnjak einen Wechsel zu den Bayern sehr gut vorstellen. "Bayern ist mein Lieblingsteam, seit ich ganz klein war. Mein Vater hat mir als Kind ein Trikot mit der Nummer 18 von Jürgen Klinsmann geschenkt", wird Pogrebnjak zitiert. © dpa
Der Vertrag des Zenit-Angreifers läuft noch bis Dezember 2009, angeblich sind die Bayern schon länger hinter ihm her. © dpa
Sollte der Russe zu den Bayern wechseln, wäre wohl der Abgang von Lukas Podolski besiegelt. © dpa
Bei der Europameisterschaft kam Pogrebnjak übrigens nicht zum Einsatz. © dpa
Der Stürmer hatte sich Ende der vergangenen Saison eine schwere Knieverletzung zugezogen. © dpa
Die Zuschauerrolle müsste Pogrebnjak bei einem Wechsel wohl zunächst nicht übernehmen. Doch noch ist ein Transfer des Stürmers ja nur ein Gerücht. © dpa
Pogrebnjaks Teamkollege bei Zenit, Anatoli Tymoschtschuk (rechts), soll ebenfalls ein heißer Kandidat bei den Bayern sein. Bei dieser Transferangelegenheit handelt es sich möglicherweise sogar um mehr als ein Gerücht.. © dpa
Im Internet tauchte jetzt jedenfalls eine mysteriöse Meldung auf, in der der FC Bayern auf seiner Webseite den Transfer des Ukrainers bekannt gab. Zitat: „Kurz vor Ende der Transferperiode hat der FC Bayern noch einmal personell nachgelegt. Anatoly Tymoshchuk verstärkt für die nächsten XYZ Jahre den FCB."... © dpa
Anscheinend musste nur noch die Laufzeit des Vertrages ausgehandelt werden. Die Mitteilung war am 29. August offenbar vorbereitet worden, dann online gestellt worden, ehe sie aus dem News-Archiv wieder entfernt wurde. Sehr mysteriös. © dpa
Dritter "Zenitler" im Dunstkreis der Bayern ist Andrej Arshavin. © dpa
Der Stürmer stand im Sommer kurz vor einem Wechsel zum FC Barcelona bzw. Tottenham Hotspur... © dpa
Beide schreckten jedoch vor den 25 Millionen Euro Ablösesumme zurück... © dpa
Arshavins Berater zur tz: „Wenn er in die Bundesliga geht, dann nur zu Bayern.“... © dpa
... Ein Angebot gäbe es derzeit aber nicht. Auffallend ist, dass Arhavins Formkurve seit seiner starken EM steil nach unten ging. © dpa
Ein weiterer Kandidat in der Gerüchteküche: Goran Pandev von Lazio Rom... © dpa
Der Mazedonier wird bereits seit geraumer Zeit mit den Bayern in Verbindung gebracht... © dpa
Bei dem Stürmer handelt es sich sprichwörtlich um einen "Sturmtank". Etwas graziler wäre dagegen... © dpa
... Miguel Veloso von Sporting Lissabon. Der 22-Jährige (l.) wäre eine Verstärkung für das defensive Mittelfeld... © dpa
... kann aber auch als linker Verteidiger eingesetzt werden. Was seine Verpflichtung unrealistisch erscheinen lässt: Seine Ablöse wurde auf 30 Millionen Euro festgelegt. Bis zur Öffnung des Transferfensters ist es noch eine Weile hin. Man darf gespannt sein, welche Namen bis dahin noch mit dem FCB in Verbindung gebracht werden. © dpa

Gegen Florenz, das am Wochenende durch Tore von Gilardino (2) und Pazzini Reggina mit 3:0 schlug, muss sich das Team erneut beweisen. Daran dachte auch Klinsi direkt nach dem Erfolg in Karlsruhe. Seine Anweisung in der Kabine: „Legt jetzt die Füße hoch und ruht euch aus. Uns stehen schwere Spiele bevor.“

Durchatmen erlaubt. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass das die Wende zum Besseren ist“, prophezeite Hoeneß: „Ich glaube, es geht aufwärts.“ Und außerdem: „Ein Reizklima gab es bei uns nur von außen. Innerhalb des Vereins herrscht totale Ruhe.“ Basta!

Quelle: tz

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