Tiger spricht Klartext

Effe: Vorzeitige Trennung von Ancelotti ist nicht ausgeschlossen

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Stefan Effenberg gewann als Kapitän des FC Bayern 2001 die Champions League.

Schwache Vorbereitung, fehlender Teamgeist, aufrüstende internationale Topklubs - laut Stefan Effenberg liegt beim FC Bayern derzeit einiges im Argen. Der Ex-Profi hält sogar eine vorzeitige Trennung von Carlo Ancelotti nicht für ausgeschlossen.

Stefan Effenberg ist ein Mann klarer Worte. Darum redet er auch nicht um den heißen Brei herum, als er nach der bisherigen Vorbereitung des FC Bayern auf die kommende Saison gefragt wird. „Das war eine schlechte Vorbereitung, die Ergebnisse waren schlecht – und sind zum Teil krass ausgefallen“, analysiert Effenberg im Interview mit t-online.de und hält sogar ein vorzeitiges Ende der Zusammenarbeit mit Trainer Carlo Ancelotti für möglich.

Vor allem die schlechten Ergebnisse während der Asien-Reise und die schwachen Vorstellungen vor eigenem Publikum beim Audi Cup haben dem „Tiger“ gar nicht gefallen. „0:4 und 0:3 – ich kann mich nicht dran erinnern, dass Bayern so hohe Niederlagen kassiert hat. Es sind so viele Fragezeichen offen nach dieser Vorbereitung – so viele gab es noch nie beim FC Bayern“, wundert sich der Ex-Profi.

Effenberg: Anspruch des FC Bayern ist in Gefahr

 „Die Alarmglocken sollten leise angehen, damit der Saisonstart nicht in die Hose geht. Denn dann hast du natürlich direkt Theater in München. Die Stimmen wurden jetzt schon lauter aufgrund der Art und Weise“, erklärt der 49-Jährige und hat gleich einen guten Tipp für die aktuellen Profis des FC Bayern parat: „Das kannst du schnell wegbügeln, wenn du total positiv in die Saison gehst. Ich als Spieler würde jetzt hingehen und sagen: ‚Das ist nur eine Vorbereitung.‘“ Erst, wenn man die ersten fünf, sechs Gegner in der Bundesliga weghaue, kämen Rhythmus und Ruhe zurück, mahnt Effe.

Der Anspruch des Rekordmeisters sei schließlich nicht, nur die nächste Meisterschaft - es wäre die sechste in Folge - zu holen, sondern auch international in der Champions League auf allerhöchstem Niveau mitzumischen - ein Anspruch, den Effenberg in Gefahr sieht. Der FC Bayern sei in der Königsklasse in den vergangenen Jahren „ein gutes Stück weit weg von den anderen Vereinen“ gewesen und immer verdient ausgeschieden gegen die ganz Großen wie Real Madrid, den FC Barcelona oder Atlético Madrid. Die Konsequenz kennt der ehemalige Bayern-Kapitän ganz genau: „Wenn Du nicht in die Nähe deines Anspruchs kommst, kommt Unruhe auf. Das sieht man auch daran, dass es jedes Jahr relativ krasse Veränderungen am Bayern-Kader gibt.“

„Spieler werden bei Bayern ausgetauscht, der Trainer dann vielleicht auch irgendwann“

Ein wichtiger Schlüssel auf dem Weg zum Erfolg ist auch für Effenberg natürlich der Trainer. Doch auch für Carlo Ancelotti gelten die Gesetzmäßigkeiten des Profifußballs. „Spieler werden bei Bayern ausgetauscht, der Trainer dann vielleicht auch irgendwann“, weiß Effe, stellt aber gleich klar: „Ich wünsche ihm das nicht.“

Ausschließen möchte er eine vorzeitige Trennung vom italienischen Coach, der noch bis 2019 vertraglich gebunden ist, dennoch nicht: „Das ist im Bereich des Möglichen, dass es seine letzte Saison wird – wenn sie so läuft wie die letzte, oder vielleicht noch schlechter.“ In der ersten Saison mit Ancelotti als Chefcoach waren die Münchner „nur“ Meister geworden.

"Die Verantwortlichen schicken diese Mannschaft und auch den Trainer ins Rennen, um alle drei Titel zu gewinnen", sagte er außerdem am Rande eines Tipico-PR-Termins in der Allianz Arena: "Ist das nicht der Fall, wird es laut in München. Er war ja selbst auch nicht so zufrieden mit nur einem Titel. Er hat sich ja schon den Pokal oder die Champions League gewünscht. Er steht genauso unter Druck wie alle Spieler auch."

Sportdirektor Brazzo Salihamidzic (l.) und Trainer Ancelotti.

Der „Tiger“ kritisiert den seiner Meinung nach fehlenden Teamgeist - und nimmt dabei auch Ancelotti in die Pflicht: „Er ist ja zum Glück auch so erfahren, dass er zumindest mal eine Elf finden wird, die die nächsten Wochen gut bewältigt. Bei der man auch das Gefühl hat, dass sie ein Team ist. Die für und miteinander Fußball spielt – das fehlt mir bisher in der Vorbereitung.“ 

Dem Blondschopf fehlt bei einigen Bayern-Profis der letzte Wille. „Der Wille ist für mich das Wichtigste überhaupt im Fußball. Wenn der beim ein oder anderen nicht vorhanden ist, muss ich mir Gedanken und auch Sorgen machen. Und das hat bei Bayern gefehlt“, moniert der ehemalige Leitwolf. 

Im internationalen Vergleich sieht Effenberg den Rekordmeister im Hintertreffen gegenüber der finanzkräftigen Konkurrenz. Es wird nicht einfacher für den FC Bayern. Ganz im Gegenteil. Man sieht, wie andere Mannschaften aufrüsten, wenn 222 Millionen Euro in einen Neymar investiert werden. Paris ist mit Sicherheit jetzt ein Favorit auf den Sieg in der Champions League. Die sind hungrig und haben andere Möglichkeiten. Wenn Uli Hoeneß dann auch öffentlich sagt: ‚Nein, das sind wir nicht bereit zu bezahlen‘ – aber da geht leider die Entwicklung hin –, dann wird die Kluft zu diesen Vereinen immer größer.“

Transfergerüchte und aktuelle News: Welche Spieler holt der FC Bayern München 2017?

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