Nach Foul an einem Schotten

Briten ätzen: "Müller zeigt seine hässliche Seite"

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Diese Szene erregt die Gemüter bei der "Daily Mail": Thomas Müller reißt Gegenspieler Shaun Maloney von hinten um - und sieht anschließend für sein taktisches Foul die Gelbe Karte.

München - Er war der Matchwinner im EM-Quali-Spiel: Thomas Müller erzielte beide Tore gegen Schottland und sicherte Deutschland damit drei wichtige Punkte. Doch die englische Presse schießt gegen den Bayern-Star.

Von der britischen Presse ist man ja einiges gewohnt, wenn es um die Beurteilung des deutschen Fußballs geht. "Deutsche Panzer rollen wieder" oder irgendein Gefasel vom "Blitzkrieg" sind wiederkehrende Überschriften in englischen Boulevardblättern, wann immer bei internationalen Turnieren die deutsche Mannschaft ihren erfolgreichen Weg geht.

Verbalkeule gegen Thomas Müller

Zwar hat sich in den letzten Jahren in den Medien auf der Insel auch eine Art Respekt gegenüber der deutschen Nationalelf durchgesetzt - zu groß ist der Leistungsabstand zwischen der englischen Nationalmannschaft und Jogi Löws Weltmeistern -, doch nach dem knappen 2:1-Erfolg der Deutschen am Sonntag gegen Schottland holt das englische Revolverblatt "Daily Mail" mal wieder die Verbalkeule aus der Mottenkiste. Im Zentrum des schmierigen Artikels: Doppeltorschütze Thomas Müller.

"Thomas Muller shows ugly side of his game to deny Scotland late attack with a cynical foul" ist auf der Webseite der Zeitung zu lesen - zu Deutsch: "Thomas Müller zeigt die hässliche Seite seines Spiels, als er mit einem zynischen Foul Schottland den späten Ausgleich verwehrt."

Worum geht's? Nach der Führung durch Müller in Durchgang eins und dem schottischen Ausgleich in der zweiten Hälfte sorgte der Bayern-Stürmer mit seinem zweiten Treffer in der 70. Minute für den 2:1-Endstand. Und um den knappen Sieg nicht in Gefahr zu bringen, griff Müller kurz vor dem Schlusspfiff zu einem allseits gebräuchlichen Stilmittel eines Fußballers: dem taktischen Foul.

Angreifer Shaun Maloney hatte in der fünften Minute der Nachspielzeit einen letzten Versuch gestartet, um den tapfer kämpfenden Schotten doch noch einen Punkt gegen den hoch favorisierten Weltmeister zu ermöglichen. Doch der zurückgeeilte Müller stoppte Maloneys beherzten Vorstoß kurz nach der Mittellinie mit einem beherzten Griff an dessen Schultern. Der schottische Konter war somit unterbunden, die deutsche Mannschaft konnte sich wieder defensiv organisieren und den knappen Vorsprung über die Zeit retten.

Für seine Aktion sah Müller völlig zu Recht, weil den Regeln entsprechend, die Gelbe Karte vom norwegischen Schiedsrichter Svein Oddvar Moen. Von Bundestrainer Löw dürfte Müller hingegen ein Lob für sein taktisches Foul bekommen haben. Denn in Fußballerkreisen wird solch ein Eingreifen nicht als "hässlich", sondern als "clever" bezeichnet. Zugegeben, das Ganze war nicht besonders schön anzusehen, aber der Zweck heiligt in diesem Fall die Mittel - das lernt jeder Hobbykicker bereits in der D-Jugend. Die dem angeblichen "Fair Play" verbundenen Engländer sehen das allerdings offensichtlich etwas anders...

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