1. tz
  2. Sport
  3. FC Bayern

Hernandez-Verletzung: Halbes Jahr Pause nach OP, FC Bayern trifft Entscheidung über Ersatz

Erstellt:

Von: Hanna Raif

Kommentare

Der Schock war groß, als Hernandez beim WM-Spiel gegen Australien zu Boden ging. Nun muss der FC Bayern die nächsten Monate auf den Abwehrspieler verzichten.

München - Der Austausch der Verantwortlichen beim FC Bayern dauerte nicht lange. Keine 14 Stunden, nachdem Lucas Hernandez beim 4:1 der französischen Nationalmannschaft gegen Australien mit einem Kreuzbandriss vom Feld gebracht werden musste, herrschte an der Säbener Straße Konsens. Obwohl der Rekord-Einkauf rund ein halbes Jahr lang fehlen dürfte, wird der Tabellenführer im Winter nicht auf dem Transfermarkt aktiv werden.

„Wir sind natürlich geschockt“, sagte Hasan Salihamidzic, der noch in der Nacht von den Ärzten der französischen Nationalmannschaft informiert worden war. Die Schwere der Verletzung stand schon zu befürchten, als Hernandez nach einem Laufduell zu Boden gegangen war und sich das rechte Knie gehalten hatte. Unter enormen Schmerzen musste der 26-Jährige das Feld verlassen.

Hernandez Schock: Halbes Jahr Pause nach OP laut Oliver Kahn ein „schwerer Schlag“ für Bayern

Dies sei „ein schwerer Schlag für uns“, schrieb Bayerns Vorstandsboss Oliver Kahn bei Twitter. Gleichzeitig sei Hernandez „einer der internationalen Spitzenspieler mit dem stärksten Willen und Biss“, führte er aus. Der Tweet war kaum abgesetzt, da wurde schon der nächste Bayern-Profi angeschlagen ausgewechselt: Der Marokkaner Noussair Mazraoui stürzte auf seine Hüfte und konnte gegen Kroatien nicht weitermachen.

Am Abend zuvor widmeten die Kollegen Hernandez den Sieg. „Er ist ein super Spieler und Kollege“, sagte sein Bayern-Mitspieler Benjamin Pavard. Für Hernandez war in den Minuten längst klar, dass die Mission Titelverteidigung ohne ihn gelingen muss. Genau wie die Rückrunde beim FC Bayern. Spielen wird er erst wieder in der Saison 2023/24.

Hernandez fällt mindestens ein halbes Jahr aus - so steht es jetzt um Bayerns Abwehr

Für die ohnehin gebeutelte Équipe Tricolore - auch Weltfußballer Karim Benzema sowie die Mittelfeldspieler Paul Pogba und N’Golo Kanté fehlen - wiegt der Ausfall in den kommenden Wochen schwer. Die Bayern hingegen wird er noch viel länger beschäftigen (siehe Infokasten am Ende des Artikels).

Verletzt sich bei der WM 2022: Lucas Hernández vom FC Bayern.
Verletzt sich bei der WM 2022: Lucas Hernández vom FC Bayern. © IMAGO / SNA

Zwar ist Salihamidzic sich sicher: „Lucas ist ein Kämpfer und wird stark zurückkommen.“ Der Luxus mit „drei Weltklasse-Verteidigern“ (Julian Nagelsmann) fällt ab sofort weg. Das Duo Dayot Upamecano/Matthijs de Ligt hat sich in den vergangenen Wochen, in denen Hernandez wegen eines Muskelbündelrisses fehlte, immer besser gefunden, in Benjamin Pavard steht zudem ein Backup und in Josip Stanisic ein weiterer Kandidat bereit. Verletzen sollte sich in der Abwehr allerdings niemand mehr, sonst wird es eng.

FC Bayern München: Nicht die erste Verletzung bei Hernandez

Dass es nun ausgerechnet Hernandez erwischt hat, ist besonders bitter. Schon nach seinem Wechsel im Jahr 2019 fiel der 80-Millionen-Euro-Mann ein halbes Jahr lang wegen einer komplizierten Knieläsion aus, der Start in München verlief schleppend. 215 Tage verpasste der Defensivspezialist in den vergangenen drei Spielzeiten, ein Innenbandriss im Sprunggelenk, ein Meniskuseinriss sowie zuletzt die schwere Muskelverletzung bremsten ihn jeweils lange. Auch bei der EM 2021 musste er mitten im Turnier abreisen.

Die Bayern erwarten Hernandez zeitnah zurück. Untersuchungen in München folgt die OP, die wohl in Innsbruck bei Knie-Spezialist Christian Fink stattfinden dürfte. Erst vergangene Woche lag Mané dort unterm Messer - nun folgt der nächste Patient. Salihamidzic sagt: „Er kriegt alle Unterstützung, die möglich ist.“ Man glaubt an ihn - und ans eigene Team. (hlr)

Hohes Rückfallrisiko

Lucas Hernandez wird dem FC Bayern mindestens sechs bis neun Monate fehlen. Davon geht Kniespezialist Dr. Manuel Köhne von der OCM-Klinik in München aus. Als leitender Mannschaftsarzt der deutschen alpinen Ski-Asse hat er unter anderem Kitzbühel-Sieger Thomas Dreßen am Knie operiert. Die Ausfallzeit bei einem Kreuzbandriss hängt auch davon ab, ob darüber hinaus Begleitverletzungen entstanden sind. „Ein Kreuzbandriss ohne weiteren Schaden ist eher selten. Bei über 50 Prozent der Patienten ist mindestens auch einer der beiden Menisken kaputt, meistens ist außerdem das Innenband überdehnt oder angerissen“, erläuterte Dr. Köhne gegenüber der tz. Dementsprechend könnte sich die Reha-Zeit auch im Fall des Bayern-Stars um Monate verlängern. Köhne: „Wenn im Knie praktisch alles repariert werden muss, ist auch das Risiko einer erneuten Verletzung höher.“ (bez)

Auch interessant

Kommentare