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Der erste Bayern-Kapitän wird 80 und wünscht sich Heynckes-Verbleib

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Werner Olk.
Werner Olk. © Foto: Werner, privat

Bayern-Legende Werner Olk feiert seinen 80. Geburtstag. Der Ex-Kapitän lobt Jupp Heynckes und hat eine nette Anekdote zum Bayern-Coach parat.

München – Es ist heute nicht mehr denkbar, damals aber war es für Werner Olk selbstverständlich. Als der FC Bayern 1965 endlich den Aufstieg in die Erste Liga schaffte, büffelte der Kapitän vormittags in der Uni, ehe es mittags zum Spiel ging. Er studierte BWL, einige Kameraden arbeiteten halbtags, andere konzentrierten sich bereits voll auf Fußball. „Während sich der eine oder andere im Trainingslager in Wörnbrunn noch einmal umgedreht hat, bin ich zur Vorlesung, notfalls durch den hohen Schnee“, erzählt Olk. Rechtzeitig zum Anpfiff war er wieder da. Der „Adler von Giesing“, diesen Spitznamen verdankt er Manager Robert Schwan, ging als erster Bundesliga-Kapitän in die Historie des FC Bayern ein. Heute feiert er 80. Geburtstag.

„Franz mussten wir bei der Aufstiegsfeier zuhause abladen“

Und wer weiß, wie sich alles ohne Olk entwickelt hätte? Als die Münchner 1964 den sicher geglaubten Aufstieg noch vergeigten, zitierte Schwan alle nach dem letzten Spiel zurück ins Trainingslager an den Ammersee. „Werner, was machen wir“, fragte er Olk. Der Manager wusste, einige standen vor dem Absprung, sie hatten Angebote aus der Ersten Liga. „Wenn Sie den Beckenbauer binden, bleiben alle“, antwortete Olk. „Ich hatte mich umgehört, ich wusste das, alles hing nur am Franz, er war die Königspersonalie“, erzählt er. Schwan angelte sich den jungen Beckenbauer, und danach sagten sie alle zu, mehr oder weniger schon in der Nacht am Ammersee: Ohlhauser, Koulmann, wie sie alle hießen. Ein Jahr später war man oben.

Werner Olk.
Werner Olk. © Foto: Werner, privat

„Das ist bis heute der größte Erfolg dieser Mannschaft“, so Olk. Danach gewannen sie gleich den Pokal, sie holten 1967 den Europacup und feierten 1969 das Double. „Aber ohne den Aufstieg wäre das alles nie möglich gewesen, die Erinnerungen sind bis heute die prägendsten“, sagt Olk. In Riem am Flughafen warteten schon die Fans nach der Landung aus Berlin, „sie haben uns praktisch aus dem Flieger gezogen“. Es ging dann direkt an den Nockherberg, „bullenheiß war es“, weiß Olk bis heute, so heiß, dass sie den Sekt des Präsidenten mit Bier vermischten. Es dauerte keine zwei Stunden, da war es um die Helden geschehen. „Den Franz“, so Olk, „den mussten wir dann zuhause abladen, der war nicht mehr gesehen.“

Herrliche Zeiten waren das damals, sagt Olk, alleine die Trainer eine Schau – jeder auf seine Art. Zlatko „Tschik“ Cajkovski ließ die junge Bande einfach spielen, „der war Typ Laissez-Faire, aber genau richtig für uns junge Burschen: Wir wollten uns ja austoben.“ Cajkovski war selbst ein Spielkind, „wir haben immer so lange traininert, bis seine Mannschaft gewonnen hat, teils ging das zweieinhalb Stunden – aber es hat uns gar nichts ausgemacht“. Branko Zebec brachte dann Professionalität rein, und wie! Das Training war brutal, erinnert sich Olk, „du dachtest, dass deine Brust platzt“.

Morgens, mittags, abends zitierte Zebec zum Training, „nach zwei Tagen hast du das Frühstück ausgelassen, weil du bereits um 7 Uhr so Muskelkater hattest“. Einmal musste Olk mit Georg „Katsche“ Schwarzenbeck Medizinbälle gegen die Wand werfen: „Zack, zack, zack, in einer Tour – und plötzlich sackte ,Katsche’ weg, der stramme ,Katsche’! Der Kreislauf.“

Olk selber habe es wenig ausgemacht, erzählt er, in der Jugend war er Leichathlet, Fünfkampf, „aber das Zirkeltraining von Branko, das war brutal“. Mal ließ er pro Runde einen Kieselstein auf den Boden fallen, er hatte genug für 20 Runden zusammengesammelt. Ein anderes Mal hetzte er die Spieler an den Isarauen die Steilhänge hinauf, „erst oben laufen, und dann 80 Meter im Entengang zurück, immer wieder – der Peter Stegmann lag kotzend im Gras“. Aber: „An diese Zeiten erinnert man sich gerne. Und ich sag’ mal so: Davongelaufen ist uns kein einziger Gegner. Das Double haben wir mit nur 13 Spielern gewonnen.“

Werner Olk.
Werner Olk. © Foto: Werner, privat

Zebec brachte zudem auch Taktik ins Spiel. Nichts blieb mehr von „Tschiks“ einfach drauflos spielen. Die Bayern agierten im 4-4-2, und Olk verrichtete seinen Dienst auf der rechten Seite. „Ich bin marschiert wie verrückt“, sagt er. „Du siehst immer so aus, als würdest du auf deine Beute lauern und dann auf sie herunterstürzen“, sagte Schwan eines Tages zu ihm. So kam es zum „Adler von Giesing“.

Nach dem Abschied vom FC Bayern setzte der Adler zu weiteren Höhenflügen an, es zog ihn in die Exotik. Wobei, zunächst gibt es ein eigenartiges Kapitel in seiner Karriere zu klären: Eine Saison war er Manager beim TSV 1860. „Ja, ein Roter bei den Blauen: Ein Betriebsunfall“, sagt er und lacht. Danach arbeitete er unter Dettmar Cramer als Assistent bei seinen Bayern, ehe die weite Welt rief. Nationaltrainer in Oman wurde er, bis heute leuchten da die Augen des Adlers: „Ein tolles Land, ich schicke alle meine Freunde dorthin, um Urlaub zu machen. Feine Leute, ein Märchen aus 1001 Nacht“, sagt er. Ebenfalls gerne erinnert er sich an seine Zeit als Nationaltrainer Marokkos zurück. Gleich in der ersten Woche im Amt lernte er König Hassan II. kennen. Der Monarch gab ihm bei einem Pokalspiel die Hand und sagte: „Wenn Sie etwas brauchen, melden Sie sich bei mir.“ Olk schaffte alles alleine, „aber es schadet ja nichts, wenn man den König hinter sich weiß“, sagt er und grinst. Mit Marokko erreichte er die Olympischen Spiele 1992 in Barcelona. Ein unvergessliches Erlebnis.

Anekdote zu Jupp Heynckes

Nach Marokko verschlug es Olk noch ein Jahr nach Japan, auch das war eine Erfahrung, die er nicht missen will. Damals steckte Nippons Fußball noch in den Kinderschuhen, „aber sie sind so ehrgeizig, so fleißig, ich musste sie auf dem Trainingsplatz einfangen“, erzählt er. Erst nach einer Weile entdeckte er, dass sie sogar heimlich an freien Samstagen trainierten. „Japaner arbeiten 25 Stunden am Tag, habe ich das Gefühl.“

Nachdem er auch noch für Tunesien und Ghana arbeitete, zog sich Olk langsam zurück. Aber bis heute schaut er regelmäßig bei seinem FC Bayern vorbei, geht an der Säbener Straße ein und aus und verfolgt die Spiele in der Allianz Arena. „Heute bei Bayern auf der Tribüne, da fühle ich mich wie im Theater“, sagt er. „Es macht Spaß, zuzuschauen. Erst das Triple, dann die Pflege durch Pep Guardiola – eine außergewöhnliche Entwicklung.“ Besonders gerne schaut er Joshua Kimmich zu, der seine alte Position bekleidet. „Ein sehr guter Junge, er imponiert mir ungemein.“

Und Jupp Heynckes, imponiert der Coach ihm auch, mit seinen 72 Jahren? Selbstverständlich, sagt Olk, und freilich würde er sich wünschen, dass er bliebe. „Es ist seine Entscheidung, aber so, wie er in diesem Verein und von seinen Spielern geliebt wird, das ist einzigartig, wohl auf der ganzen Welt – so etwas gibt es nicht wieder.“ Hat er einen Rat, er ist mit 80 ja auch noch bemerkenswert fit? Nein, sagt Olk, „Jupp weiß es schon selber am Besten. Ich kann nur sagen, dass man jeden Moment genießen sollte.“ Er hat damals sogar die Strapazen gemocht, als er im Schnee in die Uni stapfte. Hauptsache, er war zum Spiel wieder da.

VON ANDREAS WERNER

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