Goretzka sorgt sich um die nächste Spielergeneration

Daddeln statt Bolzplatz - Zukunft des deutschen Nachwuchses in Gefahr?

Der leere Bolzplatz - nur Symbol oder schon Realität?
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Der leere Bolzplatz - nur Symbol oder schon Realität?

Goretzka sorgt sich um Entwicklung im deutschen Nachwuchsbereich. Die Entwicklung geht vom Bolzplatz hin zur Konsole.

München - Der Fußball-Profi Leon Goretzka hat neulich dem Spiegel ein ziemlich wichtiges Interview gegeben. Wichtig, weil endlich mal ein sehr bekannter Spieler klar Stellung bezogen hat zu fatalen Entwicklungen in unserer Gesellschaft und bewiesen hat, dass man sich nach kritischen Äußerungen nicht einschüchtern lassen muss von törichten Rassisten, die es gerade auch unter Fußballfans noch viel zu viele gibt. Goretzka zeigt aber auch, dass man als Spieler des FC Bayern nicht nur die Arena, das Trainingsgelände an der Säbener Straße und ein paar exklusive Münchner Clubs kennen sollte, sondern sich durchaus auch mal, etwa in der Dachauer KZ-Gedenkstätte, mit den düstersten Kapiteln deutscher Geschichte befassen kann.

Daneben hat er noch etwas angesprochen, was wegen der großen Bedeutung des eigentlichen Themas ein bisschen untergegangen ist. Aber gerade die Chefideologen im Bayerischen Fußball-Verband zumindest ein klein wenig nachdenklich machen sollte. Die sind nämlich gerade mächtig stolz auf ihre neueste Erfindung, eine Liga mit 36 Vereinen in ganz Bayern, die, und das ist das Besondere, nicht auf dem grünen Rasen, sondern an der Playstation ausgespielt wird. Die Einführung der „BFV eFootball-League sei „der nächste logische Schritt unserer Bemühungen, über den virtuellen Kick noch mehr Menschen für den Fußball zu begeistern“, heißt es da. Für welchen Fußball, ist dann so genau nicht weiter definiert. Sollte wirklich der „echte“ Fußball gemeint sein? Das wäre dann wohl ein klein wenig naiv.

Goretzka sorgt sich um die nächste Spielergeneration

Leon Goretzka zum Beispiel sorgt sich schon um die nächste Spielergeneration, weil Typen wie er, die noch ohne Handy aufgewachsen sind und bis Sonnenuntergang auf dem Bolzplatz gekickt haben, in diesen digitalen Zeiten immer weniger werden. Statt Goretzkas Sorge zu teilen und wenigstens zu versuchen, die Kids von elektronischen Endgeräten zurück auf leider immer öfter verwaiste Bolzplätze zu locken, fördert der Fußball-Verband, ganz fortschrittlich, das Daddeln am Computer. Mag sein, dass die Zukunft des Fußballs, Gott behüte, wirklich virtuell ist, dann sollte man es aber auch so benennen. Und nicht so tun, als wolle man damit Kinder und Jugendliche für den richtigen, den „analogen“ Fußball begeistern.

Gehen die Kids, die man mit eSports fängt, dem Fußball verloren?

Geht es den Funktionären nicht eher darum, dabei zu sein, wenn im boomenden eSport die großen Gelder fließen? Darum, den Rückgang der Mitgliederzahlen auszugleichen mit virtuellen Kickern? Die aber bestimmt weder Lust noch Zeit haben werden, sich nach den fordernden Fingerübungen am Controller auch noch auf dem Rasen zu bewegen. Oder gar von der Konsole aufs richtige Feld zu wechseln, ist doch viiiiiel zu anstrengend. Gehen die Kids, die man mit eSport fängt, dem Fußball, den ein Goretzka so exzellent spielt, nicht eher verloren?

Sorge um die Entwicklung des Fußballs und Entwicklung unserer Kinder

Was allerdings nicht ganz so dramatisch wäre wie der Aspekt, dass man Kindern in diesen bewegungsarmen Zeiten noch weniger Bewegung gibt. Wenn das der „Puls der Zeit“ ist, den der Verband mit seinen jüngsten Aktivitäten zu treffen glaubt, muss man sich tatsächlich große Sorgen machen um eine gute Zukunft des „richtigen“ Fußballs. Vor allem aber um eine gesunde Entwicklung unserer Kinder. Um die Zukunft des eSports dagegen muss sich sicher keiner Gedanken machen. Dem coolen Computerspiel also eine noch attraktivere Alternative entgegenzusetzen, wäre nicht das die vornehmste Pflicht eines Sportverbandes? Oder fürchtet man dort, als altmodisch zu gelten, wenn man nicht aufspringt auf den Trend?

Dabei sollten sie gerade auch im BFV wissen, dass der „echte“ Fußball eines Leon Goretzka wohl sicher nie altmodisch wird. Außer, er zerstört sich selbst.

Von Reinhard Hübner

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