Ex-Bayer im tz-Interview

Timoschtschuk: "Kann mich nicht für ein Team entscheiden"

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Anatoli Timoschtschuk.

München - Der Ex-Münchner Anatoli Timoschtschuk spricht im Interview mit der tz über den FC Bayern, Schachtjor Donezk und das ukrainische Drama.

Anatoli Timoschtschuk war nicht immer der auffälligste Spieler in seiner Zeit beim FC Bayern. Aber er war immer einer, der sich immer aufgerieben hat. Am Dienstag spielt er bei Zenit St. Petersburg, zuletzt ist er mit seiner Mannschaft in die Europa League abgerutscht. Auf die Champions League freut er sich dennoch, besonders auf das Duell seiner Ex-Klubs Bayern und Donezk (im Live-Ticker). Als sich die tz für ein Gespräch meldet, sagt er direkt zu – und lässt beste Grüße an seine Fans ausrichten.

Herr Timoschtschuk, zunächst: Wie geht es Ihnen?

Anatoli Timoschtschuk: Sehr gut! Ich fühle mich sehr wohl, war sehr glücklich, in diese Stadt und zu diesem Verein zurückzukommen.

Ihr Ex-Klub, der FC Bayern, hat die beste Vorrunde aller Zeiten gespielt. Was halten Sie von dem Team von Pep Guardiola?

Anatoli Timoschtschuk: Ich denke, der FC Bayern hat getan, was er tun musste. Das Team hat gezeigt, was wir alle erwartet haben. Das ist allerdings nur der erste Schritt eines langen und steinigen Weges. Die Erwartungen sind sehr hoch.

Einige Tage, bevor Sie München verlassen haben, wollten Sie unbedingt noch an einer Trainingseinheit mit Guardiola teilnehmen. Warum war das so wichtig? 

Anatoli Timoschtschuk: Eigentlich war die Situation ganz einfach: Es waren die letzten Tage meines Vertragsverhältnisses mit dem FC Bayern – und ich wollte bis zum Schluss mein Bestes geben für den Klub. Aber es stimmt schon, ich war auch sehr daran interessiert, mit Pep Guardiola zu arbeiten, seine Trainingsphilosophie persönlich beobachten zu können und zu erfahren, welchen Fußball er mitbringt und einführt, welche neuen und frischen Ideen er einbringt. Guardiola hat bewiesen, dass er einer der besten Trainer der Welt ist. Nach einigen Tagen mit ihm als Trainer habe ich gemerkt, dass er einige Umstellungen in Bezug auf Ballkontrolle und Taktik einführen wird. Alle seine Trainingseinheiten waren auf den Ausbau der Technik und eine neue Denkweise der Spieler sowie Ballbesitz, Ballbeherrschung und attraktiven Fußball ausgerichtet.

Haben Sie noch Kontakt zu Spielern, Mitarbeitern, Bossen des FC Bayern?

Anatoli Timoschtschuk: Ja, absolut, über Telefon und SMS. Ich war Ende letzten Jahres in München und wurde vom Verein eingeladen, das letzte Heimspiel gegen Freiburg anzuschauen. Das Verhältnis zu den Ex-Kollegen und dem ganzen Verein ist so, als sei ich nie weg gewesen. Das ist großartig, fast wie in einer Familie.

Bayern spielt heute gegen Donezk, wo Sie eine großartige Zeit zwischen 1998 und 2007 hatten…

Anatoli Timoschtschuk: Für mich ist es eine sehr interessante Konstellation. Beide Vereine waren Meilensteine in meiner Karriere. In dem einen Team habe ich meine ersten Titel gewonnen: die ukrainische Meisterschaft, den Pokal, den Supercup. Und mit dem anderen Verein haben wir das Triple geholt, und ich habe meine ganz großen Erfolge feiern können: die Meisterschale, den Pokal und den CL-Pokal im Jahr 2013. Als ich jung war, habe ich immer von dem nationalen Triumph und von europäischen Titeln geträumt. Jetzt kann ich sagen, dass diese Träume bei diesen beiden Vereinen wahr geworden sind.

Kann Donezk die Bayern schlagen?

Anatoli Timoschtschuk: Im Fußball ist alles möglich, keiner kann sich zurücklehnen in den K.o.-Spielen. Können Sie sich noch an das Halbfinale im UEFA-Cup erinnern, als Bayern gegen Zenit gespielt hat? (0:4 im Jahr 2008, d. Red.) Keiner hätte das Ergebnis voraussehen können. Der FC Bayern hat noch nie gegen Schachtjor gespielt, aber Guardiola ist ein erfahrener Trainer, hat bereits mit Barcelona einige Spiele gegen diesen Verein absolviert. Ich erwarte, dass beide Teams sehr motiviert und fokussiert in das Spiel gehen werden. Schachtjor hat bisher in diesem Jahr nur Freundschaftsspiele absolviert, daher ist es schwierig einzuschätzen, in welcher Form sie tatsächlich sind. Der FC Bayern hat alle Qualitäten einer Topmannschaft, Schachtjor ist auf dem besten Wege, eine zu werden. Demnach erscheint der FCB derzeit als die stärkere Mannschaft.

Was ist Ihr Rat an die FCB-Freunde? Oder anders: Welches Team soll aus Ihrer Sicht überhaupt gewinnen?

Anatoli Timoschtschuk: Ich habe wohl genug Erfahrung, um beiden Mannschaften Tipps zu geben (lacht). Für mich ist es schwierig, mich für ein Team zu entscheiden, daher habe ich mich entschieden, mich zurückzulehnen und das Spiel zu genießen. Beide Spiele!

Was geht in Ihnen vor, wenn Sie die kriegerischen Zustände sehen? Haben Sie Angst?

Anatoli Timoschtschuk: Ich bin nicht in die politischen Vorgänge involviert, kenne nicht die kompletten Umstände, nicht die gesamte Situation. Ich weiß aber, dass dieser Krieg eine enorme Tragödie für das Volk ist, für die Menschen dort. Ich bin kein Politiker, ich bin Sportler. Aber ich bin gegen den Krieg.

Porträt: Das ist Bayern-Gegner Schachtjor Donezk

Porträt: Das ist Bayern-Gegner Schachtjor Donezk

Aufgrund der Situation in der Ostukraine spielt Schachtjor in Lwiw. Sie sind in der Nähe von Lwiw geboren. Können Sie uns mehr über die Region erzählen?

Das EM-Stadion in Lwiw: Hier treten die Bayern heute gegen Donezk an.

Anatoli Timoschtschuk: Ich habe nur gute Erinnerungen an die Westukraine. In Luzk habe ich angefangen, Fußball zu spielen. Ich erinnere mich an meinen ersten Titel mit Schachtjor: Wir haben gegen Ushgorod gespielt und 1:0 gewonnen. Das hat uns Platz eins garantiert, zum ersten Mal in der Geschichte des Vereins. Ich habe gute Erinnerungen an Lwiw, wo das Nationalteam viele Spiele absolviert hat und bis heute ungeschlagen ist. Die Fans sind in jedem Spiel großartig.

Lassen Sie uns über das Nationalteam sprechen: Wie sehen Ihre Pläne nach der Europameisterschaft 2016 aus? Ist Russland 2018 noch ein Thema für Sie?

Anatoli Timoschtschuk: Natürlich wäre ich glücklich über die Möglichkeit, 2018 in Russland dabei zu sein, aber ich würde jetzt lieber erst mal 2016 in Frankreich spielen. Das ist realistischer, und ich werde mein Möglichstes tun, unser Nationalteam dorthin zu führen.

Interview: Michael Knippenkötter

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