Protokoll des dramatischen Tages

So dämlich agierte der Hoeneß-Erpresser (50)

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Der mutmaßliche Erpresser wollte das Schutzgeld, das Uli Hoeneß (l.) zahlen sollte, an dieser Bushaltestelle abholen.

München - Ein Ex-Häftling hat Uli Hoeneß am Samstag bedroht und wollte von ihm Schutzgeld erpressen. Wir erklären seinen dramatischen Tag zwischen Freud und Leid!

Drama um Uli Hoeneß (62)! In den kommenden Tagen muss der Ex-Bayern-Boss seine Haft antreten – und verbüßt seine dreieinhalbjährige Strafe wohl in der JVA Landsberg. Nun kommt heraus: Ein Ex-Häftling hat Hoeneß erpresst! Am Dienstag bestätigte das Polizeipräsidium Oberbayern Süd den ungeheuren Vorfall. Sprecher Stefan Sonntag: „Der Täter ist ein 50 Jahre alter, polizeibekannter Mann aus Fürstenried.“ Er heißt Thomas S. (50).

Der Obersendlinger hatte einen Drohbrief an Hoeneß geschickt, in dem er ihm und dessen Familie Gewalt androht. In dem Schreiben, das Samstag bei Hoeneß in Bad Wiessee eintraf, heißt es auch: Der Ex-Bayern-Präsident werde keine angenehme Zeit im Knast haben! S. drohte mit seinen Insiderkontakten in den Knast – und forderte 200.000 Euro Schutzgeld.

Die Polizei nahm die Drohung ernst und vereinbarte eine Geldübergabe am Samstagabend. An der Bushaltestelle Leutstettenerstraße in Obersendling wollte S. das Geld abholen – deponiert in einem Mülleimer. Von dort wohnt S. rund einen Kilometer entfernt. Nachbarn nennen ihn „den Knacki“, er saß schon mehrfach ein. Und bald wieder! Denn die Einsatzkräfte konnten den Erpresser vor Ort festnehmen, obwohl er noch mit dem Radl fliehen wollte. Aber S. stürzte und verletzte sich schwer an der Schulter. Mittlerweile hat er im Krankenhaus gestanden.

Davon bekam Uli Hoeneß nichts mit – sein Samstag war streng durchgeplant. Wir erklären Hoeneß’ dramatischen Tag zwischen Freud und Leid!

Steuer-Affäre Hoeneß - eine Chronologie

Steuer-Affäre Hoeneß - eine Chronologie

10.00 Uhr

Der vergangene Samstag ist eigentlich ein Jubeltag für Uli Hoeneß (62), denn sein FC Bayern reckt zum 24. Mal die Meisterschale gen Himmel. Aber der Tag beginnt mit einem Schock: Im Briefkasten findet Hoeneß am Morgen das Erpresserschreiben von Thomas S. (50), der auch dessen Familie Gewalt androht. Hoeneß berät sich kurz, zögert aber nicht lange und übergibt den mehrseitigen Brief der Polizei Bad Wiessee. „Die Drohungen hatten schon Hand und Fuß“, sagt ein Sprecher. „Darum haben wir sie auch so ernst genommen.“ Am Vormittag fährt Hoeneß nach München.

13.00 Uhr

In seiner Wohnung in der Allescherstraße schmiedet Erpresser Thomas S. (50) Pläne für die Geldübergabe am Abend. Er fordert 200 000 Euro Schutzgeld von Hoeneß! Mit seiner Lebensgefährtin Christine teilt S. einen Haushalt, vor dem Mehrfamilienhaus steht ihr schwarzer Golf mit abgelaufenem TÜV. Die Nachbarn kennen S. nur flüchtig – wissen aber, dass er bis zum Tod seiner Mutter vor ein paar Jahren mit in ihrer Wohnung drei Häuser weiter lebte. Und: Sie erinnern sich, dass er oft länger verschwunden war. Da saß er im Knast!

15.30 Uhr

Während die Polizei die fingierte Geldübergabe am Abend vorbereitet, sitzt Uli Hoeneß in der Allianz Arena und verfolgt das Meisterspiel seiner Bayern gegen den VfB Stuttgart. Links neben ihm sitzt Herbert Hainer, der Hoeneß Mitte März als Chef des Aufsichtsrat der FC Bayern AG beerbt hat. Hinter Hoeneß schaut sich der verletzte ­Superstar Franck Ribéry das Spiel an, das Stürmer Claudio Pizarro erst in der 90. Minute entscheidet. Danach bricht der rot-weiße Jubelsturm los. Aber ohne Hoeneß, der ­weiterfährt zum Audi Dome.

19.30 Uhr

Am Abend schaut sich Hoeneß neben Fuhrparkchef Bozo Kovacevic das Spiel seiner FC Bayern Baskets gegen Ludwigsburg an (Ergebnis: 101:57). Er trägt noch immer sein weißes Hemd. Am Handy checkt er Ergebnisse und schaut sich wohl auch die Bilder vom Auto­korso und der Meisterfeier am Marienplatz an. Zum ersten Mal wird Hoeneß nicht persönlich dabei sein! Es sind jetzt nur noch wenige ­Minuten bis zur geplanten Geldübergabe mit dem Knast-Erpresser. Aus Sicherheitsgründen hält die Polizei Hoeneß aus dem Manöver raus.

20.45 Uhr

Die entscheidenden Minuten in Obersendling: In der Dämmerung fährt Hoeneß’ Wagen heran (am Steuer sitzt ein ziviler Polizist) und wirft ein Packerl in die blaue Mülltonne an der Bushaltestelle Leutstettener Straße – beobachtet von Täter Thomas S. Als er sich das fingierte Geld holen will, greifen die Beamten zu! S. versucht, mit dem Radl zu fliehen, stürzt aber schwer. Die Polizei nimmt den mehrfachen Straftäter nahe der Aidenbachstraße fest. Wegen seiner Schulterverletzung muss er in die Klinik.

23.30 Uhr

Der FC Bayern feiert bis nachts seinen Meistertitel im Postpalast – Hoeneß ist mit dabei und wirkt gelöst. Auch am kommenden Samstag wird er wohl in Berlin beim DFB-Pokalfinale zuschauen. Danach muss er seine Haft antreten. Ob in Landsberg oder Landshut, ist noch nicht klar!

Andreas Thieme

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