Ex-Münchner hat ehrgeiziges Ziel

Gegen Bayern: Dante hofft im DFB-Pokal auf einen Neustart

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Begegnungen mit dem FC Bayern können wehtun: Dante verlor mit dem VfL Wolfsburg in der Liga 1:5 bei den Roten.

München - Ex-Bayern-Verteidiger Dante sah sich Ende September dem Sturm seiner ehemaligen Kollegen ausgesetzt und ging mit dem VfL mit 1:5 unter. Das soll sich im DFB-Pokal ändern.

Etwas Blut ist geflossen in der Woche von Dante, beim Sieg seines VfL Wolfsburg gegen Eindhoven hat sich der Ex-Bayer einen Cut am Auge zugezogen. Aber sonst? Alles gut. Stammspieler beim neuen Klub, drei Siege binnen einer Woche, ein Spitzenspiel im Pokal gegen den Meister vor der Brust. Beste Voraussetzungen für ein nettes Gespräch also. Aber es kam anders.

Drei Minuten und 14 Sekunden sind geredet, als Dante im Telefonat mit unserer Zeitung den Hörer auflegt, ganz plötzlich. Interview beendet. Es ist nicht das erste Mal, dass der Brasilianer so reagiert, wenn Fragen gestellt werden, die ihm nicht passen. Der Mann, den viele nur als Sonnenschein kennen, kann auch anders. Und hat vor allem eineinhalb Jahre hinter sich, die ihn dünnhäutig haben werden lassen.

Das 1:7 mit Brasilien gegen Deutschland: Tabuthema. Das 1:5 bei seiner Rückkehr mit Wolfsburg nach München: Anscheinend auch. „Wir denken nicht mehr daran, das darf uns nicht beeinflussen“, hatte er zu Beginn des Telefonats gesagt. Weitere Nachfragen waren unerwünscht. Weil die Wunden doch noch nicht geheilt sind.

Elber: Dante zählt zu den Schuldigen

„Das 1:7 gegen Deutschland werden die Fans in Brasilien nie vergessen, nie mehr. Und leider suchen die Leute in solchen Fällen immer einen Schuldigen, da ist Dante dabei“, sagte Giovane Elber gegenüber unserer Zeitung. Die Bilder aus Belo Horizonte sind schnell wieder vor Augen, wenn man den ehemaligen Bayern-Stürmer sprechen hört. Ein untröstlicher Dante in den Armen seiner Kollegen aus München, dazu Tränen der Wut und Enttäuschung.

Dieser Tag hat Dante die Bodenhaftung genommen, er stand in München in den ersten Monaten der vergangenen Saison lange neben sich. Seine Mannschaftskollegen zählte er öffentlich an, verbot ihnen Witze über diese Niederlage, die sein Leben auf den Kopf gestellt hatte. Ein so wichtiger Bestandteil wie zuvor, als er als Stammspieler mit Bayern das Triple gewann, wurde er nicht mehr. Der Schritt nach Wolfsburg war daher logisch, „er wollte wieder Spaß am Fußball haben, das war bei Bayern nicht mehr der Fall. Es war eine gute Entscheidung“, sagt Elber, der sich auch sicher ist: „Dante wird wieder der Alte.“

Die Voraussetzungen in Wolfsburg stimmen. Dante ist in der Innenverteidigung neben Naldo gesetzt, gemeinsam mit Luiz Gustavo bilden die beiden das brasilianische Defensiv-Dreieck. Und trotzdem wirkt der Mann, der Musik in der Kabine nach Siegen gerne so laut aufdreht, dass kaum einer mehr sein eigenes Wort versteht, in Momenten des Misserfolges auch in der neuen Umgebung nicht immer souverän. Als er am späten Abend des 22. September die Katakomben der Allianz Arena mit seinem Waschbeutel unter dem Arm verließ und um ein kurzes Statement gebeten wurde, winkte er sofort ab. Das haben viele andere auch getan. Sie haben sich aber in der Folge nicht ganz verschlossen.

Zu einem Sportlerleben gehören Siege und Niederlagen. Knappe genauso wie deutliche.

Dante will "die Bayern ärgern"

Dass Dante genervt ist vom Dauerthema um seine Person, ist verständlich. Andererseits: Er selbst hat im letzten Jahr kaum eine Gelegenheit ausgelassen, sein Leid zu klagen. Lange hat es gedauert, ehe er davon gesprochen hat, die Niederlage verdaut zu haben. Das 1:5 in München hat nun wieder Erinnerungen an den Schmerz von damals aufleben lassen.

Den Mut hat sie Dante aber nicht genommen. „Die Bayern ärgern“ will er, dazu „die Titelverteidigung im Pokal im Auge behalten. Denn das ist unser Ziel, obwohl wir dieses schwere Los bekommen haben“. Die Favoritenrolle sei klar verteilt („Bayern steht über allen“), aber ein Pokal- eben kein Bundesligaspiel: „Es kann immer alles passieren. Und wir wollen es unbedingt.“ Dante spricht häufig in Wir-Form, er fühlt sich voll zugehörig zu seinem neuen Klub. Dass er den Bayern in nur einem Spiel bereits die Chance auf das Triple nehmen kann, interessiert ihn daher nicht mehr so richtig: „Ich gehöre nicht mehr dazu.“

32 Jahre ist Dante nun alt. Und auch wenn seine Zeit in der Selecao laut Elber vorbei ist und er „in Brasilien niemandem mehr zeigen kann, dass er gar nicht so schlecht ist“, hat er sich zum Ziel gesetzt, das wenigstens in der Bundesliga zu tun. Elber hat seinem Landsmann gleich nach dem Transfer zu seiner Entscheidung gratuliert und sagt: „Er selbst war auch sehr glücklich über diesen Schritt.“ Die anfängliche Wut auf die Bayern-Bosse, die seinen Vertrag nicht vorzeitig verlängern wollten, hat sich gelegt. „Mein Ziel ist es, mich voll auf Wolfsburg zu konzentrieren – und deshalb jetzt dieses Spiel zu gewinnen“, sagt Dante.

Elber meint, Wolfsburg sei ein Verein mit Potenzial. Und auch Dante will niemand sein Können absprechen. Es könnte passen, wenn man den Dämpfer zum Start wirklich vergessen kann. Und zusammenhält. Gemeinsam feiert, gemeinsam trauert – und gemeinsam wieder aufsteht.

Der Neustart-Knopf sollte gedrückt werden. Jetzt.

Von Hanna Schmalenbach und Andreas Werner

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