Meister-Trainer über die Verdienste von Pep

Hitzfeld im tz-Interview: "Guardiola hat jeden Spieler besser gemacht"

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Ottmar Hitzfeld lobt den Noch-Bayern-Trainer Pep Guardiola.

München - Ottmar Hitzfeld trainierte den FC Bayern insgesamt sechs Jahre. Mit der tz sprach der Coach über das Trainingslager in Katar, Pep Guardiola und was vom Spanier bleiben wird.

Ottmar Hitzfeld trainierte den FC Bayern insgesamt sechs Jahre. Mit der tz sprach der Coach über das Trainingslager in Katar, Pep Guardiola und was vom Spanier bleiben wird.

Herr Hitzfeld, das Trainingslager des FC Bayern in Katar hat begonnen. Wie wird die Stimmung innerhalb der Mannschaft sein, nachdem feststeht, dass Pep Guardiola nicht verlängern wird?

Hitzfeld: Die Mannschaft wird das professionell verarbeiten. Jeder einzelne Spieler konzentriert sich auf sich selbst und die Mannschaft will ja auch Erfolg haben. Klar, die Mannschaft hat das registriert und vor allem die Stammspieler bedauern Guardiolas Entscheidung, aber die anderen Spieler, die nicht so zum Zug gekommen sind, freuen sich jetzt auf einen neuen Trainer. Es gleicht sich also irgendwo aus.

Meinen Sie nicht, dass vor allem der Kern an Spielern, die ihm zum Bleiben bewegen wollten, nun besonders enttäuscht sein durfte?

Hitzfeld: Ich bin überzeugt, dass die Professionalität überwiegt und alle nun versuchen werden, Guardiola den bestmöglichen Abschied zu schenken.

Hat es Sie überrascht, dass der Spanier nicht verlängert?

Hitzfeld: Ich hatte die Interviews natürlich auch intensiv verfolgt und mir dann schon gedacht, dass der Abschied naht. Er hatte ja schon einmal gesagt, dass drei Jahre das Optimum sind und er ein Jahr zu lange bei Barcelona geblieben sei, wo er ja vier Jahre war. Und auch als Karl-Heinz Rummenigge gesagt hat, dass die Welt nicht untergeht, wenn er geht, hat sich sein Abschied angedeutet. Man konnte also schon damit rechnen.

Diese Dreijahresfrist scheint er tatsächlich sehr ernsthaft einzuhalten.

Hitzfeld: Er hat klare Vorstellungen, dennoch glaube ich nicht, dass man von Beginn an sagen kann: Ich bleibe nur drei Jahre. So etwas ent­wickelt sich. Jeder Trainer hat natürlich auch eine Riesen-Belastung und der Druck, den Guardiola aushalten muss, ist auch enorm. Von daher bin ich schon der Meinung, dass er die richtige Entscheidung getroffen hat.

Genauso wie die Bayern, was Peps Nachfolger Carlo Ancelotti angeht, oder?

Hitzfeld: Es ist die optimale Lösung. Gerade wenn man zu einem Spitzen-Klub geht mit Spielern, die schon einiges erreicht haben, ist es wichtig, dass auch der Trainer Erfolge nachweisen kann. Man braucht jemanden mit großer Reputation, was Carlo Ancelotti zweifelsohne ist. Er ist eine hervorragende Wahl.

Ähnlich wie Guardiola kündigten auch Sie im Januar 2008 vorzeitig Ihren Abschied vom FCB an. Wie haben Sie das halbe Jahr danach bis zum Double in Erinnerung behalten?

Hitzfeld: Ich wusste ja damals, als ich meinen Abschied bekannt gab, dass ich mich unter Druck setze und dass die Ergebnisse stimmen müssen. Denn es war ja klar, dass es gleich Kritik geben würde, wenn die Ergebnisse in der Rückrunde nicht gleich stimmen. Daher war ich noch motivierter und habe mich noch akribischer vorbereitet, damit ich mich auch mit einem Erfolg verabschieden kann.

Entscheidet nun auch das letzte halbe Jahr ­Guardiolas über das Bild, das er hier hinterlässt?

Hitzfeld: Der letzte Eindruck bleibt immer haften, aber Guardiola wird sich ja auch erfolgreich verabschieden. Nach der Dortmunder Niederlage am letzten Vorrundenspieltag wird sich der FC Bayern die Meisterschaft nicht mehr nehmen lassen, im Pokal wird man sehen und dann bleibt natürlich auch das in Erinnerung, was in der Champions League passiert. Aber unabhängig davon: Guardiola hat hier im Fußballerischen sehr viel bewegt und hinterlassen. Ich möchte sogar sagen: Er hat jeden Spieler besser gemacht.

Ist nicht die Champions League der Pokal, an dem sich ein Trainer wie Pep Guardiola messen lassen muss?

Hitzfeld: Nicht unbedingt. Wenn man die Champions League gewinnen will, muss man auch das Quäntchen Glück haben. Losglück, Spielweise, Verletzungen, Tagesform – da spielt vieles mit. Am Ende bleibt immer der letzte Eindruck haften, dennoch kann man nicht erwarten, dass er die Champions League gewinnen muss.

Also wäre er auch nicht gescheitert, wenn er den Henkelpott nicht gewinnt?

Hitzfeld: Nein. Er ist einer der erfolgreichsten Trainer und zudem ein weiterer Baumeister des Bayern-Erfolgs in den letzten Jahren. Die Dominanz, die Bayern ausstrahlt, mit so vielen Punkten Vorsprung unangefochten Meister zu werden – das ist eine großartige Leistung und wird aus meiner Sicht zu wenig honoriert. Das ist nicht selbstverständlich, vor allem, dass die Mannschaft trotz der vielen Verletzten so funktioniert. Das ist sein Verdienst.

Und trotzdem sind im Gedächtnis der Fans vor allem die beiden Niederlagen im CL-Halbfinale gegen Real Madrid und Barcelona geblieben.

Hitzfeld: Das spricht für das Anspruchsdenken, das man beim FC Bayern mittlerweile hat. Eigentlich ist das auch ein Kompliment, dass man ein Spitzenteam hat und mit den ganz Großen mithalten kann. Dort entscheidet dann aber wie gesagt das Quäntchen Glück und die Tagesform, dafür sind es ab einem gewissen Punkt einfach zu enge Spiele.

Wie fällt Ihr Fazit von Guardiolas bisheriger Amtszeit aus?

Hitzfeld: Er hat ja ein schweres Erbe angenommen. Wenn man einen Triple-Gewinner übernimmt, ist das ja fast schon eine undankbare Aufgabe. Man wird immer am letzten Erfolg gemessen, die Motivation kann abfallen, also da braucht es schon einen ungemeinen Aufwand vom neuen Trainer. Guardiola hat die Bayern aber dennoch geprägt, er hat die Spielweise verändert, die Barça-Philosophie um Ballbesitz, Pressing und Dominanz eingeführt und den Verein somit weiterentwickelt. Das ist ein Verdienst, das bleibt bestehen.

Im Nachhinein bezeichnete Jupp Heynckes das Trainingslager in Katar als den Grundstein für das spätere Triple. Sehen Sie nun dieselben Möglichkeiten?

Hitzfeld: Die Parallelen sind vorhanden. Man muss nur das Glück haben, dass zum richtigen Zeitpunkt auch die richtigen Spieler fit sind, um dann auch Großes zu erreichen. Die Weichen werden immer schon in der Vorbereitung gestellt, überbewerten darf man sie aber auch nicht, denn letzten Endes kommt es auf die tägliche Arbeit in der Rückrunde an. Es ist noch ein sehr weiter Weg.

Interview: José Carlos Menzel López

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