Was Hoeneß erwartet

Ex-Knacki: "Freigang ist wie das Paradies"

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Uli Hoeneß bei seiner Ankunft an der JVA Rothenfeld nach seinem Arbeitstag am vergangenen Freitag.

Andechs - Uli Hoeneß arbeitet ab sofort tagsüber wieder beim FC Bayern, nachts schläft er in der JVA Rothenfeld bei Andechs. Dort saß auch Peter S. (42) 18 Monate lang ein – der tz erzählt der Ex-Knacki vom Alltag im Freigängerhaus.

Es ist der erste Schritt zurück in Richtung Freiheit: Wer Freigänger wird, darf aus dem Knast ausziehen und draußen arbeiten. Die Nächte und seine Freizeit wird Uli Hoeneß im Freigängerhaus Rothenfeld verbringen. Was ihn dort erwartet, hat Peter S. (42, Name geändert) bereits erlebt. „Ich lebte 18 Monate lang dort, bis Juli 2012. Man fühlt sich nicht mehr wie im Knast. Im Vergleich ist es wie das Paradies. Mental ging es mir viel besser.“

Zu drei Jahren und drei Monaten wird Peter S. verknackt, weil er mit Drogen handelte. „Der Fehler meines Lebens“, sagt er. Im Knast krempelt er sein Leben um. Zuerst sitzt er in Stadelheim, dann in Landsberg. „Ich wurde nach Rothenfeld verlegt und durfte dort eine Lehre zum Zerspannungsmechaniker machen. Von allen, die ich kannte, war ich am längsten im Freigängerhaus.“

Meist sitzt er mit einem anderen, teilweise sogar mit vier Häftlingen zusammen. „Dass man eine Einzelzelle bekommt, ist selten. Es gab wenig Privatsphäre, wenn man von der Arbeit kam. Die Stimmung ist gereizt.“ Doch die Haftsituation ist viel angenehmer: „Es gibt normale Fenster und nicht mehr diese Löcher. Davor sind auch Gitter, aber die Zimmer geräumiger. Es fühlt sich nicht mehr an wie eine Zelle.“

Im Gegensatz zum Knast stehen die Türen offen, „nur der Vorraum zum Gang wird abgesperrt“. Die Wohnsitution vergleicht Peter S. mit der in Mietshäusern: „Man kann zu seinem Nachbarn gehen, nur nicht vor die Tür.“

Dadurch sei auch mehr Kontakt zu anderen Häftlingen möglich. „Zu meiner Zeit war jede Zelle belegt. Man kocht, macht Sport und schaut zusammen fern. Hoeneß wird sich nicht abschotten können.“

Dem Ex-Bayern-Boss macht Peter S. aber Hoffnung: „Außer schlafen wird er mit Gefängnis nicht mehr viel zu tun haben.“ Zunächst werde er – wie alle neuen Häftlinge – im Haupthaus untergebracht. „Dort gibt es viele Gespräche mit den Beamten. Sie wollen herausfinden, ob man sich geändert hat und vertrauenswürdig ist.“ Später ist die Verlegung ins Freigängerhaus möglich.

Dort werden die Insassen um 6.15 Uhr mit einem Signalton geweckt – aber nur, damit sie aufstehen, um zur Arbeit zu gehen. „Wer in der Landwirtschaft eingesetzt ist, verbringt den ganzen Tag draußen.“

Hoeneß dagegen arbeitet im FCB-Büro. Dort darf er Handy und Computer benutzen, abends muss er seine Wertsachen aber wieder abgeben. „Jeder Häftling hat ein Fach, wo alle Wertsachen wie Handy oder Feuerzeug eingeschlossen werden.“ Uhr und Ehering darf Hoeneß aber tragen. „Es wird nicht mehr so penibel darauf geschaut.“ Auch eine Schreibmaschine im Haftraum ist erlaubt. Damit könnte Hoeneß Briefe oder sogar ein Buch schreiben. Bis zum Zapfenstreich um 21.30 Uhr haben die Häftlinge Freizeit.

Nur fünf Beamte sind auf dem JVA-Gelände, „einige wohnen nebenan“, sagt Peter S. Im Freigängerhaus bewegen sie sich kaum. „Wer ausbrechen wollte, muss nur den Türöffner drücken.“ Aber daran denkt niemand: „Denn als Freigänger hast du es eigentlich schon geschafft.“

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...und so war’s vor 25 Jahren in Rothenfeld

„Wenn man in den offenen Vollzug wechseln kann, ist das eine riesige Erleichterung. Als Freigänger hatte ich sogar ein eigenes Auto“, sagt Ex-Knacki Uwe Woitzig (62). Er saß wegen Millionenbetrugs bis 1990 ein. „Rothenfeld war ein Paradies. Viele würden sich wünschen, dort zu wohnen“, sagt er. „Denn es ist einer der wenigen Plätze auf der Welt, wo fast vollkommene Stille herrscht. Vögel singen, man sieht den Wald. Für Häftlinge gab es einen Tennisplatz und einen Park zum Spazieren. Nach der Arbeit habe ich eingekauft, abends gekocht und Schach gespielt.“ Seine Haftzeit hat Woitzig im Buch Hofgang im Handstand verarbeitet.

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