Trotz neuen Umsatzrekordes

Experte: "Man darf den FC Bayern nicht zu sehr feiern"

+
Heute bitten die Bayern wieder zur JHV in den Audi Dome.

München - Florian Oediger ist Abteilungsleiter beim Sportbusiness-Magazin SPONSORs. Die tz sprach mit ihm über den unglaublichen Rekordumsatz des FC Bayern. Das Ende der Fahnenstange ist offenbar noch lange nicht erreicht.

Florian Oediger.

Unglaubliche 528 Millionen Euro hat der FC Bayern in der vergangenen Saison umgesetzt. National ist der FCB damit einsame Spitze, international muss er sich weiter hinter Real und dem FC Barcelona anstellen. Wie lange noch, darüber sprach die tz vor der Jahreshauptversammlung (Freitag, 19 Uhr, Audi Dome) mit Florian Oediger, Abteilungsleiter beim Sportbusiness-Magazin SPONSORs.

Herr Oediger, der FCB hat die 500-Millionen-Marke geknackt. Ein Meilenstein oder nur eine logische Entwicklung?

Oediger: Es ist immer schön, eine solche Schallmauer zu durchbrechen. Aber es ist natürlich auch eine konsequente Weiterentwicklung, die zu erwarten war, wenn man die kontinuierlich steigenden Einnahmen des FC Bayern in den vergangenen Jahren betrachtet. Wenn man sieht, wie intensiv in München inzwischen jedes Feld beackert wird, das Einfluss auf den Umsatz hat, verwundert das neue Rekordergebnis nicht. Der FC Bayern boomt weiter und das macht sich der Klub zunutze.

Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht, gibt es da überhaupt eine Grenze nach oben?

Oediger: Die gibt es mit Sicherheit. Dazu muss man sich nur die einzelnen Erlössäulen genauer angucken. Die Allianz Arena ist über Jahre hinweg bei jedem Heimspiel ausverkauft. Auch wenn in der Bundesliga im europäischen Vergleich noch moderate Eintrittspreise aufgerufen werden, wird der FCB im Sinne der Fans hier in Zukunft sicher nicht groß an der Preisschraube drehen. Im Bereich der zentral vermarkteten Medienrechte ist hingegen mit weiterem Wachstum zu rechnen. Die Bundesliga wächst zur globalen Marke: Die Münchner können ihren Teil zu höheren Einnahmen für die ganze Liga beitragen, indem sie internationale Märkte erschließen. Damit einher gehen in der globalen Betrachtung zusätzliche Erlöschancen im Sponsoring und Merchandising. National sind sie da schon sehr gut aufgestellt, international besteht sicher noch Nachholbedarf.

Jahreshauptversammlung Bayern: hier im Live-Ticker

Mit dem Büro in New York hat man ja schon mal einen Grundstein gelegt.

Oediger: Ja, aber da darf man auch nicht zu euphorisch sein. Während der FC Bayern in New York ein Büro eröffnet, hat zum Beispiel Manchester City bereits einen eigenen Klub in der Stadt und sich für 100 Millionen Dollar in die MLS (die amerikanische Profiliga, Anm. d. Red.) eingekauft. Arsenal London hat in den USA ein Fannetzwerk mit rund 50 Zweigstellen und Real Madrid war schon 16 Mal mit Gastauftritten im Land. Da darf man den FC Bayern auch nicht zu sehr feiern für diesen trotzdem sehr wichtigen Schritt. Aber der Club ist auf dem richtigen Weg.

Kann der FCB den Rückstand im Bereich Auslandsvermarktung aufholen?

Oediger: Wenn auch langfristig selbst der letztplatzierte Klub der Premier League noch mehr als doppelt so viele TV-Gelder bekommt wie der FC Bayern, wird das ein schwieriges Unterfangen. Gerade bei der Auslandsvermarktung spielen zudem die absoluten Superstars wie Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo eine gewichtige Rolle. Aber die Lücke wird kleiner: Die Bayern-Stars sind auch dank des deutschen WM-Sieges inzwischen weltweite Stars. Durch seine großen sportlichen Erfolge ist der FC Bayern zudem auf dem amerikanischen und asiatischen Markt inzwischen viel bekannter geworden. Aus Merchandisingsicht bleibt die Tatsache, dass das Trikot von Ronaldo weltweit zuletzt noch mehr verkauft wurde als von der gesamten Bayern-Mannschaft zusammen.

Eine so hohe Eigenkapitalquote von über 70 Prozent wie der FCB kann aber trotzdem kein internationaler Top-Klub aufweisen.

Oediger: Den meisten Vereinen reicht schon eine schwarze Null, die wollen alleine den sportlichen Gewinn maximieren, nicht den finanziellen – was sicher nicht verwerflich ist. Die Bayern haben es wie kein anderer geschafft, beides miteinander zu verbinden. Deshalb verfügen sie über hohe Liquiditätsreserven und das berühmte Festgeldkonto.

Wie ist die EK-Quote aus wirtschaftlicher Sicht zu beurteilen?

Oediger: Auch wenn Vergleiche mit reinen Wirtschaftsunternehmen schwierig sind, weil bei einem Sportklub immer Pokale und Meisterschaften das Ziel sind, ist das eine beeindruckende Quote. Einen Wert von über 70 Prozent kann meines Wissens kein anderer Klub auf der Welt vorweisen. Das Eigenkapital dürfte inzwischen jenseits der 300 Millionen Euro liegen. Das ist für einen Fußballklub einmalig.

Interview: Sven Westerschulze

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Neuer Versuch: Zidane will Alaba zu Real locken
Neuer Versuch: Zidane will Alaba zu Real locken
Goretzka: Angeblich gibt es eine Tendenz
Goretzka: Angeblich gibt es eine Tendenz
Rummenigge: Nur so locken wir absolute Topstars zum FC Bayern
Rummenigge: Nur so locken wir absolute Topstars zum FC Bayern
Comeback-Pläne: Ribéry gibt Versprechen ab
Comeback-Pläne: Ribéry gibt Versprechen ab

Kommentare