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Experte kritisiert Bayern-Stars: „Das hat im Profi-Fußball nichts zu suchen“

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Bayer Leverkusen - Bayern München
Wie Arturo Vidal hat sich auch FCB-Profi Jerome Boateng in der letzten Woche neue Tattoos stechen lassen. © dpa

Jerome Boateng und Arturo Vidal - Viele Starkicker des FC Bayern teilen eine gefährliche Leidenschaft. Doch das könnte Auswirkungen auf ihre Gesundheit haben. Ein Sportwissenschaftler spricht Tacheles.

Der Boss hat’s gemacht, der Krieger auch. Die FCB-Profis Jerome Boateng und Arturo Vidal, der möglicherweise vor seiner letzten Saison beim FCB steht, haben sich in der letzten Woche neue Tattoos stechen lassen. Mitten in der Saison? Mitten in der Saison! Das hält Prof. Dr. Ingo Froböse, Sportwissenschaftler und Gesundheitsexperte an der Sporthochschule Köln, für äußerst bedenklich. Er sagt: „Die Spieler tun immer so, als seien sie die allerbesten Profis - und dann machen sie so etwas. Sie nehmen eine Leistungseinbuße, eine Immunreaktion in Kauf. Das ist unprofessionelles Verhalten und hat im Profi-Fußball nichts zu suchen, vor allem bei der guten Bezahlung.“ Das Verhalten der FCB-Stars wirft Fragen auf: Brauchen die Spieler die Genehmigung des Klubs, um sich unter die Tattoo-Nadel zu legen? Gibt es eine Regelung, wann sie sich tätowieren lassen dürfen? Diese Fragen bleiben ungeklärt. Der FC Bayern teilt auf Anfrage der tz mit: Kein Kommentar! 

Vermutlich gibt es keine Stellungnahme, weil das Privatsache der Profis ist. Tattoos sind beim FCB weit verbreitet, elf Profis haben eins - oder mehrere. Boateng fährt für ein neues Kunstwerk im Nacken mal eben nach Berlin, Vidal lässt einen Fachmann aus Valencia einfliegen, und Nachwuchsmann Niklas Dorsch besucht das Münchner Tattoo-Studio seines Vertrauens. Froböse: „Ich hoffe, dass sie die teuerste und beste Tinte nehmen. Die ist einigermaßen giftstofffrei - zu 100 Prozent geht das nicht. Bei den schwarzen Schafen hat man ein echtes Problem, dann können richtige Giftstoffe wie Blei in den Körper kommen.“ Eine gefährliche Leidenschaft! Vidal postete gestern ein Bild mit Infusionsnadel in der Hand. Eine Tattoo-Infektion? Dieses Mal gab’s Entwarnung: Nur Magen-Darm-Probleme. 

Tattoos? „Die Vereine knicken ein“

Dieser Mann sorgte für einen Knalleffekt! Im August 2017 packte Prof. Dr. Ingo Froböse das sensible Thema Tattoos bei Fußball-Profis an. Der Sportwissenschaftler und Gesundheitsexperte von der SpoHo Köln erklärt im Interview, was die Leidenschaft so gefährlich macht und welche Rolle die Vereine spielen. 

Herr Froböse, wieso sind Tattoos gefährlich? 

Froböse: Die Haut ist ein Organ des menschlichen Körpers - und keine Lkw-Plane, die ich zutapezieren kann. Ein Großteil der Tinte, die in den Körper getragen wird, bleibt nicht an Ort und Stelle, sondern schwimmt im Körper herum. Damit hat der Körper einen erhöhten Giftstoff in sich und muss diesen entsorgen - das ist wie bei Alkohol. Es gibt eine innere Entzündung. 

Welche Rolle spielen die Lymphknoten dabei? 

Froböse: Die Lymphknoten sind die wichtigsten Entgiftungsorgane neben  Leber und Niere. Sie werden grün, blau, schwarz - je nach Farbe des Tattoos. Damit können die Lymphknoten ihre Funktion langfristig nicht mehr erfüllen, weil sie vergiftet werden. Zudem zerstöre ich Schweißdrüsen, die in der Haut liegen. Wenn großflächig tätowiert wird, wie bei Vidal und Boateng geschehen, dann haben die Spieler nicht mehr die Möglichkeit, entsprechend viel Schweiß zu bilden und den Körper abzukühlen. 

Wie Arturo Vidal hat sich auch FCB-Profi Jerome Boateng in der letzten Woche neue Tattoos stechen lassen. Mitten in der Saison? Mitten in der Saison!
Wie Arturo Vidal hat sich auch FCB-Profi Jerome Boateng in der letzten Woche neue Tattoos stechen lassen. Mitten in der Saison? Mitten in der Saison! © MIS

Ist ein neues Tattoo gerade während der Saison gefährlich? 

Froböse: Ja, in der laufenden Saison können sich Entzündungen ergeben. Die Entzündungsgefahr und damit das Risiko, dass ich nicht spielen kann und darf, ist sehr hoch. Ich verstehe nicht, warum Jupp Heynckes das überhaupt zulässt. 

Es scheint den Spielern selbst überlassen zu sein... 

Froböse: Der Spieler muss seine Leistung bringen. Da hat er verdammt alles zu tun, um die Leistung nicht in Frage zu stellen. Die Spieler bekommen z.B. verboten, Ski zu fahren oder Risiko-Sportarten zu machen. Aber eine Tätowierung lässt man zu? Das ist absurd! 

Sie haben Ihre Bedenken im August geäußert. Wie waren die Reaktionen? 

Froböse: Ich habe einen Großangriff der Tattoo-Industrie bekommen. Aber mittlerweile ist es so, dass ich Rückmeldungen - insbesondere von Mannschaftsärzten einiger Klubs - bekommen habe, die sagen: Ja, das ist wirklich so. Da müssen die Vereine Regeln treffen. 

Gab es Antworten von Bundesliga-Klubs? 

Froböse: Ich hätte mir gewünscht, dass die Klubs reagieren. Ich bin erschrocken darüber, dass Vidal mit neuen Tattoos rumläuft. Die stellen sich als die Größten dar, aber sie geben klein bei. Sie knicken quasi vor den Spielern ein. 

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Interview: Jonas Austermann 

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