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Experten rätseln über Ancelottis Aufstellung: „Warum macht Carlo das?“

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Prominente Ersatzbank: Kingsley Coman, Arjen Robben, Franck Ribery und Rafinha (v.l.).
Prominente Ersatzbank: Kingsley Coman, Arjen Robben, Franck Ribery und Rafinha (v.l.). © MIS

Hat sich Carlo Ancelotti mit seiner Aufstellung beim Spiel gegen Paris Saint-Germain verzockt? Es scheint so, der Trainer des FC Bayern sorgte für Verwunderung bei den Experten.

„Bon courage!“ – „Viel Glück, viel Erfolg“, steht für die französische Redewendung im Wörterbuch. Und: „Nur Mut!“ Courage, also sehr, sehr viel Mut, zeigte Carlo Ancelotti gestern Abend in Paris. Der Trainer setzte Franck Ribéry, Arjen Robben und Mats Hummels auf die Bank, Jerome Boateng schickte er auf die Tribüne. „Das ist überraschend“, staunte Sky-Experte Lothar Matthäus angesichts dieser Maßnahmen. „Denn auch Rafinha ist raus, und der hat bis jetzt immer durchgespielt. Der kann sich schon auch denken: Ich spiele immer, und dann sitz ich draußen, wenn es wichtig wird. Dann Robben und Ribéry – das Gleiche. Mut ist gut, das ist alles in Ordnung. Aber es kann auch schiefgehen, es gibt immer auch die andere Seite der Medaille.“ Sichtbar war sie dummerweise schon nach 86 Sekunden: Querpass Neymar, Tor Alves, der ganze Defensiv-Plan, die Mitte dicht zu machen, beim Teufel.

Wie Matthäus waren alle anderen Experten von den Socken, denn Ancelotti ging mit seiner Aufstellung volles Risiko. Auch Bixente Lizarazu rieb sich beim Blick auf die Startelf die Augen. „Ich bin schon ein bisschen überrascht. Wegen Franck – das ist doch ein wichtiges Spiel für ihn in Frankreich in Paris! Ich weiß nicht warum er das macht“, rätselte der Ex-Bayer. Einfache Antwort des Trainers, wohlgemerkt nach dem Spiel: „Es war die richtige Aufstellung.“

Fragt sich nur, welche Optionen der Coach nun noch hat, wenn er die wichtigen, altgedienten Spieler um Robbéry, auf die für das PSG-Spiel auch Karl-Heinz Rummenigge gesetzt hatte, hinter sich bringen will. „Ganz sicher hätten die alle gerne gespielt, da gibt es schon einige Fragen“, sagte Matthäus in der Pause vorsichtig. Die Gesichter der Stars auf der Bank wurden derweil immer grimmiger, als klar wurde, dass in der Pause Rudy und Coman eingewechselt wurden. Unabhängig von deren Fähigkeiten – die Stars werden das nicht vergessen, auch wenn Ancelotti in Richtung Ribéry meinte: „Wir haben ein gutes Verhältnis.“ Robben, anders als Ribéry immerhin eingewechselt sagte nur so viel: „Ich sage dazu nichts! Wir brauchen keine Unruhe jetzt.“ Elegant und doch aussagekräftig gelöst…

Jetzt heißt es also moderieren und beruhigen, und vielleicht nimmt Carlo Ancelotti dabei die Argumetationslinie von Trainerkollege Dieter Hecking als Anreiz. Der versuchte sich so einen Reim auf die Wechselspiele zu machen: „Bayern und Paris werden sich durchsetzen in dieser Vorrundengruppe – es geht in diesem Spiel also vor allem ums Prestige. Und da kann man das als Zeichen an die Spieler sehen: Wir können auf alle setzen, alle können spielen, alle haben das Vertrauen des Trainers.“

Ob es die Topstars beruhigt, wenn die Männer aus der zweiten Reihe sich auf die Wertschätzung des Trainers verlassen können? Auch in der Defensive sind die Schwierigkeiten ja bekannt, sagte Oliver Kahn im ZDF: „Bayern hat keine Idee, keine Mechanismen, wie sie gegen den Ball spielen. Das ist eine taktische Frage. Ich kann nicht erkennen, dass das Ganze einer Idee folgt, dass einer ein Kommando gibt, und die anderen agieren dann automatisiert. Und Hummels mit all seiner Klasse ist hinten eben eine Respektsperson. Aber er hat nicht gespielt“ Auch das war couragiert von Carlo. „Bon courage“ heißt übrigens auch „Kopf hoch“. Von Kopf ab ist im Wörterbuch keine Rede…

tz

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