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Es rumort in der Südkurve! Keine Stimmung mehr?

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Von: Armin Linder

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Leidet die Stimmung in der Südkurve von den neuen Maßnahmen? © M.I.S.

München - Zur neuen Saison müssen sich die Bayern-Fans in der Südkurve mit gleich mehreren Änderungen anfreunden. Doch nicht alle können das. Gibt es bald keine Stimmung mehr in der Allianz Arena?

Natürlich gibt es auch immer wieder gute Nachrichten für die Besucher der Allianz Arena: Die Stadionkapazität wurde in der Vorsaison von 68.000 auf 71.000 Plätze aufgestockt, und der gezeigte Fußball ist traditionell vom Feinsten. Doch einmal mehr rumort es in der Südkurve.

Grund sind zum einen die neuen Drehkreuze. Sie sollen dafür sorgen, dass nur noch jene Fans in die Blöcke 112 und 11

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Drehkreuze wie diese stehen nun am Eingang zu den Blöcken 112 und 113 © M.I.S.

3 kommen, die dafür auch Tickets haben. Früher gab es hier einiges an Wildwuchs - zahlreiche Anhänger haben sich in die Blöcke der lautesten Fans geschmuggelt, um dort mit für den Rekordmeister zu trommeln. Dem schiebt Bayern nun einen Riegel vor. "Das ist legitim, dagegen kann man nichts sagen. Der Verein beruft sich eben auf die Vorgaben vom KVR und die baulichen Vorgaben", sagt zwar Wolfgang Martin, Pressebeauftragter der Organisation Club Nr. 12, der mittlerweile rund 2.300 Fans angehören. Doch für Begeisterung in der Fanszene sorgt die Maßnahme natürlich nicht.

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Ärger ruft vor allem der Datenschutzaspekt hervor. Martin erläutert: "Die Tickets sind ja eigentlich alle personalisiert. Der Verein weiß genau, wer da rein und rausgeht und zu welcher Minute den Block betritt und verlässt. Ich habe kein Problem damit, dass die Leute wissen, wann ich rein- oder rausgehe, aber es ist halt ein bisschen seltsam, dass man da ein Überwachungssystem aufbaut."

Der Fan-Sprecher zeigt sich noch recht milde, deutlicher geht die Organisation Schickeria mit dem Verein ins Gericht. Sie veröffentlichte schon vor mehreren Monaten, als die Drehkreuz-Pläne bekannt wurden, ein Statement: Darin heißt es: "Diese Drehkreuze sind Ausdruck für den Wunsch der Offiziellen, eine totale Kontrolle auszuüben. Sie haben für die Vereinsführung den netten Nebeneffekt, kritische Stimmen mundtot machen zu können und unliebsame Fans auszusperren, da der Kurvengänger durch die elektronischen Drehkreuze zum gläsernen Fan wird. Sie zerstören die Fankultur in der Südkurve. Denn Fankultur lebt von Spontanität und Freiräumen und stirbt bei totaler Kontrolle. Einer dieser essentiellen Freiräume ist die Möglichkeit sich in der Fankurve zusammenzufinden, um gemeinsam anzufeuern. Ist eine Fankurve erstmal zerstört, kann sie nicht durch von Werbeagenturen ausgelegten Klatschpappen ersetzt werden, auch wenn die Offiziellen das in letzter Zeit bis zum Erbrechen geprobt haben."

Auch Ticket-Vergabe sorgt für Kritik

Für die beiden "berühmten" Blöcke 112 und 113 gibt es ab dieser Saison 400 Tickets mehr, die von anderen Bereichen abgezogen werden. Wie die neuen Karten vergeben werden, sorgt in der Fan-Szene für Kritik. "Die Tickets werden willkürlich über den Onlineverkauf herausgegeben. Es werden nicht die erreicht, die stimmungswillig sind. Dafür kann sich jeder bewerben, der FCB-Mitglied ist, auch Touristen", so Fan-Sprecher Martin.

Er hat zwar nichts gegen Gelegenheitsbesucher in der Allianz Arena - aber diese werden in den beiden "lautesten" Blöcken eben eher ungern gesehen. "In der Südkurve sind traditionell die Fans versammelt, die für die Stimmung sorgen. Das wird man in Zukunft nicht mehr haben, weil viele Leute einfach nicht mehr reinkommen, die für Stimmung gesorgt haben. Oder Leute reinkommen, die zwar mal in der Südkurve stehen wollen und keinen Finger rühren oder nicht anfeuern."

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Der Club-Nr.-12-Pressebeauftragte befürchtet Folgen für die Arena-Atmosphäre. "Es wird wohl so sein, dass es in absehbarer Zeit keine Stimmung mehr gibt in der Arena. Es kann passieren, dass die nächsten Heimspiele so ablaufen wie in der Vorsaison die Champions-League-Heimspiele."

Auf den Dialog mit dem FC Bayern will der Club Nr. 12 eher nicht hoffen. "Wir fordern gar nichts, weil der Verein ohnehin nicht auf Forderungen unsererseits eingeht. Es hätte die Chance bestanden, dass man die 400 Tickets, die in den Verkauf gehen, an stimmungsbereite Fans verkauft."

Als Boykott-Aufruf will er das aber ausdrücklich nicht verstanden wissen. "Man muss sehen, wie es sich am 1. Spieltag entwickelt", so Martin, der auch sagt: "Wenn keine Stimmung mehr herrscht, muss sich der Verein an die eigene Nase fassen."

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