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Fan-Proteste: Die Gründe - und was Hoeneß sagt

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Die Fans zeigten ihren ­Unmut in den ­Gängen © jj

München - Hunderte Plätze in der Allianz Arena blieben am Samstag leer. Die Fans zogen durch das Stadion, brüllten "Vorstand raus". Die tz erklärt die Hintergründe - und sprach mit Uli Hoeneß und Karl Hopfner.

Anpfiff zum Spiel der Bayern gegen den HSV – die Allianz Arena ist wie immer ausverkauft. Viele der Zuschauer wundern sich: In der Südkurve hinter dem Bayern-Tor bleiben Hunderte Plätze leer. Dort, wo sonst die Fans dicht gedrängt stehen.

Ein Fan-Protest gegen die zuvor erfolglose Mannschaft? Oder gegen die Trainer-Politik der Bayern-Bosse? Nein: Vor dem HSV-Spiel hatte es vor dem Stehplatz-Block der Bayern-Südkurve verschärfte Karten-Kontrollen gegeben. „Wir hatten im Vorfeld angekündigt, dass wir mehr kontrollieren werden“, erklärte Präsident Uli Hoeneß auf Nachfrage der tz.

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Die ­Ränge blieben zum Teil leer © Fishing4

Der Hintergrund: Zuletzt hatte nicht jeder unter den Bayern-Stehplatz-Fans auch eine Karte für den Stehplatz-Block. Und das geht so: Vor den Heimspielen trafen sich stets rund 200 Stehplatz-Fans (viele Schickeria-Anhänger) vor dem Block. Dort kamen dann andere Fans, die keine Stehplatz-Karte, sondern ein Sitzplatzticket aus einem anderen Bereich hatten, hinzu. Gemeinsam stürmte man in den Block, ohne dass die Ordner eine Chance hatten, die Fans zu kontrollieren. Deswegen war der Stehplatz-Block meist nicht nur gut gefüllt, sondern sogar überbelegt.

Gegen Schalke eskalierte die Situation, weil noch mehr Fans als sonst ohne Ticket in den Block wollten. „Da muss es chaotisch gewesen sein, da müssen die das Hausrecht an sich gerissen haben. Die sind da reingestürmt, mit fremden Tickets, die hatten Plakate dabei und wollten sich nicht kontrollieren lassen. Das geht nicht! Gewisse Leute müssen einfach lernen, sich an die Ordnung zu halten“, sagte Hoeneß. Das Resultat: die verstärkten Kontrollen beim HSV-Spiel. Hoeneß: „Die sind heute kontrolliert worden und offensichtlich nicht reingelassen worden. Daraufhin haben sich 200 andere, die ein gültiges Ticket hatten, solidarisiert und sind auch nicht reingegangen.“ Deswegen die großen Lücken hinterm Tor.

So schön leuchtet die Allianz Arena

Die Geschichte geht aber noch weiter: Im Laufe der ersten Halbzeit entschlossen sich die Draußengebliebenen zu einem Zug durch die Allianz Arena. „Um den HSV-Block zu stürmen“, sagt die Polizei. „Um auf das Problem aufmerksam zu machen“, sagt die Schickeria. Direkt hinter der Haupttribüne stoppte die Polizei den Aufmarsch, es kam zu kleineren Rangeleien. „Wir sind die Fans, die ihr nicht wollt“, riefen die Anhänger, und: „Wir wollen den Vorstand sehen.“ Kurz vor Spielende rief ein Schickeria-Sprecher alle dazu auf, friedlich zu bleiben und keine Gewalt auszuüben. Dann werde es am heutigen Montag ein Treffen mit Vereinsvertretern geben. „Es stimmt, wir haben für Montag ein Treffen mit Vorstand und Schickeria ausgemacht“, bestätigt Hoeneß, der als Nicht-Vorstands-Mitglied aber nicht dabei sein wird. „Wir wollen ein Gespräch über die letzten Vorfälle führen und die Situation aufklären“, sagt Finanz-Vorstand Karl Hopfner zur tz. Die Position der Bayern-Bosse in den Gesprächen ist aber klar: Für das Verhalten der Schickeria gibt es wenig bis kein Verständnis. Hopfner: „So geht es nicht weiter.“ Hoeneß: „Ich verstehe den Vorstand, dass er sagt, das aus Sicherheitsgründen da nur Leute reinkommen, die ein Ticket haben.“

Die Heimspiele also zukünftig ohne die Schickeria? Deutlich wurde: Ohne die unermüdlichen Fans hinter dem Tor kam die Stimmung in der Arena anfangs nur schleppend in Fahrt. „Mir ist da nichts aufgefallen“, sagt Hoeneß. Am Ende jedenfalls schwappte – auch wegen des 6:0 – wieder La Ola durchs Stadion. Ob aber die Beziehung zwischen den Bayern-Bossen und ihren „Problem“-Fans noch zu kitten ist?

jj

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