Abschied von Herbert Harbich

FC-Bayern-Betreuer: Seine Anekdoten über Lahm & Co.

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Herbert Harbich empfing tz-Reporter Michael Knippenkötter daheim in seiner Wohnung.

München - Nach 35 Jahren ehrenamtlicher Arbeit für die A-Jugend des FC Bayern setzt sich Herbert Harbich zur Ruhe. Der tz hat er zum Abschied einige Anekdoten und Geschichtchen erzählt - unter anderem über Philipp Lahm.

Irgendwann wolle er noch mal ins Vereinsmuseum, das hat sich Herbert Harbich fest vorgenommen. Zu den Spielen des FC Bayern dürfte er es jetzt sowieso wieder öfter schaffen, warum also nicht auch mal den Weg ins Innere der Arena suchen? „Wird bestimmt interessant“, sagt der 73-Jährige, und es klingt, als wolle jemand ins Schwimmbad gehen, der einen Pool im Keller hat.

Bei Herbert Harbich nämlich sieht es daheim ein wenig so aus wie in einem FCB-Museum. Wimpel, Pokale, Bilder, Medaillen, eben alles, was sich in mehr als 35 Jahren so ansammelt, in denen man sich nahezu täglich für den Verein engagiert. Seit 1980 hat der kräftige Mann mit dem netten Lächeln ehrenamtlich für die A-Jugend des FC Bayern gearbeitet, zuvor schon war er Mädchen für alles in den unteren Jugendklassen von D bis B. In diesen Tagen nun ist Schluss damit, Herbert Harbich setzt sich zur Ruhe. Endlich hat er mal Zeit, gemeinsam mit der Familie über alles nachzudenken, über all die Anekdoten und Geschichtchen, die aus diesen vier Jahrzehnten geblieben sind. Auch der tz hat er ein paar davon erzählt – in seinem eigenen Museum.

Harbich lobt die Anständigkeit von Alaba und Müller

„Wissen Sie, man ist ja nicht nur Organisator und Planer. Man ist ja so nah dran an den Jungs, da kommt noch viel mehr dazu“, sagt Harbich. Wenn der Trainer mal wieder einen der Jugendlichen ausgewechselt hat, wenn es bei einem David Alaba oder Thomas Müller mal nicht lief, da war Harbich zur Stelle. Er machte ihnen klar, dass sie es nächstes Mal besser machen werden. „Die sind dann immer richtig aufgeblüht.“

Wie weit ihr Können aufgeblüht ist, sieht man heute. Für Harbich ging ihr Weg vor allem deswegen so weit, weil sie auch anständige Burschen waren und sind. Niemals abgehoben, immer höflich. „Die Jungs wussten damals, dass sie noch viel Arbeit vor sich hatten. Bei anderen war das nicht so. Wenn ich zum Beispiel an Berkant Göktan denke, der war sich schon sehr früh sicher, dass er ein Star ist. Das reicht dann nicht.“

Harbich: "Es gab auch unschöne Sachen"

Eine andere Gefahr in dem Alter, in dem Harbich die Jugendlichen betreut hat: die Eltern. „Alles kleine Nationaltrainer, die da am Spielfeldrand stehen. Irgendwann habe ich versucht, den Kontakt so minimal wie möglich zu halten. Da wirst du sonst verrückt“, sagt der Betreuer. Denn Harbich hatte schon genug Stress. Allein für die Turnierteilnahmen der U19 ging es um die halbe Welt. Malaysia, Australien, Brasilien, Venezuela, Saudi-Arabien. In Italien wurden er und der gesamte Tross mal von einem Turnierveranstalter hängen- gelassen, in einer Nacht- und Nebel-Aktion organisierte Harbich die Abreise. „Natürlich, solche Geschichten habe ich auch erlebt. Man kann nicht nur die tollen Erlebnisse erzählen, es gab auch unschöne Sachen.“ Unschöne Sachen, für die er seine Freizeit opferte. Als er Berufssoldat war, ging sein kompletter Jahresurlaub für die Arbeit beim FCB drauf. „Manchmal hat der nicht mal ausgereicht. Da kam dann Sonderurlaub hinzu.“ Missen möchte der pensionierte Stabsfeldwebel diese ganze Zeit nicht. Der Kontakt zum FCB kam überhaupt erst über die Bundeswehr zustande. Simon Hasch war einst Jugendleiter beim Verein und Harbichs Vorgesetzter in der Dienststelle. 1973 lockte er ihn zu den Roten, von da an ging’s fast jeden Tag vom ehemaligen Wohnsitz in Schwabing quer durch die Stadt zur Säbener Straße.

Seine Frau Ingrid hat es mitgemacht. Wenn ihr Mann erzählt, dann nickt sie und steigt mit ein in die Geschichten, die auch Sohn Stefan immer wieder gern hört. Die Erlebnisse der Eltern sind zu seinen geworden, in der Schulklasse hörte er früher immer: „Dein Vater arbeitet beim FC Bayern? Erzähl mal!“

Das ist nun vorbei, und an den Wochenenden geht er vielleicht mal mit Papa Herbert ins Stadion. Der Terminplan des Seniors ist nicht mehr nur mit Auswärtsspielen und Turnieren der A-Jugendlichen vollgepackt. Diese Zeit ist vorbei. „Wobei, so ganz noch nicht!“, wendet der Rentner ein. „Es wird noch eine Verabschiedung geben. Ich werde noch zum Ehrenbetreuer ernannt. Zum ersten überhaupt beim FC Bayern!“, lacht er. Verdient hat er es sich.

Herbert Harbichs Fotosammlung

Der Musikstar

Harbich spielt auch hervorragend Akkordeon. Mit Hermann Gerland und Gerd Müller wurde auch mal gesungen. Mit Müller verbindet ihn eine Freundschaft.

Der Geehrte

Harbich wurde für seine langjährige Mitgliedschaft geehrt, unter anderem von Ex-Präsident Fritz Scherer und Ex-Manager Uli Hoeneß. Weil dieser nun seit Anfang des Jahres im Jugendbereich des FC Bayern arbeitet, sagt Harbich im Spaß: „Sie haben schon einen Nachfolger für mich.“

Medaillenjäger

Als die Profis 2010 im CL-Finale standen, spielte auch die U19 den Titel aus – und verlor. „Die UEFA wollte dasSpiel so authentisch wie möglich zelebrieren, also gab es auch Medaillen.“ Die wurden von Michel Platini und Paul Breitner verliehen. „Der Paul hatte noch eine goldene über und fragte mich: Mogst de hom? Natürlich wollte ich sie haben!“

Der Meistermacher

2001 wurde der FCB zuletzt A-Jugend-Meister. Auf dem Foto sieht man, wie sich die Jungs nach ihrem Erfolg gefreut haben. „Und was mache ich? Ich halte ausgerechnet Philipp Lahm den Wimpel vor den Kopf“, muss Herbert Harbich noch heute beim Gedanken daran lachen. Der heutige Weltmeister hat es ihm aber nicht übel genommen. Überhaupt verstehen sich beide bestens, Harbich schwärmt vor allem vom tollen Charakter des FCB-Kapitäns.

Michael Knippenkötter

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