Starke Saison des Holländers

Robbens wundersame Wandlung

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Arjen Robben befindet sich in bestechender Form.

München - Die Bundesliga-Hinrunde hat Arjen Robben geprägt wie kaum ein zweiter Spieler. Sie fügte sich nahtlos ein in ein überragendes Jahr 2014 des niederländischen Superstars.

Er galt einst als eigenwillig und egozentrisch, inzwischen ist Arjen Robben bei Bayern München aber längst Everybody's Darling. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge bezeichnete ihn unlängst euphorisch als „besten Feldspieler der Welt“, Trainer Pep Guardiola lobt unablässig seine äußerst professionelle Einstellung und die Fans des Fußball-Rekordmeisters haben ebenso längst ihren Frieden mit dem Ausnahmekünstler gemacht.

Gerade dieser Stimmungsumschwung war spätestens mit der „Wembley Nacht“ im Mai 2013 gegen Borussia Dortmund vollzogen. Das entscheidende Tor im Champions-League-Finale hat Robben beim FC Bayern zur Ikone aufsteigen lassen, nachdem er zuvor lange den Stempel des Unglücksraben trug. Fast bei jedem Heimspiel wird dieser Triumph seither von den Fans besungen - mit der Schlusssequenz: „und der Arjen hat's gemacht."

Was eben auch daran liegt, dass Robben nahezu in jedem Spiel mit seinen Tempodribblings für Aufsehen sorgt. Gerade in diesem ablaufenden Jahr 2014, das womöglich das beste seiner Karriere gewesen ist und mit der Ehrung zum Sportler des Jahres in den Niederlanden garniert wurde. `Ich bin der erste Fußballer seit 27 Jahren, der ausgezeichnet wurde“, berichtete Robben stolz über die Wahl, die traditionell eher von Eisschnellläufern oder dem Turn-Olympiasieger Epke Zonderland dominiert wird. Johan Cruyff und Ruud Gullit waren die einzigen siegreichen Fußballer vor ihm gewesen.

Ob er sich in der besten Form seines Lebens befinde, ist Robben in diesem Jahr auch angesichts der grandiosen WM in Brasilien vielleicht noch häufiger gefragt worden als zuvor und außerdem gerne auch, was denn das Geheimnis für seine verblüffenden Leistungen ist? Robbens Auftritte hatten ja manchmal etwas von der ausdauernden Energiehaftigkeit des Duracell-Hasen, nur dass Robben noch schneller rannte als der Hase trommelte.

Die Antwort ist meist bescheiden und klingt zum Beispiel so: „Pep Guardiola hat mir bei Bayern zu einem neuen Schub verholfen. Dank seiner Ideen habe ich noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht“, sagte Robben einmal. Andererseits hat der früher so zerbrechliche und dauerverletzte Flügelstürmer eben eine mustergültige Berufsauffassung. Man hört immer wieder, mit welcher Akribie Robben trainiert. „Er ist ein super Profi mit so einer überragenden Qualität“, sagt Guardiola über ihn.

Und nicht zuletzt ist Robben ein anderer Spieler geworden - und doch der gleiche geblieben. Der 30-Jährige dribbelt, kurvt wie eh und je durch die Abwehrreihen, aber es dient nicht mehr nur dem Selbstzweck. Robben sucht inzwischen die Mitspieler und stellt sich auch seinen Defensivaufgaben. Dass Robben nicht nur der vielleicht auffälligste, sondern auch der effektivste Spieler der Bundesliga ist, sagt viel über seinen Wandel aus. „Wir arbeiten alle als Mannschaft nach hinten, alle elf Spieler denken defensiv“, sagte Robben zuletzt - und es ist gerade für ihn nicht als Floskel zu verstehen.

Aktuell scheint er jedenfalls unverzichtbar für den FC Bayern zu sein, kürzlich gelang ihm sein 100. Pflichtspieltor im 184. Einsatz und doch muss der Branchenführer so langsam an die Nach-Robben-Ära denken. „Wir müssen diesen Umbruch im Hinterkopf haben, aber nicht radikal betreiben“, sagte Rummenigge dazu in einem Bild-Interview. Es sei „keine Frage für morgen oder übermorgen“. Und für heute sowieso nicht. „Ich freue noch auf viele Titel mit dem FC Bayern“, sagte Robben, als er im Frühjahr bis 2017 verlängert hatte. Wer mag daran zweifeln.

sid

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