Chilene über den Frust nach Auswechslung

Vidal einsichtig: "Natürlich verstehe ich Peps Entscheidung"

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Arturo Vidal protestiert bei Schiedsrichter Bastian Dankert gegen die Gelbe Karte.

München - Ach, Arturo! Was war er zuletzt nur in Form, was hatte er die Münchner in den vergangenen Spielen nur angetrieben – und dann das. Seine Sicht der Dinge schildert der Krieger im Interview mit der tz:

In Stuttgart nimmt Pep Guardiola Arturo Vidal bereits nach 27 Minuten vom Feld. Aus Selbstschutz. Nach 22 Minuten sieht der Chilene nach einem Foul gegen Didavi Gelb, nach einem weiteren Foul keine drei Minuten später nimmt Guardiola ihn vom Platz. Traurig schlurft er am Spanier vorbei, setzt sich auf den Boden neben die Bank. „Arturo will natürlich nie runter“, so Matthias Sammer. „Aber es war richtig, ihn runterzunehmen." Philipp Lahm meinte: „Er versteht auch, warum der Trainer ihn runtergenommen hat. Ich sehe da kein Problem, so etwas passiert im Fußball.“

Herr Vidal, nach großartigen Auftritten zuletzt hatten Sie in Stuttgart nun einen etwas schwierigeren Tag zu bewältigen.

Vidal: In der Tat. Sie haben von Beginn an gut zugemacht und der Schiedsrichter hat zudem auch noch sehr viel zugunsten der Stuttgarter gepfiffen. So ist es natürlich sehr schwer zu spielen. Der Wechsel hatte mit der drohenden Gefahr zu tun, dass ich Rot sehe. Hinzu kommt, dass mir auch noch der Knöchel wehtut, aber das Wichtigste ist, dass wir gewonnen haben. Jetzt sind es nur noch fünf Spiele.

Waren Sie mit Guardiolas Entscheidung, Sie vom Feld zu nehmen, einverstanden?

Vidal: Ja, natürlich. Ich habe sie verstanden, weil der Schiedsrichter schon zwei Fouls gegen mich gepfiffen hatte, die gar keine Fouls waren. Und wenn gerade bei solchen Spielen wie in Stuttgart oder in der Champions League gegen Benfica die Schiedsrichter anfangen, Karten zu verteilen, dann wird es natürlich noch schwerer. Aus diesem Grund fiel die Entscheidung zu wechseln.

Beschreiben Sie uns die Sekunden nach der Auswechslung, bei der Sie nicht an Pep Guardiola vorbeigingen, sondern hinter der Bank entlang.

Vidal: Dass ich sauer war, ist doch völlig normal. Ich hätte gerne länger gespielt, denn ich mag diese Spiele, aber genauso muss ich die Situation und die Umstände verstehen, die zu dem Wechsel geführt haben. Die Mitspieler waren sehr nett zu mir, sind auf mich zugekommen und haben mir Trost gespendet. Sie haben gesagt, dass der Wechsel mit der Gelben Karte zu tun hatte und sie mich in jedem Moment vom Platz hätten stellen können. Aber es ist schade, dass derartige Dinge passieren, denn sie machen das Spiel und meine Form kaputt, die ich in den vergangenen Spielen unter Beweis gestellt hatte. Ich bin höchst motiviert hier angereist, aber gut, am Mittwoch ist wieder ein Spiel.

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Zumal Sie nicht der Typ Spieler sind, der plötzlich auf 90 Prozent herunterfahren kann, oder?

Vidal: So ist es, und genau das zeichnet mich auch als Spieler aus. Dass ich immer hundert Prozent gebe. Das Problem ist nur, dass die Schiedsrichter das ab und an anders sehen und mir gleich mal die Gelbe Karte zeigen. So wie heute. Und das, obwohl ich den Ball am Fuß hatte. Als ich die Kugel berühren wollte, hat er seinen Fuß hineingestellt und mich antizipiert. Aber alles in allem war es ein normaler Zweikampf.

Es bleibt wohl nichts anderes übrig, es als einen Ausrutscher in einer Serie von sehr starken Auftritten zuletzt zu sehen.

Vidal: Genau so ist es. Und auf der anderen Seite hat es mir auch dazu genutzt, etwas Kraft für die Partie am Mittwoch zu sparen. Im Endeffekt habe ich ja gerade einmal 25 Minuten gespielt, am Mittwoch werde ich für die Partie gegen Benfica also zu hundert Prozent fit sein. (lacht) Und das ist auch gut so, denn es wird ein sehr schweres Spiel.

Wirft man einen Blick auf die letzten Spiele, fällt aber auf, dass es Ihrer Mannschaft nicht mehr ganz so leicht fällt wie in der Hinrunde. Warum?

Vidal: Das Problem ist, dass die Spiele zu dieser Phase der Saison allesamt sehr eng und umkämpft sind. Es sind eben nur noch wenige Spiele, für uns bis zum Titel, für andere Mannschaften bis zum Klassenerhalt. Daher ist die Stimmung auf dem Feld auch sehr gespannt, hinzu kommen auch die Schiedsrichter, die wie gesagt ebenfalls großen Einfluss auf die Spiele ausüben, die Mannschaften werden von ihren Fans nach vorne gepeitscht, aber hoffentlich holen wir demnächst wieder einige leichte Siege, denn es kostet uns derzeit tatsächlich große Mühe.

Zumal derartige Siege auch Selbstvertrauen brächten, der im Endspurt der Saison unabdingbar ist.

Vidal: Völlig richtig. Es wäre großartig, wieder so souverän zu gewinnen, aber es ist nun mal kein leichtes Unterfangen. Vor allem nicht zu dieser Phase der Saison. Auch wir haben mittlerweile eine Menge Spiele auf dem Buckel, und es stehen ja auch noch eine ganze Menge an. Es gilt vorbereitet zu sein und zu gewinnen, darauf liegt aktuell unser Fokus.

Das nächste Highlight folgt am Mittwoch. Was für ein Spiel erwarten Sie in Lissabon?

Vidal: Ein unheimlich schwieriges, soviel steht fest. Aber wir hoffen und glauben daran, dass wir es ins Halbfinale schaffen. Wir müssen spielen wie immer, dann werden wir es auch schaffen.

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