Zeit der Alles-oder-Nichts-Spiele

Auf diese Spieler setzt Pep im Saisonendspurt

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Pep Guardiola hat die Qual der Wahl: Welchen Spielern schenkt der Bayern-Coach in den heißen Duellen sein Vertrauen?

München - Die Zeit der Alles-oder-Nichts-Spiele hat für den FC Bayern begonnen! Während die Meisterschaft so gut wie eingetütet ist, kann in Pokal und Champions League jedes Duell das letzte sein. Auf welche Spieler vertraut Pep Guardiola jetzt?

Elf Punkte Vorsprung auf Verfolger Wolfsburg - der Meistertitel in der Bundesliga ist so gut wie sicher. Es geht wohl nur noch um die Frage des Zeitpunkts, wann der Rekordmeister seinen 24 Liga-Triumphen den nächsten offiziell hinzufügt.

Doch in den anstehenden Viertelfinalspielen im DFB-Pokal (am 8. April um 20.30 Uhr bei Bayer Leverkusen) und in der Champions League (Hinspiel am 14./15. April, Rückspiel am 21./22. April, Gegner wird am Freitag ausgelost) geht es um Alles oder Nichts: Wer nicht siegt, fliegt!

Es sind jetzt die Wochen der Saison angebrochen, die über Erfolg oder Misserfolg eines ganzen Fußballjahres entscheiden. In dieser heißen Phase vertrauen die Trainer oft einer Stammformation, rotiert wird nur noch selten. Das Gerangel um einen Platz im Kader ist groß - jeder will in diesen besonderen Spielen dabei sein.

Guardiolas Motto: Lieber eingespielt als ausgeruht

In der vergangenen Saison standen die Bayern bereits im März als vorzeitiger Meister fest. Pep Guardiola schonte daraufhin in der Bundesliga einige seiner Stars für die Champions League - und schied prompt gegen Real Madrid nach einer 0:4-Heimklatsche im Halbfinale aus. Diese bittere Erfahrung hat der Spanier nicht vergessen - nichts deutet daraufhin, dass Pep in der Liga etwas die Zügel schleifen lässt. Selbst im DFB-Pokal-Achtelfinale Anfang März gegen den Zweitligisten Eintracht Braunschweig nahm Guardiola keinen seiner Superstars aus dem Kader, um ihm eine Pause zu gönnen. Eine Woche später überrollten die Bayern dann Donezk in der Königsklasse mit 7:0. Eingespielt zu sein ist dem Coach wichtiger als ausgeruht zu sein.

Angesichts des Überangebots an Superstars im Bayern-Kader bleibt nun nur noch die Frage, welchem Stammpersonal Guardiola auf der Zielgeraden der Saison das Vertrauen schenkt. Wir analysieren die Situation in den einzelnen Mannschaftsteilen:

Abwehr

Im Tor ist die Frage schnell beantwortet. Manuel Neuer, der wohl derzeit beste Torhüter auf der Welt, ist die unangefochtene Nummer eins und wird seiner Mannschaft in den K.o.-Duellen ein sicherer Rückhalt sein. Stellvertreter Pepe Reina hat aber am vergangenen Wochenende in Bremen bewiesen, dass auf ihn Verlass ist und er jederzeit ohne allzu großen Qualitätsverlust die Rolle zwischen Pfosten sehr gut ausfüllen könnte.

In der Abwehrkette hat sich in den letzten Spielen auch ein Gerüst herauskristallisiert, das in den kommenden Wochen mehr oder weniger unverändert in den wichtigen Partien zu Einsatz kommen wird. Auf der rechten Abwehrseite hat Rafinha seinen Stammplatz sicher - es sei denn, der genesene Kapitän Philipp Lahm kehrt wieder auf seine "alte" Position als Rechtsverteidiger zurück (siehe Mannschaftsteil Mittelfeld). In der Zentrale ist Jerome Boateng eine feste Größe. Innenverteidiger Nummer zwei darf sich aktuell Holger Badstuber nennen, auch wenn das Eigengewächs zuletzt nach seiner langen Verletzungspause hin und wieder eine Verschnaufpause bekam. Sollten Boateng oder Badstuber mal ausfallen oder pausieren, steht Medhi Benatia Gewehr bei Fuß. Und links hat Guardiola die Qual der Wahl zwischen David Alaba und Juan Bernat. Während der Spanier in der Hinrunde kein einziges Spiel verpasste, bekam zuletzt Alaba häufiger den Vorzug, auch weil das Zusammenspiel auf der linken Außenbahn mit Turbodribbler Franck Ribéry besser klappt. Eher weniger zum Einsatz kommen dürften in den kommenden Wochen der Brasilianer Dante und Youngster Mitchell Weiser.

Defensives Mittelfeld

Im Mittelfeld des FC Bayern herrscht insgesamt das größte Gerangel um die wenigen Plätze. Guardiola schwankt häufig zwischen einem 4-1-4-1- oder einem 4-2-3-1-System, oftmals wechselt der Coach die Formation auch während einer Partie. In der Regel bietet er zwei eher defensiv orientierte Spieler und drei offensive auf. Auf der Doppel-Sechs durften in dieser Spielzeit schon viele verschiedene Duos ran. Jetzt, da alle drei Kandidaten für diese wichtige Position wieder fit sind, muss sich Guardiola zwischen Xabi Alonso, Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm entscheiden.

Alonso und Lahm waren zum Großteil Drahtzieher der überragenden Hinrunden-Bayern, die Kombination Schweinsteiger-Alonso funktionierte nur eingeschränkt. Sollte Lahm nicht wieder als Rechtsverteidiger gebraucht werden, wird Guardiola daher aller Voraussicht nach auf seinen Kapitän im Zusammenspiel mit Alonso setzen. Sebastian Rode oder Gianluca Gaudino sind allenfalls Wechseloptionen. Bei Thiago muss man abwarten, wie sein Knie die Wettkampfbelastung nach über einem Jahr Pause verträgt. Eher unwahrscheinlich, dass Guardiolas Lieblingsspieler in dieser Saison noch eine tragende Rolle spielt.

Offensives Mittelfeld und Sturm

Für die drei bis vier Offensivpositionen im Bayern-Mittelfeld stehen die Weltstars Schlange. Sollten sie fit sein, haben Arjen Robben und Franck Ribéry allerdings ihre Plätze in der Startelf sicher. Zentral balgen sich Weltmeistermacher Mario Götze und Top-CL-Torschütze Thomas Müller um Einsatzzeiten.

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Auswirkungen auf die Aufstellung in der Offensive hat auch die Frage, ob Robert Lewandowski spielt oder nicht. Im Normalfall beginnt der Pole im Sturmzentrum, dann müssten Götze oder Müller zunächst auf die Bank ausweichen. Setzt Guardiola hingegen auf eine "falsche Neun", darf Götze im Sturmzentrum ran, hinter ihm spielt dann Müller.

Routinier Claudio Pizarro ist für Guardiola zwar "unser bester Stürmer im Strafraum", doch mit seinen 36 Jahren wird der Peruaner wohl nur noch in den Schlussphasen der Alles-oder-Nichts-Duelle zum Einsatz kommen, wenn Bayern unbedingt noch ein Tor schießen muss.

Somit ergibt sich folgende Formation, die im Saisonendspurt wohl den Großteil der Spielminuten absolvieren wird:

Neuer - Rafinha, Boateng, Badstuber, Alaba - Alonso, Lahm - Robben, Müller, Ribéry - Lewandowski

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