CL-Spiel gegen Turin

13 prägende Minuten: Kimmichs Auftritt in der Analyse

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Der entscheidende Tick zu spät: Kimmich (r.) gegen Sturaro, der gleich zum 2:2 trifft.

Turin - Joshua Kimmich stand in Turin für die Zerrissenheit des Bayern-Auftritts. Binnen 13 Minuten wandelte sich der Abend. Vorwürfe aber macht dem Youngster niemand.

Der übliche Weg von der Kabine in den Bus kann ziemlich beschwerlich sein. Rund 20 Meter müssen die Spieler im Juventus-Stadion vorbei an einem Pulk aus Reportern mit ihren Fragen, die je nach Spielverlauf ziemlich kritisch sein können. Die Reservisten des FC Bayern wie Rafinha oder Mario Götze konnten die 20 Meter am Dienstag unbehelligt zurücklegen, während Manuel Neuer oder Philipp Lahm alle paar Schritte stehen bleiben mussten. Doch offensichtlich gab es noch einen ganz anderen Laufweg. Von einigen Spielern sah man nichts. Bis mitgeteilt wurde, dass nun alle Bayern im Bus säßen.

Joshua Kimmich ist der Weg durch die Mixed Zone erspart geblieben. Das ist einerseits schade, weil der junge Mittelfeldspieler und Aushilfsverteidiger eine der Schlüsselfiguren dieses Achtelfinal-Hinspiels gewesen war. Andererseits war die Maßnahme pädagogisch naheliegend. Kimmich (20) hatte einen aufwühlenden Abend erlebt, mit einer sehr langen Phase beeindruckender Stabilität und Abgeklärtheit. Und mit einem denkbar schmerzhaften Finale.

Kimmich spielt 63 Minuten lang top

Bis zur 63. Minute war die Partie in Turin die Fortsetzung der Geschichte aus den vergangenen Wochen, die von der völlig problemlosen Versetzung eines jungen, unerfahrenen Fußballers auf eine ungewohnte Position handelte. Eine gute Stunde lang machte Kimmich ein exzellentes Spiel. Er war hellwach und souverän, seine Körpersprache strahlte Selbstvertrauen aus, die Aktionen waren präzise und fehlerfrei. Dann versprang ihm ein Ball, den Juves Stürmer Mario Mandzukic umgehend weiterleitete auf Dybala, der zum Anschlusstreffer einschoss.

Pressestimmen: "Die Münchner Panzer sind nicht mehr unbesiegbar"

Weil 13 Minuten später auch noch Sturaro einen Tick vor Kimmich am Ball war und den Ausgleich erzielte, war die schöne Erfolgsgeschichte dahin. Die ganze Zerrissenheit dieses Bayern-Auftritts, das Schwanken zwischen Freude und Ärger, Souveränität und Taumeln bündelte sich in der Figur dieses Senkrechtstarters.

Bayern-Stars nehmen Kimmich in Schutz

Die Münchner gaben sich alle Mühe, ihren Jüngsten in Schutz zu nehmen. Er habe „wieder sehr, sehr gut gespielt“, lobte Lahm, und Fehlpässe passierten „jedem von uns“ ab und zu. „Wir müssen ihn jetzt nicht aufbauen“, ergänzte Neuer, weil die Mannschaft seine Leistung nicht an den zwei Szenen bemesse, sondern an dem Auftritt über 90 Minuten. „Das erwarte ich auch von Euch“, mahnte er über die Absperrung.

Für Fußballer ist es eine Selbstverständlichkeit, sich schützend vor einen aus ihrer Mitte zu stellen, wenn ihm mal etwas misslingt. Kimmich hat die Erwartungen in den letzten Wochen weit übertroffen, und eine Stunde lang machte er am Dienstag auf diesem Niveau weiter, als wäre es die leichteste Übung. Wegen 13 Minuten und zwei folgenschweren Szenen lassen die Bayern noch lange nichts auf ihn kommen. Dafür schätzen sie ihn viel zu sehr. Außerdem brauchen sie ihn noch eine Weile als Abwehrspieler. Vermutlich wird er dann auch bald wieder reden.

Das Spiel im Ticker zum Nachlesen.

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