Rückrunden-Auftakt

Das sagt HSV-Legende Seeler vor dem Angst-Spiel gegen den FCB

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Traurige Gewissheit: Uwe Seeler setzt nicht auf Sieg.

Hamburg - Die Statistik des Hamburger SV gegen den FC Bayern ist für die Hanseaten alles andere als erfreulich. Zum Rückrunden-Auftakt sprach die tz mit HSV-Legende Uwe Seeler über das anstehende Angst-Match.

Ein Blick auf die nackten Zahlen dürfte genügen, damit jedem Fan des HSV vor dem Rückrundenauftakt am Freitag angst und bang wird. 40 Hütten hat der Bundesliga-Dino in seinen letzten zehn Duellen gegen den FCB gefangen, teilweise hagelte es sogar ein 8:0 oder 9:2. Wie aktuell die Stimmung in der Hansestadt ist, weiß Uwe Seeler (79). Das tz-Interview mit der lebenden Legende des HSV:

Herr Seeler, die tz am Apparat. Stören wir?

Seeler: Nee, was haben Sie auf dem Herzen?

Ist Ihnen schon bang vor Freitag?

Seeler: Bange nicht, nein. Ich bin im Stadion, guck mir das Spiel an und geh nicht davon aus, dass der HSV das Spiel gewinnt. Das ist ja nun mehr oder weniger auch kein Kunststück, das zu wissen. Ich hoffe nur, dass das einigermaßen über die Runden geht und der HSV auch ein wenig dagegenhalten kann.

Seeler: "Ich gehe nicht davon aus, dass der HSV gewinnt"

40 Tore hat sich der Dino in den letzten zehn Spielen gegen die Bayern eingefangen. Beängstigend, oder?

Seeler: Ja gut, aber darüber kann man nicht nachdenken. Das ist so, damit muss man leben, und es ist auch nicht schön, aber Sie wissen ja, was hier für Probleme anstehen. Es ist kein Geld da, sie können nicht reagieren – es sieht nicht gut aus, aber wir müssen das Beste daraus machen.

Und dazu kommen noch die Verletzten...

Seeler: Damit muss man leben, nützt ja alles nichts.

Wie sich in Karlsruhe gezeigt hat, können die Bayern aber auch stolpern.

Seeler: Das passiert doch mal. Im Großen und Ganzen, wenn es wieder darauf ankommt und die richtige Mannschaft aufläuft, wird auch richtig gespielt. Nein, die Möglichkeiten sind ja auch völlig unterschiedlich, deswegen muss man das auch ganz sachlich sehen, und das tue ich.

Besteht denn zumindest die Hoffnung, dass der HSV ein Remis herauskratzt?

Seeler (lacht): Nee, nee. Ich lasse das ganz normal über mich ergehen und bin auch nicht traurig, denn gegen Bayern müssen wir im Moment nicht gewinnen. Wenn die mal hier und da woanders einen Punkt holen, bin ich schon sehr zufrieden.

Platz zehn zur Winterpause hätten Sie vor der Saison aber schon unterschrieben, oder?

Seeler: Gerne. Aber wir wissen auch, was ansteht, da kann sich das schnell wieder ändern. Man muss erst mal abwarten. Die zweite Halbserie wird die schwierigere, da muss man sehen, wie sie sich schlagen. Es wird noch sehr schwer.

Nach den zwei Dramen in der Relegation zuletzt täte Ihnen ein ruhiger Saisonabschluss aber auch mal nicht schlecht, oder?

Seeler: Das wäre sehr gut für mein Herz, ja.

Trotz des Tabellenplatzes herrscht aber nicht die beste Stimmung, oder?

Seeler: Nee. Wir sind nur guter Hoffnung, dass es einigermaßen über die Runden geht. Mehr kann man nicht verlangen, und mehr verlangen wir auch nicht, weil nicht mehr drin ist. Jetzt hoffen wir nur, dass es nicht so schlimm wird wie in den letzten beiden Jahren, sondern dass man rechtzeitig einen gesicherten Platz hat und nicht auf dem Abstiegsplatz steht. Aber das ist eben genau die Schwierigkeit. Jetzt muss man abwarten, aber es macht ja keinen Sinn, wenn man sich vorher verrückt macht.

Sieben Punkte trennen den HSV aktuell von den gefährlichen Rängen.

Seeler: Das geht ganz schnell. Und es sind ja nicht nur die Bayern, wir müssen dann nach Stuttgart, danach kommen Köln und Gladbach – die nächsten vier Spiele sind keine leichten. Es wird nicht einfach.

Seeler: "Der HSV hat kein Geld, der HSV hat Schulden"

Auch das Geld bzw. das nicht vorhandene Geld ist wieder ein großes Thema.

Seeler: Dass Geld nicht da ist, wissen wir schon lange. Dass man keine Spieler kaufen kann, weil man kein Geld hat, kommt da noch hinzu. Das muss man heute haben, und wenn man gute Spieler kaufen will, muss man gutes Geld haben. Da nützen einem ein paar Mark nichts, man braucht gutes Geld. Aber der HSV hat kein Geld, der HSV hat Schulden.

Sehen Sie den HSV irgendwann wieder oben, wo er vor langer Zeit war?

Seeler: Im Moment kann man darüber nicht sprechen, und wir verschwenden auch überhaupt keine Gedanken daran. Jeder hofft, dass sie jetzt da durchkommen, aber ob das am Ende auch gelingt, kann ich Ihnen nicht sagen. Es wird sehr schwer.

Und was, wenn sie nicht durchkommen?

Seeler: Für die Millionen- und Hansestadt Hamburg wäre das natürlich ein Trauerspiel, aber wir sind alle guter Hoffnung.

Das trifft derzeit auch auf Uli Hoeneß zu. Es sieht ganz danach aus, als würde Ihr alter Kollege Ende Februar vorzeitig aus der Haft entlassen werden. Froh?

Seeler: Ich freue mich sehr für Uli! Die Entscheidung, was er danach macht, trifft er selbst. Da muss man ihn auch lassen, aber er will ja ohnehin erst mal Abstand gewinnen, ein bisschen ­Urlaub machen und dann wird er sich schon seine Gedanken machen, wie es weitergeht.

Würden Sie sich freuen, ihn bald wieder als Präsidenten des FCB im Volksparkstadion begrüßen zu können?

Seeler: Aber selbstverständlich.

Dazu müsste der HSV die Klasse halten.

Seeler (lacht): Das können Sie laut sagen. Aber wie sagt man so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Mieten kann man das Glück aber auch nicht, man muss schon auch ein wenig dafür tun.

Interview: José Carlos Menzel López

Rückrunden-Auftakt: Alle Klubs im großen tz-Liga-Check

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