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„Hosen voll“, „absolute Führungslosigkeit“: Psychologe erklärt den völligen Zusammenbruch der Bayern

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Von: Manuel Bonke, Philipp Kessler

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Dino Toppmöller war mit der Situation überfordert, meint Sportpsychologe Herzog.
Dino Toppmöller war mit der Situation überfordert, meint Sportpsychologe Herzog. © ULMER/imago

Der Blackout vom Bökelberg – wie erklärt das ein Profi? Die tz fragt nach bei Sportpsychologe Matthias Herzog, der erklärt, weshalb der FC Bayern mit Julian Nagelsmann an der Seitenlinie nicht verloren hätte.

Herr Herzog, wie lässt sich die 0:5-Niederlage aus psychologischer Sicht erklären?

Sportpsychologe Matthias Herzog: Das ist der typische Blackout. Das kennen wir aus der Schule oder dem Job. Plötzlich ist alles weg, was wir mal gelernt haben. Wir fühlen uns förmlich gelähmt. Das Gehirn funktioniert nicht wirklich und beim Fußballer sind es vor allem die schweren Beine. Das fühlt sich dann an wie Blei in den Schuhen.

Wähnten sich die Bayern zu sicher?

Herzog: Die Mannschaft wurde in den letzten Wochen von allen hochgelobt bis zum Himmel. Das ging bereits über den Götterstatus hinaus. Fast schon Gottvaterstatus. Da kann sich schnell mal eine Überheblichkeit einschleifen. Da fehlt dann eine Grundspannung bei der Mannschaft. Zudem ging es komplett anders los, das erste Tor in den ersten zwei Minuten und schon fangen die Bayern an nachzudenken: So war das nicht gedacht. Das kennen wir doch von früher. Die letzten Male haben wir im Borussia-Park auch nicht so gut ausgesehen. Oh, nicht, dass das schon wieder so läuft wie die letzten Male. Zack, steht es 2:0 und 3:0. Und spätestens da haben alle Spieler die Hosen sprichwörtlich voll. Nervosität kommt dazu. Keiner im Team, der sich aufbäumt und Ruhe reinbringt. Absolute Führungslosigkeit.

Wäre das Spiel mit Julian Nagelsmann an der Seitenlinie anders verlaufen?

Herzog: Ich bin mir ziemlich sicher, dass das mit Julian nicht passiert wäre. Auf dem Platz und auch im Trainerteam war keiner zu sehen, der mal laut geworden ist und sich aufgebäumt hat. Julian ist dafür bekannt, dass er emotional abgeht wie ein Zäpfchen – auf- und abspringt. Und bei der Spielentwicklung wäre er irgendwann komplett eskaliert. Wenn es denn überhaupt so weit gekommen wäre…

Wie wichtig ist Nagelsmann als Antreiber und Motivator an der Seitenlinie?

Herzog: Überlebenswichtig. Ich kenne das ja selbst von meinen Vorträgen. Online können wir die Emotionen nicht so gut übertragen wie live vor Ort. Das sind Welten. Bei einem vollen Stadion hörst du den Trainer zwar nur schwer an der Seitenlinie, du nimmst aber seine Mimik und Gestik war. Und Julian ist jemand, den kannst du nicht übersehen als Spieler. Das nimmst du im Augenwinkel wahr, wenn der ausrastet. Der Trainer vor Ort kann direkt ins Spielgeschehen eingreifen, hat ganz andere Möglichkeiten. Er kann vor allem auch auf die Auswechselspieler anders einwirken oder Spieler mal beiseite nehmen in Spielunterbrechungen. Das fehlte natürlich, weil sein Vertreter Dino Toppmöller, der ein hervorragender Trainer ist, aus meiner Sicht überfordert war.

Sportpsychologe Matthias Herzog
„Das ist der typische Blackout“ - Sportpsychologe Matthias Herzog erklärt die Bayern-Blamage. © fkn

Hier gibt es das DFB-Pokal-Spektakel zum Nachlesen. Wie der FC Bayern München im DFB-Pokal gegen Borussia Mönchengladbach mit 0:5 unter die Räder kam - die internationale Presse kann es kaum fassen. Das Pokal-Debakel des FC Bayern in Gladbach wird die Münchner noch einige Tage beschäftigen. Kurz nach Schlusspfiff wollte offenbar ein FCB-Star in die Borussia-Kabine stürmen.

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