Trainingslager in Doha

FCB-Reise nach Katar: So kontert Rummenigge die Kritik

+
Karl-Heinz Rummenigge sendet auch eine Botschaft an den Gastgeber des Trainingslagers.

München - Mittwochmorgen heben die Bayern ab. Um 9.30 Uhr fliegt der FCB-Tross für sieben Tage ins Trainingslager nach Katar, um sich auf die Rückrunde vorzubereiten.

In der Saisonplanung des FC Bayern ist das Trainingslager in Doha mittlerweile genauso fest verankert wie die Meisterfeier auf dem Rathausbalkon. Zum sechsten Mal reisen die Münchner nun zur Vorbereitung auf die Rückrunde nach Katar, doch im Gegensatz zur Titelparty am Marienplatz herrscht bei diesem Thema nicht nur eitel Sonnenschein.

Auch wenn das deutlich angenehmere Klima im Wüstenstaat zu dieser Jahreszeit ein guter Grund für den Trip ist, muss sich der FCB – wieder einmal – Kritik an seiner Entscheidung gefallen lassen. „Schönes Wetter sollte nicht das einzige Kriterium bei der Auswahl eines Trainingslagers sein“, sagte Norbert Neuser. Der SPD-Abgeordnete im Europaparlament kritisiert mit Blick auf die vielen (sozialen) Missstände im Emirat: „Der FC Bayern entscheidet sich für Katar, obwohl es dort seit Jahren grobe Verletzungen der Menschenrechte gibt.“ Ein Vorwurf, den Karl-Heinz Rummenigge zurückweist. „Ein Trainingslager ist keine politische Äußerung. Niemand sollte Dinge vermischen, die nicht zusammengehören“, betonte der Vorstandsvorsitzende der Roten zuletzt in der "Sport Bild". Dennoch sind die FCB-Stars in den kommenden Tagen nicht nur als Fußballer, sondern auch als Botschafter unterwegs – allerdings nicht nur für ihren Verein.

Rummenigge: "Kommen als Sportler mit der Botschaft von Integration"

Natürlich will der Rekordmeister bei seinen Anhängern im arabischen Raum Nähe zeigen. „Der FC Bayern hat, begünstigt durch die Erfolge seit 2010 in der Champions League, viele Anhänger in der ganzen Welt dazugewonnen“, erklärt Rummenigge. Um deren Treue müsse man sich nun bemühen. Dass die Münchner dabei die problematischen Strukturen in Katar, wo die Arbeitgeber durch das Kefala-System über den Aufenthalt ihrer Arbeiter bestimmen dürfen, nicht ganz außer Acht lassen, war ihrem Chef aber auch wichtig: „Wir kommen als Sportler ja immer mit der Botschaft von Integration und freier Lebensgestaltung. Das wissen unsere Partner in Katar. Sie kennen unsere Überzeugungen, zum Beispiel bei der Frage von Arbeiterrechten.“

Deutlich wichtiger als die Überzeugungen der Bayern ist den Kataris aber deren Besuch. Der große FCB ist das perfekte Aushängeschild für die überdimensionale, 2,5 Quadratkilometer große Aspire Zone. Die verfügt über nicht weniger als 15 Fußballfelder, ein Stadion mit 50 000 Plätzen, eine 14 Kilometer lange Laufstrecke, eine Schwimmhalle, zwei der teuersten Hotels der Stadt und ein Einkaufszentrum, in dem es aussieht wie in Venedig, samt Kanälen und Gondolieri.

Kataris haben einen Masterplan

Hingucker der gigantischen Anlage ist die größte Multifunktionssporthalle der Welt, mit 13 Feldern für Handball, Basketball, Turnen, Tischtennis, Fechten, einer Leichtathletikanlage und einem Fußballplatz. Die Kataris führen gerne ihre „Vision 2030“ an, in der sich das Emirat in einer Art Masterplan unterschiedlichen sozialen, gesellschaftlichen und ökonomischen Herausforderungen stellt. Bei diesen Zielen nimmt der Sport eine wichtige Rolle ein. Das Streben nach weltweiter Anerkennung über den Sport wird dabei stets mit der Volksgesundheit verbunden. Vieles können die reichen Scheichs kaufen, Popularität jedoch nicht.

„Dass ein Topklub wie Bayern München kommt, ist sehr wichtig“, sagte Mansoor Al-Ansari, Direktor des Fußballnationalteams. Ein weltweit beliebter Verein ist für die ambitonierten Pläne der Kataris der beste Botschafter.

Auch interessant

Meistgelesen

Analyse: Darum bröckelt der Mythos Thomas Müller
Analyse: Darum bröckelt der Mythos Thomas Müller
Ticker: Bayern-U19 verliert dramatisches Elferschießen
Ticker: Bayern-U19 verliert dramatisches Elferschießen
Termine bekannt: So bereiten sich die Bayern auf die nächste Saison vor
Termine bekannt: So bereiten sich die Bayern auf die nächste Saison vor
Abschied von Lahm und Alonso: So läuft die Bayern-Meisterparty
Abschied von Lahm und Alonso: So läuft die Bayern-Meisterparty

Kommentare