Auftakt bei Olympiakos Piräus

Champions League oder nix: Guardiolas Herkules-Aufgabe

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Pep Guardiola will in seinem wohl letzten Bayern-Jahr den CL-Titel gewinnen.

Athen – Pep Guardiola hat mit dem FC Bayern schon einige Titel gewonnen. Nur der Champions-League-Sieg fehlt ihm noch. In seiner mutmaßlich letzten Saison bei den Münchnern soll es nun endlich klappen.

Ach, die griechische Mythologie steckt voller wunderbarer Geschichten. Herakles, auch bekannt als Herkules, musste zum Beispiel einen Haufen ziemlich lästiger Aufgaben erledigen, um sich als Gott zu qualifizieren. Unter anderem Ställe ausmisten, den ungemütlichen Minotaurus zähmen und den Höllenhund Kerberos aus der Unterwelt entführen, stand auf seiner Agenda, ehe er endlich unsterblich wurde. Aber haben es die Helden der Neuzeit leichter?

Heute startet der FC Bayern bei Olympiakos Piräus in die Champions League-Saison. Die Mission, die in der griechischen Hauptstadt Athen anläuft, soll im Finale von Mailand enden, und zwar mit dem Hochrecken der Siegertrophäe. Zwar haben die Münchner der vierten Meisterschaft in Serie Prioritätsstufe eins eingeräumt. Pep Guardiola aber weiß: Unsterblich wird er nur, wenn er Europas Thron besteigt. Und wenn man sein aktuelles Arbeitspapier liest, steht dort zwischen den Zeilen: Diese Saison ist seine letzte Chance als Chefcoach der Bayern.

Rummenigge warnt vor Piräus

Die Champions League ist Guardiolas ganz persönliche Herkules-Aufgabe, und manche meinen, es sei leichter, Minotaurus und Höllenhund zu dressieren, als einem FC Barcelona oder Real Madrid Hörner aufzusetzen. „Wir sind gut beraten, Schritt für Schritt zu denken“, sagte Karl-Heinz Rummenigge gestern. Das war ein typischer Satz aus dem Baukasten für Vorstandsvorsitzende-Floskeln. Falsch ist er deshalb noch lange nicht.

Guardiola schlenderte am Dienstag gemütlich zum Abfluggate. Einen Kaffeebecher in der Hand, immer für Fotos mit Fans bereit – auch das ist eine Notiz, die Einzug in die Reporterblöcke fand. Zwischen Basis und Chefcoach hat ja eine gewisse Entfremdung stattgefunden, doch vor der Abreise war davon nichts zu bemerken. Das Boarding lief mit 20 Minuten Verzögerung ab, die Maschine war aus Hamburg verspätet eingetroffen. Guardiola wartete weit abseits von seinem Tross – aber strategisch dennoch bestens platziert. Zum einen hatte er alles im Blick: das Gate, seine Spieler, die Fans. Zum anderen hockte er unmittelbar an einer Fensterfront. Ein Platz an der Sonne, ehe es ernst wird.

Olympiakos dürfte den Bayern allerdings im Normalfall nicht besonders zusetzen, obwohl Rummenigge artig vor der Kulisse warnte: „Wir sollten sie nicht unterschätzen, da haben schon Mannschaften wie Dortmund und Manchester United ihr blaues Wunder erlebt.“ Im letzten Jahr gewann Piräus alle drei Vorrundenspiele zuhause, sogar Finalist Juventus Turin ging als Verlierer vom Platz. Doch auch der Bayern-Boss fand trotz aller Unkenrufe: „Unsere erfahrene Mannschaft darf sich da nicht aus der Ruhe bringen lassen.“

Götze mit dabei - Bilder vom Abschlusstraining

Personell gab es bei den Münchnern vor der Abreise keine neuen Hiobsbotschaften, im Gegenteil: Mario Götze, zuletzt nicht im Kader, zog seinen Rollkoffer wie alle anderen Spieler Richtung Flieger. Er kam als Letzter aus dem Bus, aber er ist dabei. Ebenso gehört Javi Martinez nach seiner 14 Monate langen Verletzungspause zum Kader. Philipp Lahm ist verschnupft, gibt aber Entwarnung: „Wir sind bei 100 Prozent, wenn wir alles abrufen, wird es hier nur einen Sieger geben: uns.“

Das Spiel heute Abend ist der 200. Auftritt der Münchner in der Champions League. Einst begannen sie mit einem 0:2 gegen Paris St. Germain, seitdem haben sie in Europas Eliteliga beachtlich Karriere gemacht. „Wir werden es noch einmal probieren, die Champions League zu gewinnen. Aber für mich hängt es nicht davon ab, ob die Saison gut oder schlecht war“, sagte Guardiola. Ein bisschen tiefstapeln, ein bisschen flunkern gehört zum Geschäft.

Seine letzten Ausführungen zum Spiel gegen Olympiakos gab der Coach Dienstag übrigens im Saal „Aphrodite“ des Mannschaftshotels kund. Bei Romantikern dürfte das Hoffnungen schüren, dass es im dritten Anlauf etwas wird zwischen Guardiola als Bayern-Coach und der Champions League-Trophäe. Aphrodite ist die Göttin der Liebe, der Schönheit, der Begierde. Und nach nichts dürstet es diesem Verein und seinem Coach mehr als nach dem Triumph in der Königsklasse. Angriff auf den Olymp. Eine Herkules-Aufgabe.

awe

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