Ex-Sechziger Jung über seine Arbeit

Wie der FC Bayern sich Talente schnappt

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Jürgen Jung (r.), hier im Mai 2011 mit dem damaligen 1860-Präsidenten Dieter Schneider.

München - Jürgen Jung, Ex-Löwe und Chefscout der FC-Bayern-Jugendteams, erklärt, wie und wo er Nachwuchskicker sichtet, wo in Bayern die Talente schlummern und wie sie Roten vorgehen.

Seit 2012 ist Jürgen Jung Chefscout im Jugendteam beim FC Bayern. Zuvor war er zehn Jahre lang der Nachwuchskoordinator beim Lokalrivalen 1860. "Die Möglichkeiten für meine Arbeit und für die Talente, sich optimal zu entwickeln, sind hier in nahezu allen Bereichen deutlich besser", sagt Jung über seinen Wechsel von rot zu blau. Wenn sich einer mit dem Fußball-Nachwuchs auskennt, dann er. Im Interview mit dem Focus erklärt Jung, ab wann Spieler für ihn interessant werden.

"Bei Elf- und Zwölfjährigen erkennst Du relativ schnell, wer gut kicken kann", sagt Jung. "Später, bei den 15- oder 16-Jährigen, wenn die Spitze sehr nahe beieinander ist, ist es schwieriger zu sagen, wer ein Spieler ist, der es nach oben schaffen und bei Bayern spielen kann."

Sein Team von insgesamt 20 Scouts ist in der gesamten Bundesrepublik im Einsatz. Beachtet werden dabei auch die möglichen Anfahrtswege der Jungkicker, wie Jung erläutert.  Beispielsweise ist eine Entfernung von 30 Kilometern bei einem Zehnjährigen in den Augen der Bayern-Scouts okay, bei 13- oder 14-Jährigen bis zu 90 Kilometer, und bei den über 15-Jährigen gibt es keine Grenzen mehr.

Regional gibt es bei der Dichte von Talenten tatsächlich Unterschiede. "In Bayern ist das Allgäu ein Gebiet, aus dem immer wieder gute Talente kommen", weiß Jung. "Niederbayern und das Inn/Salzach-Gebiet sind normalerweise auch gute Ecken, in der viele Talente aufwachsen."

Wo Bayerns Top-Talente heute spielen

Wo Bayerns Top-Talente heute spielen

Die Vorgehensweise der Bayern bei Jugendspielern ist stets die gleiche. "Wenn es sich um einen noch kleinen Jungen handelt, geht man meistens auf den Verein und die Eltern zu. Wir sagen ihnen dann: Der Junge ist talentiert, wir würden ihn gerne mal beim Training sehen. Der Junge wird danach beim Training oder beim Spiel beurteilt." Der Fokus liegt dabei komplett auf dem Sportlichen Bereich, wie Jürgen Jung sagt. "Uns interessiert zunächst nicht, ob einer in einem geborgenen Familienumfeld aufwächst oder ob und welche familiären Probleme bestehen. Allerdings ist das Wissen darüber oft wichtig, um gute Entscheidungen für den Jungen zu treffen und Hilfestellungen geben zu können."

Ob sich die Bayern-Fans schon auf neue Lahms, Müllers und Schweinsteigers freuen dürfen? "Es gibt sehr viele hoffnungsvolle Nachwuchstalente im Junior-Team des FC Bayern, denen wir zutrauen, zukünftig den Sprung in den Profibereich zu schaffen", sagt Jung verheißungsvoll.

fw

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