Vertrauensverlust 

Cocos Kopfproblem - Tolisso kämpft nach Kreuzbandriss mit „gesunder Angst“

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FC-Bayern-Star Corentin Tolisso: Nachwirkungen seiner Knieverletzung machen ihn das Training schwer.

Im September 2018 zog sich FC-Bayern-Star Corentin Tolisso durch einen Zusammenprall beim 3:1 gegen Bayer Leverkusen einen Kreuzbandriss und eine Verletzung im Außenmeniskus zu.  Seitdem arbeitet der Mittelfeldspieler am Comeback - doch das gestaltet sich schwierig. 

Update vom 20. Oktober 2019: Er fasste sich ans Herz! Am Sonntag hat Corentin Tolisso das Training des FC Bayern München abgebrochen.

Mitte März endete die lange Leidenszeit von Corentin Tolisso – zumindest auf den ersten Blick. Der Franzose durfte nach Kreuzband- und Außenmeniskusriss im rechten Knie erstmals wieder mit den Bayern-Teamkollegen trainieren. Rasen statt Reha! Coach Niko Kovac machte von Beginn an klar, Tolisso alle Zeit der Welt einzuräumen. 

Corentin Tolisso zeigt sich mental belastet

Gut eineinhalb Monate nach seinem Trainingscomeback plagt sich der Weltmeister aber noch immer mit den Nachwirkungen seiner schweren Knieverletzung herum. Vor allem mental ist Tolisso noch nicht wieder der Alte – Coco hat ein Kopfproblem… Zwei Mal beendete Tolisso Einheiten vorzeitig, zwei Mal hatte sich das operierte Knie gemeldet. Kovac erklärt: „Er ist sehr sensibilisiert. Nach jedem Zweikampf, in dem er das Knie spürt, bekommt er einen Schreck. Aber das ist normal.“ Das sieht auch Marko Bokan, Leiter der Physiotherapie am Isarklinikum, so. Der Experte sagt: „Dass ein Profisportler besonders auf seinen Körper hört und jede kleinste Bewegung interpretiert, ist vollkommen normal. Schließlich hängt die ganze Karriere von seiner Gesundheit ab. Profis machen sich deswegen sogar meist mehr Gedanken als Hobbysportler.“ 

Verletzungen waren bei Corentin Tolisso bislang die Ausnahme

Für Tolisso ist die schwere und langwierige Verletzung Kreuzbandriss zudem komplettes Neuland. Der 24-Jährige fiel bislang einzig mit Oberschenkelzerrung oder Schienbeinprellung länger aus. Dann der Schock im September 2018 beim Heimspiel gegen Bayer Leverkusen. Tolisso kämpfte sich Schritt für Schritt heran, betrieb Muskelaufbau am Oberschenkel und verbrachte endlose Stunden mit Reha-Übungen. Das hilft, bereitet aber nicht auf den absoluten Ernstfall vor. Sportphysiotherapeut Bokan erklärt: „Wenn der Spieler in einen Zweikampf geht, fehlen die Automatismen. Die Bewegungsabläufe sind etwas Neues – und es braucht Zeit, sich wieder daran zu gewöhnen.“ Die Bayern-Physios untersuchten Tolisso nach seinem ersten Trainingsabbruch und zeigten ihm, dass das Knie der ungewohnten Belastung standhält. 

Tolisso muss wieder lernen, seinem Knie zu vertrauen

Bokan meint: „Tolisso muss sehen, dass sein Handeln keine Konsequenzen fürs Knie hat. Er braucht positive Unterstützung von den Physiotherapeuten. Dann gibt sich die gesunde Angst nach ein paar Mal.“ Denn die ganze Reha ist ein Lernprozess. Auch Hobbysportler müssen anfangs wieder lernen, dem einst kaputten Knie zu vertrauen. Das fängt mit einbeinigem Springen auf dem Trampolin an und endet irgendwann bei komplexeren Bewegungen. Ganz vergessen wird Coco seinen Kreuzbandriss aber nie, wie der Physiotherapie-Leiter des Isarklinikums erklärt: „Je länger ein Sportler verletzungsfrei ist, desto mehr rückt die Verletzung in den Hintergrund. Komplett ignorieren kann man einen Kreuzbandriss aber nicht, sondern man muss lernen, damit umzugehen.“ In diesem Prozess befindet sich Coco gerade.

Jonas Austermann

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