Ist das gerecht?

„Leben im anderen Kosmos“: Politikerin kritisiert den Fußball am Beispiel FC Bayern scharf

Thomas Müller steigt im Sonderanzug aus dem Flugzeug - Dagmar Freitag kritisiert den Fußball scharf.
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Thomas Müller steigt im Sonderanzug aus dem Flugzeug - Dagmar Freitag kritisiert den Fußball scharf.

Der FC Bayern München hat in Katar seinen sechsten Titel geholt - Politikerin Dagmar Freitag gefällt das Drumherum überhaupt nicht.

München - Es sind besondere Zeiten, in denen vor allem Profi-Sportler einen normalen Tagesablauf haben. Das Privileg durch die Welt zu reisen und ihrem Job nachzugehen hebt sich zusätzlich noch von dem des Normalbürgers ab, wenn es um ständige Testungen oder Quarantäne-Regeln geht. Vor allem der Fall Thomas Müller, der sich in Katar mit dem Coronavirus infizierte, schlug hohe Wellen. Eine Sonderbehandlung, die zu aberwitzigen Bildern bei seiner Ankunft in München führte*. Politikerin Dagmar Freitag von der SPD gefällt die besondere Stellung des Fußballs gar nicht.

Corona, Fußball und die Sonderrolle: „Anderer Kosmos“

„Der Profifußball, und auch andere Sportarten, leben offensichtlich in einem anderen Kosmos, in dem Rücksichtnahme ein Fremdwort ist“, sagte die Vorsitzende des Sportausschusses dem Deutschlandfunk. Sportler wie etwa die Profis des FC Bayern, die zur Club-WM nach Katar gereist waren, sollten nach ihrer Rückkehr in Quarantäne, forderte Freitag laut der Deutschen Presse-Agentur.

Müller, der in Katar positiv getestet wurde, kam in einem Privatjet zurück nach Deutschland und begab sich umgehend in Quarantäne. All seine Kontaktpersonen - die Mannschaftskameraden - bereiten sich derweil auf das Spiel in Bielefeld am Montag, dem 15. Februar vor. Für Freitag unverständlich. „Was für den Normalbürger gilt, muss auch für rückreisende Profimannschaften gelten. Insbesondere, wenn eine Mannschaft zurückkommt, die selbst einen aktiven Corona-Fall im Team gehabt hat“, sagte die 67-Jährige. Auch der Münchner Sportmediziner und Internist Karlheinz Zeilberger war der tz* gegenüber verwundert. Er hält das Reisen „nicht nachvollziehbar aus Medizinersicht“.

Corona: Fußballwochen werden absurd - Teams jetten durch ganz Europa, um Heimspiele abzuhalten

Für Freitag sei es „schwierig zu vermitteln, dass ein ganz kleiner Teil der Bevölkerung offensichtlich Rechte genießt, die mit dem, was für alle anderen gilt, nichts mehr zu tun haben“, sagte die Politikerin. Vor allem in den kommenden Wochen wird es absurd, wenn bei internationalen Wettbewerben aufgrund des Einreiseverbots von britischen Teams Spiele überall in Europa stattfinden. Leipzig und Gladbach bestreiten ihre „Heimspiele“ in der Champions League in Budapest, Atlético Madrid trifft am 23. Februar in Bukarest auf den FC Chelsea aus London, die TSG Hoffenheim bestreitet ihr Hinspiel gegen Molde FK statt in Norwegen am kommenden Donnerstag im Stadion des FC Villarreal in Spanien. Real Sociedad San Sebastián spielt statt in Spanien in Turin gegen Manchester United. (ank mit dpa und SID) *tz.de ist Teil des Ippen-Netzwerks

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