FCB-Legende im tz-Interview

Hamann: "Glaube nicht an lange Bayern-Ära von Pep"

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Didi Hamann lobt Champions-League-Sieger Barcelona – und nimmt Bayern in die Pflicht.

München - Bayern-Legende und Sky-Experte Didi Hamann findet, dass der FC Barcelona die Champions League verdient gewonnen. Für den FCB hat er Tipps, wie er auch wieder auf dieses Niveau kommen kann.

Robert Lewandowski macht derzeit Abenteuerurlaub in der Heimat, Mario Götze feierte auf Ibiza – der Hotspot am Wochenende war aber Berlin, wo der FC Barcelona mit einem 3:1 über Juventus (Tore: 0:1 Rakitic (4.), 1:1 Morata (55.), 1:2 Suarez (68.), 1:3 Neymar (90.+7)) zum fünften Mal den Henkelpott holte und in eine lange Feiernacht abtauchte. Da trübte auch kaum die Ungewissheit um die Zukunft von Trainer Luis Enrique die Partylaune. So oder so: Die Erfolgsbilanz dieses Klubs ist beeindruckend! Wie auch die Roten wieder in diese Sphären vorstoßen können? Die tz hat Sky-Experte und Bayern-Legende Didi Hamann (41) gefragt.

Herr Hamann, ist Barcelona der verdiente CL-Sieger 2015?

Hamann: Sie waren in Berlin die bessere Mannschaft, geglänzt haben sie allerdings nicht. Gegen Juve haben sie in etwa 75 Prozent von dem abgerufen, was sie eigentlich draufhaben. Gereicht hat es trotzdem.

Im Halbfinale gegen Bayern mussten sie sich mehr anstrengen, oder?

Hamann: Man hat einfach das Gefühl, dass sie – wenn nötig – immer noch ein, zwei Gänge hochschalten können. Gegen Juve hat man es gesehen: Kaum fällt der Ausgleich, machen sie wieder ernst. Gegen Bayern haben sie in beiden Partien besser gespielt, deswegen war der Käse in München nach einer halben Stunde schon gebissen.

Wie kommt’s, dass Barcelona sechs Jahre nach dem letzten Triple wieder das Maß aller Dinge ist?

Hamann: Alles steht und fällt mit Messi. Er ist der Puls der Mannschaft. Als sie sich vor zwei Jahren sieben Stück gegen die Bayern gefangen haben, war er ja gesundheitlich angeschlagen. Und ohne ihn ist Barca nicht mehr ganz so übermächtig. Mit Neymar und Suarez hat man sich aber optimal verstärkt, dazu kommt noch der unheimlich unterschätzte Rakitic, der sich ebenfalls wunderbar eingefügt hat. Ob sie deswegen besser sind als vor sechs Jahren? Schlechter bestimmt nicht! Was die kicken – das ist schon ein anderer Sport im Vergleich zum Rest der Mannschaften.

Muss der FCB jetzt ebenso tätig werden auf dem Transfermarkt?

Hamann: Das Problem ist, dass mit Robben und Ribéry langsam die Spieler ins Alter kommen, die die vergangenen Jahre über entscheidend waren. Ein, vielleicht zwei Jahre sind noch drin, umschauen sollte man sich aber jetzt schon. Schweinsteiger und Alonso werden auch nicht jünger. Ich stimme Kalle Rummenigge dahingehend zu, dass man jetzt nicht mit der Axt dazwischenhauen und die ganze Truppe verändern muss. Aber: Irgendwann muss man dieses Thema angehen, denn wenn du noch mal sechs oder zwölf Monate wartest, ist es möglicherweise zu spät.

Also muss man langsam den Generationswechsel einleiten?

Hamann: Ein großer Teil der Mannschaft ist ja noch nicht so alt. Müller, Badstuber, Alaba – auch Rode würde ich mehr Minuten geben! Ich bin der Meinung, dass der völlig unterschätzt ist. Aber die größte Notwendigkeit besteht auf den Außenpositionen, wo es nur eine Handvoll Spitzenkicker gibt. Hazard von Chelsea, Neymar, Messi und vielleicht noch ein, zwei weitere.

Im Gespräch sind auch Liverpools Sterling und Griezmann von Atlético. Müssen die Bayern heuer ein bisschen tiefer ins Portemonnaie greifen?

Hamann: Es kommt immer darauf an. Die Bayern sagen ja, dass sie bis zu hundert Millionen bezahlen können. Wenn du dafür einen Hazard oder Neymar holen kannst, wäre es kein Problem, wenn man dafür 60, 70 oder 80 Millionen ausgibt. Für einen Griezmann oder Sterling würde ich das aber nicht tun. Es muss schon Sinn machen.

Welche Rolle spielt auch die Kontinuität auf dem Posten des Trainers?

Hamann: Es vereinfacht die Sache enorm. Bayern war schon immer ein Klub, der bei Transfers großes Mitspracherecht hatte – was ich für gut empfinde, denn ein Trainer kann ja bereits nach sechs Monaten weg sein. Abstimmen sollte man sich aber dennoch, schließlich kann der Verein ja schlecht einen Spieler holen, den der Trainer nicht will. Und wenn der noch zwei, drei Jahre Vertrag hat, kann man natürlich ganz anders planen. Aber soll ich Ihnen mal etwas sagen?

Bitte!

Hamann: Ich bin weiterhin der Meinung, dass Guardiola sich beweisen muss. Er hat es bisher ordentlich gemacht, vor allem in der Liga, aber die Messlatte ist und bleibt die Champions League. Und dort haben sie vergangenes Jahr 0:4 gegen Madrid und dieses Jahr nach zwei Spielen 4:2 gegen Barca verloren – und zwar mit einem Kader, der wohl genauso teuer ist. Da wurden sie vorgeführt. So kann und darf ein FC Bayern nicht ausscheiden. Hinzu kommt, dass Guardiola enorme Ansprüche an sich selbst stellt und sich daher schnell abnutzt. Ich bezweifle, dass er länger als drei, vier Jahre bei einem Verein arbeiten kann. Daher glaube ich auch nicht, dass es eine lange Ära Guardiola beim FC Bayern geben wird.

Jürgen Klopp steht ja bereit...

Hamann: In den nächsten zwei oder drei Jahren geht er noch nicht zu Bayern. Ich denke, dass er mindestens noch einen Job annehmen wird. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er bereits nächstes Jahr in München ist.

Interview: José Carlos Menzel López

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