"Die letzten Meter sind Talentsache"

Darum glaubt Pep an seine Offensiv-Kräfte

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Volltreffer! Nur zehnmal in den vergangenen sechs Spielen bauschte sich das Netz – und in Moskau brauchte es dazu einen Müller-Elfmeter.

München – Was dem FC Bayern fehlt: Tore. Zehn in den vergangenen sechs Spielen sind nicht viel für Bayern-Verhältnisse. Warum Pep Guardiola glaubt, dass seine Bayern jetzt wieder mehr Tore schießen werden:

Wenn an diesem Samstagnachmittag die Mannschaften des FC Bayern und von Hannover 96 zum Aufwärmen das Feld der Allianz Arena betreten, wird es zu einem überraschenden Begrüßungszeremoniell kommen. Zwischen einem Spanier auf Münchner und einem Türken auf niedersächsischer Seite.

Xabi Alonso, von Beruf Weltstar, der seit ein paar Wochen die Strategie im Bayern-Mittelfeld bestimmt, und Tayfun Korkut, der seit einem Dreivierteljahr Trainer der Sechsundneunziger ist, werden einander herzen wie alte und vertraute Bekannte. Weil sie genau das sind.

Saison 2002/03: Mittelfeldkollegen bei Real Sociedad San Sebastian in der spanischen Primera Division sind Xabi Alonso, ein aufstrebender 21-Jähriger, und Tayfun Korkut, schon deutlich älter, 28. Mit ihnen steht San Sebastian sogar mal zwei Spieltage an der Tabellenspitze, am Saisonende ist es Platz sieben. Korkut wechselt zu Espanyol Barcelona und anschließend Besiktas Istanbul, wo die Spielerkarriere ausklingt. Alonso entwickelt sich noch ein Jahr in San Sebastian weiter. Stationen danach: je fünf Jahre Liverpool und Real Madrid. Und nun Bundesliga. Gegen Hannover und Korkut. Die Welt ist klein.

Die Erinnerung, die Xabi Alonso an den einstigen Mitspieler von Real Sociedad San Sebastian hat – und so übermittelte er es auch seinem jetzigen Trainer Pep Guardiola: „Ein superguter Spieler, technisch stark, intelligent.“ Für Guardiola ist klar: „Korkut ist auch ein guter Trainer.“ Ihm hat gefallen, wie die 96er im letzten Spiel beim VfB Stuttgart das System umstellten (auch wenn es die 0:1-Niederlage nicht verhinderte). „Hannover hat zehn Punkte, nur vier weniger als wir“, rechnet er.

Mit der Bundesligapartie zwischen Alonso und Korkut respektive den Bayern und Hannover endet wieder eine Phase der Saison 2014/15. Es ist das letzte Spiel während der Wiesn-Zeit, in der die Münchner zwar zwei Punkte in Hamburg liegen ließen. aber ohne Gegentor blieben (0:0 in Hamburg, 4:0 gegen Paderborn, 2:0 in Köln, 1:0 bei ZSKA Moskau). Begonnen hatte der terminintensive Lebensabschnitt („Sieben Spiele in 22 Tagen“) aber schon eine Woche vor dem Oktoberfest mit dem 2:0 über Stuttgart, gefolgt vier Tage später vom 1:0 über Manchester City. Seinen letzten Gegentreffer hat der FC Bayern am 30. August (1:1 auf Schalke) kassiert, somit hat er den ganzen September keine erfolgreiche Toraktion seiner Kontrahenten zugelassen.

Die Liga geht nun in eine Länderspielpause, es ist EM-2016-Qualifikation, zwei Wochen wird es ruhiger zugehen an der Säbener Straße. Bevor sich die Mannschaft wie üblich zerstreut, zieht sie noch auf dem Oktoberfest ein. Sonntag, früher Nachmittag, Käfer-Schänke, weltberühmte Spanier in Lederhosen, die Touristen werden was zum Schauen haben.

Man wird auf der Wiesn wohl auch diejenigen sehen, die derzeit nicht spielen können: Javi Martinez, wegen seiner Kreuzband-OP noch auf Krücken unterwegs; Thiago, über dessen Comeback nach einer Innenband-Geschichte für Mitte Oktober spekuliert wird (Guardiola hebt abwehrend die Hand: „Ruhig, ruhig“); Franck Ribery, der auch gegen Hannover nicht im Kader steht, und Bastian Schweinsteiger. Er fährt im Fitnessraum an der Säbener Straße beherzt Ergometer – „aber wir spielen mit dem Ball, nicht mit dem Rad“, sagt Guardiola und gibt zu erkennen, dass es für den Patellasehne-Patienten Schweinsteiger ein wochen-, womöglich monatelanger Weg zurück auf den Platz ist.

Der Trainer sagt, er müsse die Situation vor dem Hintergrund der verletzungsbedingten Ausfälle und der Weltmeisterschafts-Nachwirkungen betrachten – und da ist er „zufrieden. Wir sind weit davon entfernt, das Spiel total zu kontrollieren, aber wir sind in dieser Periode besser als im vorigen Jahr.“

Was fehlt: Tore. Zehn in den vergangenen sechs Spielen sind nicht viel für Bayern-Verhältnisse. Ganz vorne wünscht Guardiola sich „mehr Aggressivität“. Ansonsten beruhigt er sich mit der Weisheit, „dass auf den letzten zehn bis 15 Metern komplett Talent“ entscheidet und mit den Namen aus seiner Offensivfraktion: „Pizarro, Müller, Lewandowski, Robben, Ribery, Shaqiri – sie alle haben die Qualität.“

Blick auf die Bundesliga: Borussia Dortmund hat Pep Guardiola noch nicht abgeschrieben, „sie können fünf, sechs, sieben, acht, neun Spiele hintereinander gewinnen und bleiben ein großer, großer Konkurrent. Neu sind Leverkusen und Mönchengladbach.“ Was jetzt geschieht, betrachtet der Trainer als noch nicht entscheidend: „Im Oktober ist noch keiner Meister geworden.“ Kurze Pause. „Vielleicht im März.“ Darauf am Sonntag aber schon mal ein Glas. Ein großes.

Günter Klein

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