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Dieter Hoeneß kritisiert Bayern-Bosse wegen Katar-Krach: „Nicht clever gemacht“

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Von: Marcus Giebel

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Dieter Hoeneß (l.) und Herbert Hainer stehen nebeneinander und halten Klatschpappen in der Hand
„Ungeschickt, am Schluss abzuwürgen“: Dieter Hoeneß (l.) versteht das Vorgehen von Bayern-Boss Herbert Hainer auf der Jahreshauptversammlung nicht. © imago images/kolbert-press/Christian Kolbert

Schulterklopfer durften Herbert Hainer und Oliver Kahn nach der Jahreshauptversammlung nicht erwarten. Mit Dieter Hoeneß gab ein ehemaliger Bundesliga-Manager nun seine Meinung kund. Er sieht auch die Zwickmühle der Bayern-Bosse.

München - An diesem Wochenende diskutiert Fußball-Deutschland weniger über die Ergebnisse in der Bundesliga, sondern über die Geschehnisse im Audi Dome am Donnerstagsabend. Zum Ende der Jahreshauptversammlung des FC Bayern hatte die Menge wegen des auf die lange Bank geschobenen Streits um den Katar-Deal getobt.

„Wir sind Bayern und ihr nicht“, scholl es Vorstandsboss Oliver Kahn, Präsident Herbert Hainer und den übrigen Klub-Bossen entgegen. Oder: „Wir sind die Fans, die ihr nicht wollt.“ Der Nachfolger von Uli Hoeneß wurde besonders herausgepickt, musste „Hainer raus“-Rufe über sich ergehen lassen - weil er die Runde der Wortbeiträge einfach abgewürgt hatte?

Hainer und Kahn brauchen als Bayern-Bosse auch das Gespür für die Sorgen der Anhänger

Jedenfalls rätseln Fans und Experten landauf, landab seither, ob die neue Führungsriege dieser enorm schwierigen Aufgabe überhaupt gewachsen ist. Schließlich gilt es, den mitgliederstärksten deutschen Fußballverein zu führen und dabei das Gespür für die Sorgen der Anhänger nicht aus den Augen zu verlieren. Wie einen Groß-Konzern können der ehemalige Adidas-Chef und der einstige Weltklasse-Keeper den Klub jedenfalls nicht lenken. Das sollte ihnen aber schon vorher klar gewesen sein.

Falls sie Tipps für den richtigen Umgang mit der vertrackten Situation benötigen sollten, beim „Doppelpass“ auf Sport1 gab es die gratis. Dieter Hoeneß saß zwar in der Säbener Straße nie an den Schalthebeln, dafür aber bei Hertha BSC und beim VfL Wolfsburg. Über die Vorkommnisse am Donnerstag kann er nur mit dem Kopf schütteln.

„Bayern München hat es nicht clever gemacht“, monierte das einstige Kopfballungeheuer: „Man hätte vorher einen runden Tisch machen und diese Dinge diskutieren müssen. Eine Mitgliederversammlung, die sehr emotional ist, ist nicht geeignet, um so ein komplexes Thema sinnvoll zu behandeln.“

Oliver Kahn (l.) und Herbert Hainer stehen nebeneinander vor einer roten Wand
Masken runter, Zeit für klare Ansagen zum Katar-Deal: Vorstands-Boss Oliver Kahn (l.) und Präsident Herbert Hainer haben einen neuen Brandherd beim FC Bayern zu löschen. © Stefan Matzke/sampics

Hoeneß über Bayern-Bosse: „Da waren sie nicht besonders gut vorbereitet“

Auch Hainers Einschreiten hält er für kontraproduktiv: „Das war ungeschickt, am Schluss abzuwürgen. Da sind ein paar Dinge passiert, da waren sie nicht besonders gut vorbereitet.“

Allerdings zeigte der einstige Manager auch Verständnis für die Sichtweise der Bosse. Denn im Grunde ist der FC Bayern ja doch auch ein großes Wirtschaftsunternehmen. „Ein Verein hat gesellschaftspolitische Verantwortung, aber auch eine wirtschaftliche“, erinnerte Hoeneß: „In diesem Spagat befindet sich jeder. 17 Prozent von VW gehört Katar. Man muss das ein bisschen herunterfahren.“

Kahn genießt für ihn offenbar noch Welpenschutz: „Für ihn ist es auch Neuland. Es war seine erste Veranstaltung, er muss sich da erst hineinfuchsen.“ Allerdings gelte auch: „Sicherlich hätte man von ihm zu diesem Thema ein bisschen mehr erwartet.“

Video: Jahreshauptversammlung für Nagelsmann „bisher schlimmste Veranstaltung“

Effenberg weiß: In Kahns neuer Rolle „braucht es Zurückhaltung und Geduld“

Auch der ebenfalls in der „Doppelpass“-Runde anwesende Stefan Effenberg hat über seinen einstigen Teamkollegen bereits festgestellt: „Kahn redet im Anzug ein bisschen anders als im Trainingsanzug. Er ist aber auch in einer entscheidenden Rolle, da braucht es Zurückhaltung und Geduld.“

Tauschen wollen würde der Sport1-Experte aber wohl auch nicht: „Es ist keine einfache Situation auf Katar bezogen. Der Vertrag mit Qatar Airways läuft 2023 aus und die Mitglieder verlangen eine klare Antwort, ob dieser verlängert wird. Ich glaube, dass es bald eine klare Kommunikation geben wird.“

Mittlerweile hat Kahn via Twitter zum Thema Katar verkündet, sich „ein möglichst breites Meinungsbild unserer Mitglieder einholen“ zu wollen. Zuvor hatte schon FCB-Fan Michael Ott, der den Katar-Deal überhaupt erst für die Jahreshauptversammlung in den Fokus rückte, über ein Telefonat mit Hainer berichtet, in dem ein persönliches Gespräch verabredet worden sei.

Es tut sich also langsam etwas in Sachen Katar-Deal. Nur zum Leidwesen vieler nicht vor den Augen der Öffentlichkeit. Was für den FC Bayern nur gut sein kann. (mg)

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