Probleme mit dem Fiskus

Bayern-Gegner Zagreb: Außenseiter mit zweifelhaftem Ruf

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Ante Coric (l.) gilt als Dinamos großer Hoffnungsträger.

München - Bayern-Gegner Zagreb ist auf internationaler BÜhne noch ohne große Lorbeeren, in Kroatien aber als Talentschmiede anerkannt. Der Klub hat allerdings auch große Probleme mit dem Fiskus.

Fußball in Kroatien kann eine kuriose Angelegenheit sein. Vor einer Woche stand in der nationalen Liga HNL der zehnte Spieltag an, zehn Klubs kämpfen dort um die Meisterschaft. Am Ende des Wochenendes, nach 450 Minuten plus fünfmal Nachspielzeit, war exakt ein Tor gefallen. NK Lokomotiva Zagreb besiegte NK Split, die vier weiteren Partien endeten 0:0.

Wenige Tage zuvor waren aus Kroatien ebenfalls erstaunliche Nachrichten gekommen. Dinamo Zagreb hatte den FC Arsenal mit 2:1 bezwungen. Die Mannschaft, die heute Gast des FC Bayern ist, gilt in der Vorrundengruppe F der Champions League als Leichtgewicht, aber an diesem Abend erlebte der Gegner aus der Premier League eine böse Überraschung. Arsenal, auswärts in jeder Hinsicht für Überraschungen gut, hatte dem laufintensiven, zweikampfbetonten Spiel des Außenseiters wenig entgegenzusetzen, lag früh durch ein Eigentor zurück und kam erst elf Minuten vor Schluss zu einem eigenen Treffer.

Für den Abend in München hat dieses Spiel keine Aussagekraft. Im eigenen Land ist Dinamo zwar seit 54 Ligaspielen unbesiegt, doch auf europäischer Bühne ist der Klub bislang nur selten in Erscheinung getreten. Vor dem Arsenal-Coup fiel Zagreb in der Königsklasse zuletzt im Dezember 2011 auf, damals äußerst unrühmlich. Nach 1:0-Führung verlor man das letzte Gruppenspiel daheim gegen Olympique Lyon mit 1:7, womit die Franzosen sich noch für das Achtelfinale qualifizierten. Weil das Abwehrverhalten der Gastgeber nicht bei allen Toren professionell wirkte, nahm die französische Glücksspielbehörde am Tag nach dem Spiel Ermittlungen auf, die aber kein Ergebnis brachten.

Zuletzt waren es erneut die Schattenseiten des Profifußballs, die Dinamo in die Schlagzeilen brachten. Im Juli wurden Zdravko und Zoran Mamic kurzzeitig festgenommen (außerdem ein Verbandsfunktionär und ein Steuerinspektor), der Vorwurf lautete Bestechung und Steuerhinterziehung. Zoran, der morgen seinen 44. Geburtstag feiert, war Ende der 90er-Jahre Bundesligaprofi in Bochum und Leverkusen und ist heute Dinamo-Trainer, sein älterer Bruder führt den Klub als Präsident. Wie der Funktionär wurden sie bald auf Kaution entlassen (der Steuerbeamte sitzt noch immer im Gefängnis), doch im nächsten Jahr werden sie sich vor einem kroatischen Gericht verantworten müssen. Insgesamt soll der Verein bei Spielertransfers um fast 16 Millionen, der kroatische Fiskus um zwei Millionen Euro betrogen worden sein.

Neulich erreichte die Angelegenheit auch die Nationalmannschaft des Landes. Luka Modric, der Star der Auswahl, wurde vernommen, sein Transfer zu Tottenham Hotspur aus dem Jahr 2008 für 21 Millionen Euro gilt als verdächtig. Das Beispiel zeigt auch: Viele Klassespieler haben ihre Karriere bei Dinamo gestartet. Neben Modric (heute Real Madrid) trugen Mario Mandzukic (FC Bayern, heute Juventus), Ivica Olic (HSV) oder Tin Jedvaj (Leverkusen) das Trikot, frühere Größen heißen Suker, Prosinecki und Boban. Zuletzt wechselte Alen Halilovic im Sommer 2014 für 6,5 Millionen Euro zum FC Barcelona (spielt mittlerweile aber in Gijon). Aktuell sind der junge Stürmer Marco Pjaca (20) und Mittelfeldspieler Ante Coric (18) die Hoffnungträger. An dem jungen Coric war auch der FC Bayern zu dessen Zeit in Salzburg interessiert.

Als Talentschmiede ist Dinamo weit über die Landesgrenzen hinaus anerkannt. In den vergangenen zehn Jahren spülten Transfers geschätzt 200 Millionen Euro in die Vereinskassen. Wo das viele Geld am Ende allerdings landete, ist eine ebenso spannende wie offene Frage. Beantworten kann sie nur Zdravko Mamic, der starke Mann, der den Verein wie ein Patriarch führt und mit seinem lauten, ungeschliffenen Auftreten prägt. Für ihn ist der heutige Champions League-Besuch in München einer der Höhepunkte seines Wirkens bei Dinamo.

Wie viele noch folgen können, wird nächstes Jahr die kroatische Justiz entscheiden.

Marc Beyer

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