Vorwurf der Langeweile

Bayern-Dominanz? Liga versinkt im Selbstmitleid

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Die vierte Meisterschaft infolge ist den Bayern wohl nicht mehr zu nehmen.

München - Mehr denn je ist eine landesweite Diskussion über die Alleinherrschaft der Bayern in der Bundesliga entbrannt. Dabei macht es sich der Rest der Liga zu einfach.

3:0 gegen Bayer Leverkusen, 5:1 gegen den VfL Wolfsburg, 5:1 gegen Borussia Dortmund. 13:2 Tore gegen drei der aktuell besten Bundesligavereine. Mit zehn Siegen aus zehn Partien und sieben Punkten Vorsprung bei einem Torverhältnis von +29 (!) steht der FC Bayern unangefochten auf Platz eins der Bundesligatabelle. Zugegeben: Die Zahlen der diesjährigen Bayern-Dominanz lesen sich wie ein schlechter Witz. Wer glaubt, das diesjährige Meisterschaftsrennen könne noch ein Hauch an Spannung versprühen, der gibt sich wohl einer Illusion hin. Auf dem lockeren Trab zur vierten Meisterschaft infolge sind die Bayern nicht mehr aufzuhalten. Dafür gebührt Ihnen der höchste Respekt, denn auch nach den Erfolgen in den vergangenen Spielzeiten haben sich die Münchner darauf nicht ausgeruht, sondern Schwachstellen analysiert, sofern es welche gab, und diese ausgemerzt. Der FC Bayern hat sich weiter entwickelt - natürlich hat man in München auch die finanzielle Kraft und einen der besten Trainer der Welt in seinen Reihen, um einen solchen Entwicklungsprozess anzustoßen - dennoch ist das nicht als selbstverständlich zu betrachten. Das Ergebnis: Die Münchner bewegen sich spielerisch seit geraumer Zeit auf einem Niveau mit dem FC Barcelona und Real Madrid. Das ist schon was.

Bundesligaklubs: Resignation anstatt Reaktion

Doch die Reaktionen der Ligakonkurrenten wirft Fragen auf. Anstatt den Kampf gegen die Bayern anzunehmen, scheint es, als ergebe man sich schon im Voraus seinem Schicksal. Natürlich kann man nie von einem Kollektiv reden, aber die Mehrheit der Liga ätzt in Richtung München mit dem Vorwurf, der FC Bayern schade mit seiner Dominanz der Liga und lasse die höchste deutsche Spielklasse zu einem langweiligen Wettbewerb verkommen.
Betrachtet man den vergangenen Spieltag, dann ist zwischen dem 1. FC Köln und dem FC Bayern augenscheinlich ein deutlicher Unterschied der individuellen Klasse zu sehen. Doch wenn man schon im Voraus andeutet, sowieso keine Chance gegen die übermächtigen Bayern zu haben und wie schon fünf Mannschaften zuvor mit zehn Feldspieler den eigenen Strafraum abzustecken, dann macht man es sich zu einfach. Ganz nach dem Motto: Lieber Resignation anstatt Reaktion.
Zur Zeit ist man in München sehr gut aufgestellt, doch auch dieser Zustand wird nicht von ewiger Dauer sein. Ergebnisse wie ein 5:1 gegen Dortmund oder Wolfsburg resultierten auch aus einer besonders guten Leistung der Bayern und teilweise kolossalen Versagen der gegnerischen Mannschaft. Diese Ergebnisse spiegeln jedoch zu keinem Zeitpunkt den Normalzustand wieder. Denn schon in naher Zukunft müssen auch die Münchner mit Umbrüchen und Veränderungen rechnen. So brachte es Dortmund-Trainer Thomas Tuchel nach der 1:5-Niederlage gegen den FC Bayern frei von irgendwelchen Vorwürfen auf den Punkt: "Sie bleiben immer hungrig und fokussiert auf ihr Spiel. Sie strahlen den Ursprung des Leistungssports aus." Daran sollte nichts verwerflich sein.

kus

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