Alle vier Bundesligisten im Achtelfinale

Kommentar zum deutschen Erfolg in der Champions League: Darum hilft das Joachim Löw nicht!

Die Spieler von Borussia Mönchengladbach feiern in Madrid.
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Jubel nach der Pleite bei Real Madrid: Borussia Mönchengladbach schaffte den Sprung ins Champions-League-Achtelfinale.

Zum ersten Mal seit sechs Jahren schaffen alle Bundesligisten den Sprung ins Achtelfinale der Champions League. Profitiert davon das DFB-Team? Der tz-Kommentar.

  • Erstmals seit der Saison 2014/2015 schaffen es alle Bundesliga-Klubs ins Achtelfinale der Champions League.
  • Erste Stimmen frohlocken, dass dieser Erfolg auch Joachim Löw und dem DFB-Team hilft.
  • tz-Reporter Jonas Austermann ordnet das Abschneiden von FC Bayern und Co. ein.

München - Zwei Tage war die Videokonferenz des Joachim Löw alt, als sich am Horizont des deutschen Fußballs ein Silberstreif auftat. Nach dem FC Bayern, Borussia Dortmund und RB Leipzig schaffte am Mittwochabend auch Borussia Mönchengladbach den Sprung ins Achtelfinale der Champions League. Vier Bundesligisten in der ersten K.o.-Runde der Königsklasse hatte es zuletzt vor sechs Jahren gegeben.

Was das mit dem Bundestrainer zu tun hat? Löw, der sich in seiner Rede an die Fußball-Nation ziemlich ideenlos präsentierte und stets auf die Entwicklung der Spieler verweist, könnte doch von starken deutschen Klubs profitieren. Klingt plausibel, ist es aber nur bedingt. „Als Nationaltrainer bist du darauf angewiesen, wie viele Deutsche spielen. Löw wird durchzählen“, meinte Bayern-Trainer Hansi Flick.

FC Bayern und Co.: 30 Prozent der Startformationen dürften fürs DFB-Team spielen

Und wer durchzählt, kommt zu folgendem Ergebnis: In den Startformationen der Bundesligisten standen 13 Deutsche, das macht knapp 30 Prozent. Die Klubs aus Spanien (27 Prozent) und England (31) kommen beim Einsatz von einheimischen Spielern auf ähnliche Werte. Ein echter Wettbewerbsvorteil fürs DFB-Team erwächst daraus also nicht.

tz-Reporter Jonas Austermann

Interessanter ist der Blick in die Vergangenheit. 2014/2015, als sich mit Bayern, Dortmund, Schalke und Leverkusen letztmals alle vier deutschen Vertreter fürs Achtelfinale qualifizierten, waren noch fast die Hälfte aller eingesetzten Spieler für die deutsche Auswahl spielberechtigt (48 Prozent). Damals waren diese Kicker im Schnitt 25,5 Jahre alt, heute sind die deutschen Kräfte bei Bundesligisten gut drei Jahre älter.

FC Bayern ist der deutsche Alleinunterhalter in der Champions League

Diese Zahlen bestätigen einen Trend im deutschen Fußball: Es wird für einheimische Talente immer schwieriger, auf die so wichtige Spielzeit zu kommen. „Für ein großes Turnier ist es wichtig, dass man erfahrene Spieler hat, die immer wieder in großen Spielen gefordert werden“, sagt Flick. Aus dem letzten DFB-Aufgebot sind neun der 23 Akteure heuer nicht in der Königsklasse am Ball.

Denen fehlt der sportliche Vergleich auf allerhöchster Ebene. Die wirklich großen Spiele stehen übrigens ab Mitte Februar an - und dann ist es mit der deutschen Herrlichkeit womöglich schnell vorbei. So wars übrigens auch vor sechs Jahren: Nach dem Achtelfinale waren nur noch die Bayern im Rennen. Und das ist kein Einzelfall! Leipzig zog letzte Saison ins Halbfinale ein, Ausnahmen bestätigen die Regel. In den wichtigen Spielen liefern sonst nur die Münchner ab. Auch heuer?

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