Corona zwingt den Rekordmeister zum Umdenken

FC Bayern: „Noch stärker auf den Nachwuchs setzen“ - Hainers Versprechen an eigene Jugend

Wie schon sein Vorgänger Uli Hoeneß (li.) möchte FCB-Präsident Herbert Hainer die Stars von morgen selbst entwickeln.
+
Wie schon sein Vorgänger Uli Hoeneß (li.) möchte FCB-Präsident Herbert Hainer die Stars von morgen selbst entwickeln.

Im Vergleich zu anderen Weltklubs hat sich der FC Bayern auf dem Transfermarkt zurückgehalten. Die Corona-Pandemie erhöht die Chance für den eigenen Nachwuchs.

München - Während die europäischen Spitzenklubs aus England oder Chamions-League-Finalist Paris St. Germain trotz Corona-Pandemie und hohen Einnahmeverlusten weiterhin viel Geld investieren, war der FC Bayern in den vergangenen Wochen und Monaten eher zurückhaltend. Mit Dayot Upamecano, Marcel Sabitzer (beide RB Leipzig*), Omar Richards (FC Reading) und Sven Ulreich (Rückkehr aus Hamburg) hat der Rekordmeister* nur vier externe Spieler verpflichtet. Josip Stanisic schaffte unter dem neuen Trainer Julian Nagelsmann* den Sprung von der U23 in den Kader der Profis.

„Unser Weg ist ganz klar: Wir werden noch stärker auf den Nachwuchs und unseren Campus setzen.“

Präsident Herbert Hainer über die Pläne des FC Bayern.

Der 21-jährige Verteidiger soll nur der Anfang sein. Durch Corona sind die Verantwortlichen an der Säbener Straße zum Umdenken gezwungen. Transfers in der Größenordnung von Lionel Messi, Cristiano Ronaldo oder Romelu Lukaku sind für den deutschen Branchenprimus im Moment kaum zu stemmen. Der Verein will deshalb aus der Not eine Tugend machen und weiterhin die Arbeit am vereinseigenen Nachwuchsleistungszentrum vorantreiben. „Unser Weg ist ganz klar: Wir werden noch stärker auf den Nachwuchs und unseren Campus setzen“ hat Präsident Herbert Hainer in der Sportbild angekündigt. „Wir sind stolz auf die Entwicklung von Jamal Musiala und wollen die nächsten Talente entwickeln – aktuell macht uns Josip Stanisic auch viel Freude. „

Mehr als 70 Millionen Euro hat der FC Bayern in den 2017 eröffneten Campus investiert. Schon damals sagte Hainer-Vorgänger Uli Hoeneß, der Klub wolle damit eine „Antwort auf den Transferwahnsinn und die Gehaltsexplosionen“ im Weltfußball geben. Durch Covid-19 sieht sich die Führungsetage in ihrem Vorhaben noch weiter bestärkt und will junge Spieler mit Argumenten überzeugen: „Was für die Spieler heute auch entscheidend ist, ist das Thema Identifkation. Das beste Beispiel hierfür ist Joshua Kimmich“, sagt Hainer. „Er ist einer der besten Spieler der Welt, und er sagt sich: Hier passt das Gesamtpaket aus sportlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Faktoren. Er will beim FC Bayern seinen Fußabdruck hinterlassen.“

FC Bayern: Neu formierte U23 sorgt in der Regionalliga mit vielen Toren für Furore

Den ganz großen Wurf seit der Eröffnung des Campus ist den Roten aber noch nicht gelungen. Jungstar Jamal Musiala* und Josip Stanisic haben zwar den Sprung aus der U23 zu den Profis geschafft, ausgebildet wurden die beiden Talente aber weitestgehend bei anderen Klubs. Musiala kam 2019 vom FC Chelsea an die Isar, Stanisic arbeitete sich über die Stationen TSV 1860 und SC Fürstenfeldbruck nach oben und steht seit 2017 unter Vertrag. Der vor der Saison zur TSG 1899 Hoffenheim* gewechselte Angelo Stiller hätte genau in dieses Schema gepasst. Der Mittelfeldspieler kam mit neun Jahren vom TSV Milbertshofen zum FC Bayern, durchlief alle Jugendmannschafen und wurde Junioren-Nationalspieler. Nagelsmann Vorgänger Hansi Flick hatte für den 20-Jährigen in der vergangenen Spielzeit allerdings kaum Verwendung. Zwei magere Kurzeinsätze in der Champions League* über insgesamt 19 Minuten und eine Halbzeit in der 1. Runde des DFB-Pokals* waren dem U23-Leader zu wenig und er verkündete früh seinen Wechsel zu seinem Förderer Sebastian Hoeneß.

Dennoch dürfen die Fans hoffen, denn im neu formierten Regionalliga-Team tummeln sich einige hoch veranlagte Spieler. Nach zehn Partien stehen Martin Demichelis und seine Jungs an der Tabellenspitze und haben beim 6:0-Sieg gegen Rosenheim mit einer blutjungen Mannschaft sogar Geschichte geschrieben. 39 Treffer haben die kleinen Bayern bereits erzielt. Oliver Batista Meier (20) hat genau wie Nemanja Motika (18) schon acht Mal ins Schwarze getroffen. Edeltechniker Gabriel Vidovic (17) folgt mit fünf Treffern in acht Partien. Armindo Sieb (18) und der nach seinem Kreuzbandriss wieder genesene Malik Tillman (19) warten noch auf ihr erstes Erfolgserlebnis in dieser Saison. In der Defensive glänzen regelmäßig Bright Arrey-Mbi (18) Jamie Lawrence (18) und Eyüp Aydin (17).

FC Bayern: Cheftrainer Julian Nagelsmann häufiger Gast bei Spielen der U23

Der Lauf der jungen Mannschaft ist im Moment für kurze Zeit gestoppt. Etliche Spieler der U23 sind mit den Junioren-Nationalmannschaften unterwegs und die Regionalliga-Topspiele gegen die beiden Aufstiegsanwärter SpVgg Bayreuth und 1. FC Schweinfurt wurden verlegt. Mit zwei Spielen Rückstand sind die torhungrigen Talente erst in einer Woche wieder für den FC Bayern im Einsatz. Nächster Gegner im Grünwalder Stadion ist Viktoria Aschaffenburg am Freitagabend. Dann vielleicht auch wieder mit einem aufmerksamen Augenpaar auf der Tribüne. Profi-Coach Nagelsmann hat sich bereits mehrmals im Grünwalder Stadion ein Bild von den Stars von morgen gemacht. Wann der 34-Jährige - ganz im Sinne der Vereinsführung - nach Stanisic der nächsten Nachwuchshoffnung eine Chance gibt, ist wohl nur eine Frage der Zeit (Jörg Bullinger). *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Auch interessant

Kommentare