In der Kreisliga

Ex-Bayern-Keeper steht mit 52 im Kasten

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Murnaus prominenter Ersatztorwart Gerald Hillringhaus.

München - Wer erkennt ihn? Ein ehemaliger Bayern-Keeper hütet mit 52 Jahren hin und wieder das Tor in der Kreisliga. Er bekam einen Hilferuf eines alten Kumpels.

Fußball-Kennern ist Gerald Hillringhaus ein Begriff. Er war Profi – in den 80ern und 90ern des vorigen Jahrhunderts.  Mit einem Werdegang, der sich sehen lassen kann. Hillringhaus stand bei prominenten Arbeitgebern unter Vertrag: den Münchner Löwen, beim 1. FC Kaiserslautern, Tennis Borussia Berlin. Für Rekordmeister FC Bayern bestritt der heute 52-Jährige 17 Bundesligaspiele.

Generell hat Gerald Hillringhaus den Bezug zum Fußball weitestgehend verloren. Die Kontakte aus der Profizeit haben sich „mit der Zeit zerschlagen“. Vor einigen Jahren zog er mit seiner Lebensgefährtin nach Bad Heilbrunn. Dort arbeitet er als freiberuflicher Feinmechaniker. Und neuerdings auch als Aushilfs-Keeper des TSV Murnau.

Hillringhaus leistet Freundschaftsdienst

Seine Karriere endete 1993. Als die vorbei war, konnte es Hillringhaus mit dem Fußball nicht lassen. FC Emmering, TSV Herrsching, SV Pullach hießen seine Stationen in den Niederungen des Fußballs. Jetzt fügt der gebürtige Gilchinger seiner Vita ein weiteres Kapitel hinzu: den TSV Murnau. Beteiligt war er am Überraschungserfolg der Drachen bei Kreisliga-Spitzenreiter SC Pöcking-Possenhofen. Die Staffelsee-Kicker selbst staunten am vergangenen Sonntag nicht schlecht, als Ex-Profi Hillringhaus plötzlich in der Kabine stand.

Zu seinem Einsatz war er völlig überraschend gekommen. Bei den Murnauern war eingetreten, was jeden Amateurverein irgendwann ereilen kann: Zwei Torhüter sind nicht verfügbar, und genau dann tritt der Notfall ein. Im Laufe des Sonntagvormittags hatte Felix Schürgers TSV-Trainer Steffen Galm von seinem Ausfall unterrichtet. Nun ist Galm einer jener Übungsleiter, die ungerne etwas im Zufall überlassen. Als hätte er die Hiobsbotschaft vorausgesehen, hatte er dem Torhüter-Engpass durch einen geschickten Schachzug vorgebaut. Er fragte unlängst bei Hillringhaus auf dessen Lust auf Bereitschaftsdienst nach. Die beiden kennen sich aus ihrer gemeinsamen Zeit beim SV Pullach. Im Laufe der Jahre vertiefte sich die Bekanntschaft. „Wir sind gute Freunde geworden“, sagt Galm. Die Rückmeldung war positiv. Freundschaftsdienst eben.

"Eine SMS mit dem Text SOS"

Einzig das schnelle Eintreten des Falls der Fälle stellte die Verantwortlichen vor eine Herausforderung. In der Vorwoche noch Augenzeuge an der Seitenlinie, sollte Hillringhaus binnen zwei Tagen mit Spielrecht ausgestattet werden. Zu Hillringhaus’ aktiven Zeiten ein Ding der Unmöglichkeit. Doch heute, im Internet-Zeitalter, längst keine Sensation mehr. Es bedarf lediglich eines Fußballchefs mit überdurchschnittlichem Engagement. Dass der Plan mit Hillringhaus funktionierte, „ist ausschließlich der Fußball-Verrücktheit von Michael Adelwart zu verdanken“, sagt Galm. Damit adelt er „Adel“, wie der Spartenleiter an der Poschinger-Allee allenthalben gerufen wird.

Also debütierte Hillringhaus in Pöcking für den TSV. Von seiner Berufung erfuhr der 52-Jährige, als er vom Laufen nach Hause kam. „Ein Anruf in Abwesenheit und eine SMS mit dem Text SOS“, erzählt der Standby-Keeper. Also: Tasche gepackt und nach Pöcking gefahren.

Es sollte ein ruhiger Nachmittag werden – nahezu perfekt für eine temporäre Unterbrechung des Fußballer-Ruhestands. Galm räumt ein, dass Hillringhaus nicht viel zu halten bekommen habe. Der 43-Jährige ergänzt aber: „Das liegt auch daran, wie man anschafft.“ Murnaus Kicker waren sichtlich angetan von den Kommandos ihres Aushilfs-Schlussmanns. „Es hat uns allen Spaß gemacht“, urteilt Galm. Hillringhaus schickt die Lobeshymnen bescheiden zurück. Die Mannschaft habe seine Direktiven von hinten „toll umgesetzt“. Der 52-Jährige streicht die Disziplin seiner Vorderleute heraus. Und die konsequente Deckung. Ohne die wäre es nicht gegangen. „Denn sonst ist Pöcking spielerisch eine sehr gute Elf.“

Für Freund Galm gab’s ebenfalls Streicheleinheiten. „Steffen fördert den Teamgeist. Diese Art hat er einfach.“ Gleichwohl hofft Hillringhaus nicht zwingend auf einen Wiederholungsfall. Er habe Probleme an der Schulter und seit Sonntag auch ein muskuläres Handicap. Die Vielzahl an Torabschlägen führte zu einer „leichten Zerrung im Oberschenkel“. Nichts für einen passionierten Jogger und Bergwanderer und Fußball-Unruheständler.

Unvergessen das Tor des Monats des Ex-Bayern-Keepers

fvo

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