40-Jähriger spricht über seinen Ex-Klub

Transfer-Hammer beim FC Bayern? Ballack hat einen Verdacht

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Michael Ballack beendete im Sommer 2012 seine Karriere. Von 2002 bis 2006 spielte er beim FC Bayern München.

München - Ex-Bayern-Profi Michael Ballack verrät, wie der Rekordmeister seiner Meinung nach in Zukunft mit der internationalen Konkurrenz mithalten kann, warum es unter Carlo Ancelotti noch immer nicht rund läuft und spricht über die Formkrise von Thomas Müller.

Update vom 28. April 2017: Wen verpflichtet der FC Bayern nach dem Dopple-K.o. in der Champions League und im DFB-Pokal? Welche Top-Stars hat der Rekordmeister auf der Einkaufsliste? Wir haben alle aktuellen News zu Transfers und alle Transfergerüchte zum FC Bayern München zusammengefasst.

In den vergangen Jahren haben sich die Transfersummen für Fußballspieler immer mehr in die Höhe geschaukelt. Erst im Sommer 2016 wechselte der Franzose Paul Pogba für 105 Millionen Euro (Quelle: transfermarkt.de) von Juventus Turin zu Manchester United - der teuerste Transfer der Geschichte! Doch der 23-Jährige wird diesen Titel wohl bald an einen Landsmann verlieren, glaubt man englischen Medienberichten.

Demnach soll sich Antoine Griezmann, derzeit noch in Diensten von Atlético Madrid, für 115 Millionen Euro den „Red Devils“ anschließen. Auch dem FC Bayern sagte man in der Vergangenheit Interesse am Stürmer nach. Doch dass der Rekordmeister eine solche Summe für einen einzelnen Spieler auf den Tisch legt, ist nahezu ausgeschlossen.

Ballack: „Wenn du Weltklassespieler haben willst, muss investiert werden“

Für Ex-Profi Michael Ballack wird dies jedoch nötig sein, um in Zukunft mit der internationalen Konkurrenz, speziell aus England und Spanien, mithalten zu können. „Sicher werden die Bayern nicht so überdimensional einkaufen, wie es zum Beispiel die beiden Manchester-Klubs tun oder Real Madrid. Aber wenn du Weltklassespieler haben willst, muss investiert werden“, sagte der 40-Jährige im Sport Bild-Interview.

Ballack glaubt: Bald wird Bayern 50 Millionen oder mehr für einen Spieler investieren

Auch der FC Bayern müsse deshalb tief in die Tasche greifen. „Aufgrund der Entwicklung durch die hohen Fernsehgelder in England und durch das viele Geld, das in China bezahlt wird, werden die Bayern bald auch 50 Millionen Euro und mehr für einen Spieler an Ablöse ausgeben“, so der 98-fache deutsche Nationalspieler. Bisheriger Rekordtransfer der Roten ist Javi Martínez. Der Spanier kam zur Saison 2012/2013 für 40 Millionen Euro von Athletic Bilbao nach München.

Handlungsbedarf besteht beim FCB vor allem auf der Rechtsverteidigerposition. Schließlich gab Kapitän Philipp Lahm nach dem Pokal-Spiel gegen den VfL Wolfsburg offiziell bekannt, dass er am Ende der aktuellen Saison seine Karriere beenden wird. Und auch ein weiterer Mittelstürmer würde dem Bundesliga-Primus sicher gut zu Gesicht stehen. Einzig Thomas Müller könnte Robert Lewandowski im Falle einer Verletzung oder Sperre ersetzen. Doch der 27-Jährige befindet sich seit Wochen in einer Formkrise. Lediglich ein Tor in der Liga und zwei Treffer in der Champions League hat Müller bisher erzielt.

Video: Lahms Rücktritts-Erklärung im Wortlaut

Zu wenig, meint Michael Ballack: „Stürmer werden immer an Toren gemessen. Wenn die ausbleiben, gerätst du automatisch in die Kritik. Der Trainer muss nun abwägen: Fehlen der Mannschaft seine Tore, und ein anderer bekommt eine Chance? Oder ist Müllers Spielweise mit seinen vielen guten Laufwegen wichtig für die Mannschaft, und er spielt trotzdem?“

Ballack: „Spieler kommen in eine Konsolidierungsphase“

Nicht nur beim Weltmeister von 2014 läuft es derzeit alles andere als rund, auch der Verein scheint seine Dominanz der vergangenen Jahre ein wenig verloren zu haben. „Wenn man so viele Jahre die Liga dominiert, wie es die Bayern taten, wirst du als Spieler irgendwann auch mal müde im Kopf. Zumal die Jahre unter Pep Guardiola mental anstrengend waren“, beurteilt Ballack die sportliche Situation. „Durch den Trainer-Wechsel zu Carlo Ancelotti im Sommer kommen die Spieler in eine Konsolidierungsphase - auch vom Kopf her.“

Tasci, Donovan und Co.: Die größten Transfer-Flops des FC Bayern

Serdar Tasci
Serdar Tasci: Der ehemalige deutsche Nationalspieler kam in der Winterpause 2015/16 als Leihgabe von Spartak Moskau. Tasci sollte die Verletztenmisere in der Abwehr lindern, kam aber so gut wie nie zum Einsatz. © dpa
Sinan Kurt
Sinan Kurt: Als Top-Talent mit vielen Vorschusslorbeeren wechselte der gebürtige Mönchengladbacher 2014 von der Borussia zu Bayern. Doch in München konnte Kurt die hohen Erwartungen nicht erfüllen, machte nur ein Bundesligaspiel und wechselte Anfang 2016 zur Hertha nach Berlin. © MIS
Jan Kirchhoff
Jan Kirchhoff: Das Verteidigertalent aus Mainz sollte 2013 den Konkurrenzkampf in der Bayern-Defensive anheizen. Doch in seiner ersten Bayern-Hinrunde kam Kirchhoff nur auf sieben Bundesliga-Kurzeinsätze. In der Winterpause 2013/14 wurde er nach Schalke verliehen, hatte dort eineinhalb Jahre lang große Verletzungsprobleme. Die setzten sich nach der Rückkehr nach München fort. Seit der Winterpause 2015/16 spielt er für den FC Sunderland in der Premier League. © sampics / Stefan Matzke
Takashi Usami
Takashi Usami: Er galt als DAS Fußballversprechen aus Asien schlechthin. Doch in München kam Takashi Usami nie richtig in Tritt. Der „Jugendspieler des Jahres 2010“ in Japan wurde bei seinem Bundesliga-Debüt im August 2011 ein- und gleich wieder ausgewechselt und kam danach nur zu zwei weiteren Einsätzen. Wechselte nach nur einer Saison zu Hoffenheim, wo der erhoffte Durchbruch ebenfalls ausblieb.  © dpa
Nils Petersen
Nils Petersen: Kam 2011 als Zweitliga-Torschützenkönig aus Cottbus zu den Bayern, die sich dann als eine Nummer zu groß für ihn herausstellten. Nach einer Saison mit neun, meistens kurzen Einsätzen in der Bundesliga und zwei Toren, ging Petersen nach Bremen. Sagt heute aber, dass ihn die Zeit bei Bayern fußballerisch entscheidend vorangebracht hat. © Christina Pahnke / sampics
Alexander Baumjohann
Alexander Baumjohann: Der offensive Mittelfeldspieler konnte sich nur ein halbes Jahr lang in München halten. Baumjohann kam in der Hinrunde 2009 unter Louis van Gaal nur auf 91 Einsatzminuten in der Bundesliga und stand meistens nicht einmal im Profi-Kader. Schon zur Winterpause verkauften die Bayern den zuvor ablösefrei aus Mönchengladbach gekommenen Baumjohann nach Schalke. © picture-alliance/ dpa-tz/mm
Edson Braafheid
Edson Braafheid: War einer der Wunschspieler, die Louis van Gaal zum Amtsantritt 2009 aus den Niederlanden mitbrachte. Doch das Vertrauen des Trainers konnte er nie wirklich bestätigen. Zwar spielte Braafheid in seiner ersten Bayern-Hinrunde immerhin neun Mal in der Bundesliga, doch schon nach einem halben Jahr wurde er an Celtic Glasgow verliehen. Auch nach seiner Rückkehr in der darauffolgenden Hinrunde konnte Braafheid keine Glanzlichter setzen und verließ den Verein im Januar 2011 in Richtung Hoffenheim. © MIS
Landon Donovan
Landon Donovan: Jürgen Klinsmann wollte ihn unbedingt haben, den damals absoluten Topspieler der nordamerikanischen MLS. Donovan kam im Januar 2009 als Leihspieler aus Los Angeles, blieb nur etwas mehr als zwei Monate und konnte bei sechs Bundesliga-Kurzeinsätzen nicht überzeugen: 0 Tore, 0 Torvorlagen für den offensiven Mittelfeldspieler. © sampics-mzv
Breno
Breno: Die Karriere des Brasilianers beim FC Bayern stand von Beginn an unter keinem guten Stern. Breno war 2008 einer der gefragtesten Nachwuchsverteidiger der Welt. Doch es gab Gerüchte, dass der 18-Jährige bei seinem Alter geschummelt haben sollte. Richtig Fuß fasste er in der Folge nie, wurde immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen. 2011 der traurige Höhepunkt: Der Brand in seiner Villa. Breno wird wegen Brandstiftung zu drei Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt, kommt im Dezember 2014 vorzeitig frei und spielt seitdem wieder in Brasilien. © picture-alliance/ dpa-tz/mm
Massimo Oddo
Massimo Oddo: Der italienische Weltmeister kam 2008 als Leihgabe vom AC Mailand und diente vor allem als Integrationshilfe für Torjäger Luca Toni. Sportlich lief es für den Außenverteidiger Oddo nicht rund, nach einem Jahr war das Intermezzo in München wieder beendet. In Erinnerung blieb vor allem seine unglückliche Vorstellung bei der 0:4-Champions-League-Blamage in Barcelona. © MIS-mzv
Tim Borowski
Tim Borowski: Kam als einer der Wunschspieler Jürgen Klinsmanns ablösefrei aus Bremen. Borowski hatte außer einem Doppelpack bei der 2:5-Niederlage gegen seinen Ex-Klub aber keine großen Momente in München. Schon nach einer Saison kehrte er zurück an die Weser und brachte immerhin noch einen kleinen Transfer-Erlös ein. © MIS-mzv
Jan Schlaudraff
Jan Schlaudraff: Spielte die Bayern im DFB-Pokal-Achtelfinale 2006 mit Aachen schwindelig, erzielte den 4:2-Siegtreffer und wurde im Sommer 2007 verpflichtet. Schlaudraff brachte es in München aber nur auf acht Bundesliga-Kurzeinsätze ohne Torerfolg. Nach nur einer Saison der Wechsel nach Hannover, der bescherte den Bayern immerhin ein Transfer-Plus. © MIS
Marcell Jansen
Marcell Jansen: Mit großen Erwartungen kam der Nachwuchsnationalspieler 2007 aus Mönchengladbach nach München. Zusammen mit Philipp Lahm sollte er für viele Jahre das Außenverteidiger-Gespann des FCB bilden. Doch Jansen machte nur 17 Bundesliga-Spiele für Bayern und war oft nicht einmal im Kader. Nach nur einer Saison verließ er den Verein und wurde beim Hamburger SV glücklicher. © MIS
Jose Ernesto Sosa
Jose Ernesto Sosa: „Der kleine Prinz“ wechselte 2007 von Estudiantes de La Plata nach München und sollte Sebastian Deisler im rechten Mittelfeld ersetzen. Doch der Argentinier Sosa konnte sich bei den Bayern nie unverzichtbar machen - im Gegensatz zu Franck Ribery, der im selben Sommer nach München kam. In drei Spielzeiten kam Sosa auf 35 Bundesligaeinsätze und zwei Tore. Das große Versprechen, eines der Top-Talente Südamerikas zu sein, konnte er nie einlösen. © picture-alliance/ dpa-tz/mm
Lukas Podolski
Lukas Podolski: Eines der größeren Missverständnisse der Bayern-Vereinsgeschichte. Podolski konnte beim Wechsel 2006 die Euphorie der Heim-WM nicht zu den Bayern mitnehmen. Er blieb in drei Spielzeiten in München konstant unter seinen Möglichkeiten und kehrte 2009 ohne bleibende Eindrücke auf dem Platz zu hinterlassen in seine Heimatstadt Köln zum FC zurück. © dpa-mm
Julio dos Santos
Julio dos Santos: Er sollte in die Fußstapfen von Michael Ballack treten, doch die waren mehrere Nummern zu groß. Dos Santos kam im Januar 2006 aus Paraguay nach München, machte in seinem ersten Jahr aber nur fünf Bundesligaspiele mit 98 Minuten Einsatzzeit. Wurde danach auf eine Leih-Odyssee geschickt, die ihn zu Wolfsburg, Almeria und Gremio Porto Alegre nach Brasilien führte – aber nie mehr zurück zu den Münchnern. © dpa/dpaweb-mm

Dennoch gebe es keinen Grund zur Sorge. „Bei Bayern läuft nicht grundlegend etwas falsch. Im Spiel vor Weihnachten gegen RB Leipzig, als beide Klubs punktgleich waren, waren die Bayern da. Carlo Ancelotti hat gezeigt, dass er die Spieler auf den Punkt motivieren konnte, und die Bayern siegten souverän“, so Ballack, der seinem Ex-Klub den ganz großen Coup in der Champions League zutraut. „Sie haben eine gute Chance, ins Halbfinale zu kommen. Dann kommt es darauf an, wer von den großen Klubs wie Real oder Barcelona sein ganzes Potenzial im richtigen Moment ausspielen kann.“

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sk

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