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Exportschlager FC Bayern II: Viele Jungstars glänzen inzwischen gegen den Rekordmeister

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Niklas Dorsch (li.), Angelo Stiller und Woo-yeong Jeong (r.) haben in der 1. Bundesliga inzwischen Fuß gefasst.
Niklas Dorsch (li.), Angelo Stiller und Woo-yeong Jeong (r.) haben in der 1. Bundesliga inzwischen Fuß gefasst. © Imago Images (Nordphoto/Langer)

Den Sprung von der U23 zu den FCB-Profis schaffen die Wenigsten. Junge Spieler kehren München deshalb regelmäßig den Rücken und kämpfen sich bei anderen Klubs nach oben.

München - Am 21. August 2017 wurde gefeiert. Das 70 Millionen teure neue Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) in der Ingolstädter Straße wurde feierlich eröffnet und es gab warme Worte von höchster Stelle. „Dieser neue Campus bildet nun das magische Dreieck des FC Bayern zusammen mit der Anlage an der Säbener Straße und der Allianz Arena“, sagte der damalige bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer. Münchens OB Dieter Reiter ordnete das Projekt als „richtige Weichenstellung und Investition für die Zukunft“ ein und frohlockte, „dass der FC Bayern mit diesem Vorzeige-Campus den Rang der Sportstadt München weiter stärken wird“.

Doch wurde der Rekordmeister durch den eigenen Nachwuchs bisher wirklich gestärkt? Blickt man auf die einzelnen U23-Kader seit Sommer 2017, scheint es fast so, als ob vor allem die Konkurrenz in der 1. Bundesliga von der Ausbildung am neuen NLZ profitiert. Mit Niklas Dorsch (FC Augsburg) und dem am vergangenen Spieltag für den VfL Bochum erfolgreichen Milos Pantovic machen sich aus dem Kader der Saison 2017/18 zwei Spieler an anderer Stelle einen Namen.

Woo-yeong Jeong mit starken Leistungen beim SC Freiburg

Auch aus dem Aufstiegskader 2019 und dem Meisterkader 2020 haben mehrere Talente den Sprung ins Oberhaus geschafft. Woo-yeong Jeong wird immer mehr zum Leistungsträger des SC Freiburg und war am letzten Spieltag beim 2:2 gegen Bielefeld Torschütze zum zwischenzeitlichen 2:0. Angeblich hat der FC Bayern eine Rückkaufklausel und überlegt, ob der Südkoreaner zurück an die Isar gelockt werden soll. U21-Nationalspieler Angelo Stiller stand nach seinem Abgang im Sommer in den 18 Partien der TSG 1899 Hoffenheim siebenmal in der Startelf und kommt auf insgesamt 13 Einsätze unter Sebastian Hoeneß.

Der Sohn von Dieter und Neffe von Uli Hoeneß ist selbst ein Paradebeispiel für das Sprungbrett FC Bayern II. Er förderte Stiller bereits in München und holte mit ihm in seinem ersten Jahr bei der U23 die Meisterschaft in der 3. Liga. Danach wechselte Hoeneß ins Kraichgau. Nach Platz elf im ersten Jahr nimmt er in dieser Saison die internationalen Plätze ins Visier. Nach dem 18. Spieltag wäre er mit Hoffenheim sogar in der kommenden Spielzeit für die Champions League qualifiziert.

FC Bayern: Eigengewächse Malik Tillman und Josip Stanisic regelmäßig im Profi-Kader

Unter Hoeneß reift derzeit Leihspieler Chris Richards zum gestandenen Bundesliga-Spieler. Der US-Nationalspieler steht noch bis 2025 bei den Münchnern unter Vertrag. 25 seiner 30 Bundesliga-Spiele hat er im Trikot der TSG gemacht. Ebenfalls nur „geparkt“ ist Joshua Zirkzee. Beim RSC Anderlecht kommt der 20-Jährige immer besser in Fahrt und hat in der Jupiler Pro League nach 19 Partien neun Tore selbst erzielt und fünf Treffer seiner Kollegen aufgelegt.

Mit Josip Stanisic (21) hat ein U23-Spieler der vergangenen Jahre den Sprung gepackt. Julian Nagelsmann hat ihn in dieser Saison achtmal eingesetzt. Auch Malik Tillman (19) darf sich immer wieder zeigen. Am vergangenen Wochenende, als Paul Wanner (16) und Lucas Copado (18) wegen diverser Coronafälle ihr Debüt feierten, stand der Stürmer erstmals in der Startelf. Insgesamt war er dreimal für die Profis am Ball.

FC Bayern: Auch in Zukunft ein riesiger Schritt von der U23 ins Starensemble

Gerne wird in diesem Zusammenhang auch Jungstar Jamal Musiala genannt. Zur Wahrheit gehört aber, dass der 18-Jährige im Juli 2019 vom FC Chelsea kam und hauptsächlich in England ausgebildet wurde. Für Dorsch, Pantovic, Jeong und Stiller war der Schritt in München im Rückblick zu groß. An anderer Stelle haben sie mehr Spielanteile bekommen und hatten nicht den Druck, der nächste beim FCB ausgebildete Thomas Müller oder Bastian Schweinsteiger zu werden.

Die Nachwuchshoffnungen werden und müssen träumen, an der Säbener Straße den Durchbruch zu schaffen. Die Hürden bleiben angesichts des mit Superstars gespickten Kaders aber enorm hoch, zumal die U23 seit vergangenem Sommer in der Regionalliga Bayern gegen sportlich ganz andere Kaliber als in der 3. Liga kämpft. Dass Julian Nagelsmann gänzlich dem Jugendwahn verfällt, darf angesichts des Erfolgsdrucks bezweifelt werden. Chancen werden die jungen Spieler trotzdem bekommen, ob in München oder eben doch wie einige inzwischen prominente Vorgänger an anderer Stelle. (Jörg Bullinger)

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