"Ohne Fans ist Fußball keinen Penny wert"

Ticket-Preise: Bayern-Fans rufen zu weiterem Protest auf

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So protestierten die Bayern-Fans in London gegen die hohen Ticketpreise. Den Briten gefiel die Aktion äußerst gut.

München - Die Anhänger des FC Bayern rufen die Fans aus ganz Europa auf sich am Protest gegen die teilweise überteuerten Ticket-Preise zu beteiligen. Sie haben auch Lösungsideen.

Vor zwei Wochen sorgte die Protest-Aktion der mitgereisten Fans des FC Bayern beim Auswärtsspiel beim FC Arsenal in London für europaweite Schlagzeilen. Sie demonstrierten gegen die teilweise horrenden Ticket-Preise im internationalen Fußball. In den ersten Spielminuten sah man im Emirates Stadium anstatt voller Ränge nur wenige Anhänger im Gästeblock, die fünf Banner in die Luft hielten. Darauf war übersetzt zu lesen: "64 Pfund für ein Ticket, aber ohne Fans ist Fußball keinen Penny wert".

Vor dem Rückspiel am Mittwoch Abend gegen die Gunners (wir berichten im Live-Ticker) rufen nun der Club Nr. 12 und die Ultra-Gruppierung Schickeria München auf, den Protest gemeinsam fortzusetzen. Sie appellieren an die Anhänger aus ganz Europa sich an dieser Diskussion zu beteiligen und ihren Standpunkt mit einzubringen. Auch Engagements in den nationalen Fan-Bündnissen wie "Kein Zwanni" oder "Twenty's Plenty" werden gewünscht, "denn das nationale Preisniveau hat natürlich auch große Auswirkungen auf die Preise bei Europapokalspielen", wie es in der Pressemitteilung lautet.

Als Lösungsansätze nennen die Anhänger des FC Bayern auch die Wiedereinführung von Stehplätzen im europäischen Fußball oder eine am Gegner orientierte Preispolitik. Diese könnte so aussehen, dass von Auswärtsfans maximal der Betrag verlangt wird, "der auch beim jeweiligen Heimspiel den dort angereisten Auswärtsfans in Rechnung gestellt wird: Verlangt z.B. ein osteuropäischer Verein bei seinem Heimspiel von den angereisten Bayernfans umgerechnet 20 Euro, würde der FC Bayern beim Rückspiel ebenso 20 Euro von den angereisten Auswärtsfans verlangen."

Ob es am Abend in der Allianz Arena rund um das Spiel zu weiteren Protest-Aktionen kommen wird, teilten Club Nr. 12 und Schickeria München jedoch nicht mit.

Pressemitteilung der Schickeria München und des Club Nr. 12 im Wortlaut

Beim Spiel des FC Bayern beim FC Arsenal vor zwei Wochen haben viele mitgereiste Fans gegen die Ticketpreise protestiert.

Mit einem Preis von 100 Euro für ein Gruppenspiel der Champions-League war für die Mehrheit der mitgereisten Anhänger eine Grenze überschritten, die es uns nicht mehr erlaubt, den stetigen Preissteigerungen insbesondere bei Begegnungen der europäischen Klub-Wettbewerbe tatenlos zuzusehen.

Wir sind der Auffassung, dass es an der Zeit ist, ganz allgemein über die Preisgestaltung von Eintrittskarten bei UEFA-Vereinswettbewerben zu diskutieren. Der folgende Text soll innerhalb der europäischen Fangemeinde eine Debatte darüber anstoßen, wie angemessene Ticketpreise definiert und auch durchgesetzt werden können.

Es ist uns dabei bewusst, dass wir auch vor der Tür unseres eigenen Vereins kehren müssen: Die für unseren Auswärtsblock in München aufgerufenen Preise mögen nominell nur halb so hoch wie in London sein, stellen aber für Fans aus Ländern mit deutlich geringerem Einkommensniveau ebenfalls eine große Hürde dar.

Die Konsequenzen unangemessen ansteigender Ticketpreise lassen sich recht anschaulich an der Entwicklung in England in den letzten zwei Jahrzehnten beobachten: immer größere Teile der Gesellschaft werden dort vom Stadionbesuch ausgeschlossen. Die traditionelle Fußballatmosphäre geht verloren, Fankultur stirbt.

Die in England inzwischen gängige Praxis, dass sich Fans zum Teil nach jahrzehntelangem Besuch aller Heimspiele aufgrund von Preissteigerungen ihre Jahreskarten nicht mehr leisten können, ist für uns eine unerträgliche Vorstellung.

In Deutschland konnten in den letzten Jahren vergleichbare Probleme durch das Vorhandensein von preisgünstigen Stehplätzen abgefedert werden. Auch ist hier das Bewusstsein für die Bedeutung von Fankultur für den Fußball als Ganzes zum Teil stärker ausgeprägt. Trotzdem erleben wir inzwischen gerade bei Europapokalspielen ähnliche Tendenzen. Die Perspektive, dass sich bei attraktiven Spielen wie z.B. in den europäischen Vereinswettbewerben nur noch besserverdienende Fans den Stadionbesuch leisten können, ist im Hinblick auf die soziale Verantwortung des Fußballs nicht akzeptabel.

Insbesondere für die Auswärtsfans, die mit ihrer Unterstützung viel zur Attraktivität dieser besonderen Spiele auf europäischer Bühne beitragen, sollte sichergestellt werden, dass ein Spielbesuch nicht an den aufgerufenen Ticketpreisen scheitert. Der Fußball täte gut daran sich auf seine Wurzeln zu besinnen und extra aus dem Ausland angereiste GÄSTEfans auch in Bezug auf die Ticketpreise wie GÄSTE zu behandeln.

Die vor einigen Jahren von der UEFA eingeführte Regel, nach der von Auswärtsfans nicht mehr für ein Ticket verlangt werden darf, als die Heimfans für einen vergleichbaren Platz im Stadion zahlen, halten wir deshalb für richtig und wichtig, auch wenn diese Vorgabe leider sehr oft z.B. durch extreme Ticketrabatte für Vereinsmitglieder - also nur für Heimfans - unterlaufen wird. Um der Intention dieser Regelung zu entsprechen, halten wir es jedoch für erforderlich, diese insofern zu erweitern, dass den Auswärtsfans auch immer die günstigste Preiskategorie angeboten bzw. berechnet wird. Im Falle unserer Heimspiele wird dies bereits in der Bundesliga praktiziert und es erscheint uns deshalb nur konsequent, dieses Modell auch bei Spielen im Europapokal anzuwenden und so mit gutem Beispiel voranzugehen.

Bei der Diskussion um Ticketpreise bei europäischen Vereinswettbewerben dürfen die zum Teil extrem unterschiedlichen Preis- und Lohnniveaus innerhalb von Europa nicht außer Acht gelassen werden. Wenn der Fußball seine Rolle als länderübergreifender Brückenbauer ernst nimmt, sollten Lösungen gefunden werden, die gerade auch den Fans aus ärmeren Ländern den Besuch bei Spielen in wohlhabenderen Ecken unseres Kontinents ermöglichen.

Eine diskussionswürdige und aus unserer Sicht erstrebenswerte Regelung wäre, von Auswärtsfans maximal den Betrag zu verlangen, der auch beim jeweiligen Heimspiel den dort angereisten Auswärtsfans in Rechnung gestellt wird: Verlangt z.B. ein osteuropäischer Verein bei seinem Heimspiel von den angereisten Bayernfans umgerechnet 20 Euro, würde der FC Bayern beim Rückspiel ebenso 20 Euro von den angereisten Auswärtsfans verlangen.

Die durch diese Regelungen verursachten Mindereinnahmen sind angesichts der Umsätze im Profifußball gut zu verkraften und kommen insbesondere den Fans aus Ländern zugute, für die eine Reise zu einem Auswärtsspiel ins europäische Ausland eine echte Herausforderung darstellt.

Die UEFA würde mit dieser Praxis sicher eine größere Werbung für den Fairplay-Gedanken erzielen als durch das massenhafte Aufstellen von Fairplay-Werbebanden in den Stadien.

Neben diesen Regelungen zur Preisgestaltung halten wir die Wiedereinführung von Stehplätzen bei internationalen Spielen für den vielversprechendsten Ansatz zur Lösung der beschriebenen Problematik. Die UEFA schreibt sich RESPEKT als zentralen Wert auf die Fahnen. Wir vermissen diesen Respekt in Bezug auf eine Fankultur, die z.B. in Deutschland bewiesen hat, dass Stehplätze kein Sicherheitsrisiko, sondern eine Bereicherung für das Stadionerlebnis aller Fans darstellen.

Wir rufen die Fans in Europa auf, sich an dieser Diskussion zu beteiligen und ihren Standpunkt mit einzubringen.

Wir Fans müssen uns unserer Rolle bewusst werden und für unsere Interessen gemeinsam einstehen. Die Kartenpreise sind ein fundamentales Thema für uns und zukünftige Fangenerationen. Engagiert Euch auch in nationalen Bündnissen wie "Kein Zwanni" oder "Twenty's Plenty", denn das nationale Preisniveau hat natürlich auch große Auswirkungen auf die Preise bei Europapokalspielen.

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